«Sie brauchen mehr als etwas zu essen»
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Artikel vom 09.09.2010
Er ist der «Lord of the Board», der Vater der Skateboardszene - nicht nur in Deutschland. Titus Dittmann initiierte den ersten Beton-Skatepark in Afghanistan. Heute wird er eröffnet. News.de verriet der Skater, warum er keine Angst vor den Taliban hat.
Hallo Herr Dittmann, wo sind Sie gerade?
Titus Dittmann: Ich bin in die Bahn eingestiegen und fahre zum Flughafen. Heute Abend (Montag) geht das Flugzeug Richtung Kabul, von da aus fliege ich weiter nach Herat, im Westen Afghanistans.
Dort wollen Sie am Donnerstag einen Skateboard-Park einweihen. Wie kam es dazu?
Dittmann: Die ganze Story ist jetzt zwei Jahre alt. Wir haben 2008 ein Projekt in Kabul unterstützt und ich hatte danach Lust, noch mehr zu bewegen. 2009 habe ich eine Stiftung gegründet. Unter deren Dach fördert die Initiative skate-aid weltweit humanitäre Projekte, die mittels des Skateboardings Kinder-und Jugendhilfe leisten. Aktuell sind wir auch in Afrika sehr aktiv. Bei dem Projekt in Afghanistan kooperieren wir mit Rupert Neudecks Organisation Grünhelme. Die Grünhelme bauen dort Schulen und eröffnen am Donnerstag die 32. Einrichtung.
Und Sie den ersten Skateboard-Park?
Dittmann: Ja. Es ist der erste Beton-Park in Afghanistan. In Kabul gibt es bereits eine Skateboard-Halle.
Wer hat denn den Park gebaut?
Dittmann: Der Bauleiter war Zobair Akhi. Er ist Afghane und Mitarbeiter der Grünhelme. Zobair hat in Deutschland Ingenieurwesen studiert. Außerdem war ein Skate-aid-Aktivist dabei, Marc Zanger. Der hat sich um die skateboardspezifischen Anforderungen gekümmert. Gebaut haben die Dorfbewohner selbst. Wir konnten somit 40 Leuten ungefähr zwei Monate lang einen Job geben.
Was versprechen Sie sich von einer Skateboard-Anlage am Hindukusch?
Dittmann: Wir versprechen uns, dass wir damit an die junge Generation herankommen. An jene, die nicht so ein dickes Brett vor dem Kopf haben, wie die Erwachsenen dort, wie die Extremisten, die man eh nicht mehr ändern kann. Wenn man eine Gesellschaft verändern will, muss man bei der Jugend beginnen. Skateboarding ist extrem sinn- und identitätsstiftend. Wir hoffen und wissen, dass das Skateboard eine hohe Begeisterung hervorruft und damit alles andere in den Hintergrund gerät.
Sie wollen also Jugendliche unabhängig von ihren Erziehungs- und Glaubensrichtungen machen?
Dittmann: Das ist das übergeordnete Ziel, natürlich fernab von Missionierung. Das ganz einfache Ziel ist es, egal, ob mit Skateboarding oder womit auch immer, die Kinder und Jugendlichen aus der Erwachsenengesellschaft zu holen. Die müssen schon als Kleinkinder auf dem Feld extrem hart arbeiten und es wird für sie nichts getan. Sie brauchen mehr als nur etwas zu essen. Nämlich auch Begeisterung, Spaß und Hoffnung.
Wie wurde das Projekt bereits während der Bauphase aufgenommen?
Dittmann: Wenn man sieht, wie die Menschen mit den Händen die Anlage gebaut haben; wenn man sieht, wie sie mit der Kelle die Bahn modellieren, dann sind das sehr positive Eindrücke. Bereits während der Bauphase haben wir den Skateboardbetrieb gestartet. Die Begeisterung war unglaublich, selbst die Lehrerin und der Hausmeister der Schule haben sich auf ein Brett gestellt.
Wird die Anlage nach der Einweihung sich selbst überlassen?
Dittmann: Nein. Wir haben schon jetzt die Boards, die verliehen werden, in der Schule eingeschlossen. Ansonsten würden sich die Älteren die Bretter mitnehmen und verkaufen. Jetzt bauen wir einen nachhaltigen Betrieb auf. Ein Skate-aid-Aktivist wird ein paar Wochen da bleiben, vielleicht sogar ein paar Monate, und kontinuierlich eine Skateboard-Szene aufbauen. Nebenbei suchen wir einen verantwortlichen Lehrer oder Hausmeister, der die Boards verwaltet.
Skateboarden kommt aus Amerika. Haben Sie keine Angst davor, dass die Nutzer Ihrer Anlage angegriffen werden?
Dittmann: Das Skateboarden ist in Afghanistan noch komplett kulturell unbeleckt. Das ist dort ein Brett mit vier Rollen, mit dem man viel Spaß haben kann. Dort hat ja auch niemand Angst vor einem Handy.
Vielleicht denkt die Taliban anders darüber als die Jugendlichen im Ort?
Dittmann: Das mag sein. Aber wir sind in einem Gebiet, in dem der Talibaneinfluss nicht ganz so stark ist. Das ist ein Riesenvorteil für den zivilen Aufbau.
Welche Erfahrung haben Sie mit der Unterstützung des Auswärtigen Amtes bei Ihrem Projekt gemacht?
Dittmann: Es handelt sich aktuell mehr um Privatinitiativen. Zum Beispiel engagiert sich der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, für das Projekt. Wir versuchen so weit wie möglich ohne Politik, Militär und große Organisationen auszukommen, um das Geld in die Projekte stecken zu können und nicht in administrative Dinge. Die Dorfbewohner müssen merken, dass wir das sind und nicht irgendeine Regierung. Dann wäre auch die Gefährdung gleich viel höher.
Fahren Sie auch eine Runde auf der neuen Bahn?
Dittmann: Mein Bein schmerzt. Aber wenn es wieder mitmacht, werde ich mich zu den spielenden Kindern gesellen und etwas rumrollern. Ich bin ja schon 61 Jahre alt, habe also wieder Kinderniveau.
Titus Dittmann (61) gilt als Vater der deutschen Skateboardszene. Der Münsteraner betreibt eine Firma, die europäischer Marktführer im Handel mit Skateboardutensilien ist. Dittmann gründete die Stiftung skate-aid, um mittels Skateprojekten Kindern und Jugendlichen in der Dritten Welt etwas Spaß zu ermöglichen.
hav/reu/news.de
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jetzt antwortenKommentar meldenMehr als Essen? Ja, Bildung statt Islam. Mathe-Bücher statt Koran; in musl. Ländern gibt es die höchste Analphabeten-Quote. In Afghanistan sind es 80%. Hat Sarrazin recht? Macht der Islam dumm ODER sind nur Dumme Moslems? Das ist die Frage. Wer kennt die Antwort?
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