Längere Laufzeiten Ändern sich jetzt die Strompreise?

Strompreise (Foto)
Blick auf den Drehstromzähler: Müssen die Deutschen bald mehr oder weniger für ihren Strom zahlen? Eine schwierige Frage. Bild: ddp

Die Regierung will die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um bis zu 14 Jahre verlängern. Doch was bedeutet das für den Strompreis? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten - was Politikern, Verbänden und Wirtschaft Raum für eigene Interpretationen lässt.

Ist die Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten begrüßenswert oder zu verurteilen? Das hängt bei den Deutschen auch davon ab, inwieweit dies die Strompreise beeinflusst - das zeigte eine Umfrage wenige Tage vor dem Atomkompromiss der Bundesregierung: 59 Prozent der Befragten sprachen sich im ARD-DeutschlandTrend gegen eine Verlängerung der Laufzeiten um 10 bis 15 Jahre aus. «Wenn dadurch die Strompreise sinken», wären jedoch 57 Prozent mit einer Verlängerung einverstanden.

Welchen Einfluss hat die Entscheidung der Bundesregierung für eine Laufzeitverlängerung zwischen 8 und 14 Jahren nun also darauf, wie viel wir für unseren Strom bezahlen? Die Antwort lautet: Genau abschätzen kann niemand, wie das Preisniveau in 10, 20 oder 30 Jahren aussieht. Experten gehen davon aus, dass Strom grundsätzlich teurer wird. Das liegt auch am stark geförderten Ausbau des Solarstroms.

Zukunft der Energie
Umweltschutz oder Umweltschmutz

Da präzise Aussagen kaum möglich sind, bleibt die Preis-Diskussion eine Frage der Interpretation. News.de zeigt, wer Hoffnung auf sinkende Preise schürt und wer vor einem Preisanstieg warnt:


Sie sprechen von günstigeren Strompreisen:

Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) hat bereits vor dem Kompromiss gesagt: «Seit wir die Szenarien vorliegen haben, ist schon klar, dass eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke um 10 bis 15 Jahre uns wichtige Vorteile bringt.» Diese Vorteile bezog die CDU-Vorsitzende auf die Entwicklung der Strompreise und CO2-Einsparungen.

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) geht davon aus, dass Haushalte und Industrie langfristig entlastet werden: «Was wir auf den Weg bringen, wirkt preisdämpfend.»

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Werner Schnappauf, setzt nun ebenfalls auf günstigere Preise: «Die gefundene Regelung wirkt preisdämpfend auf die Strompreise in Deutschland.»

Der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsunion, Josef Schlarmann, kritisierte den Kompromiss und forderte: «Im Prinzip sollten Atomkraftwerke so lange laufen können, wie sie sicher sind, ohne ein Zeitlimit», forderte er. «Damit hätte man alle energiepolitischen Ziele, nämlich CO2-Reduktion, Versorgungssicherheit und günstige Strompreise, erreicht.»

Der Chef der FDP-Fraktion im NRW-Landtag, Gerhard Papke, begrüßte dagegen die Laufzeitverlängerung. Mit Verweis darauf, dass kein anderes Bundesland so sehr auf wettbewerbsfähige Strompreise angewiesen sei wie NRW, sprach er von einem hervorragenden Ergebnis.


Sie glauben nicht an sinkende Preise:

Nach der Meinung des Chefs von RWE Power, Johannes Lambertz, können sich Verbraucher trotz der geplanten Laufzeitverlängerung zunächst keine Hoffnung auf sinkende Strompreise machen. «Die Preise sinken nicht, weil sich am aktuellen Kraftwerksmix nichts ändert», sagte Lambertz.

Der Geschäftsführer des bundesweit größten Stadtwerke-Bündnisses Trianel, Sven Becker, sagt, die Verlängerung sei «Gift für den Wettbewerb». Sie führe dazu, dass «der Kunde die Zeche zahlt, weil der Markt verschlossen wird und ein Oligopol für überteuerte Strompreise sorgt».

Auch Saarlands Umweltministerin Simone Peter (Grüne) kritisierte: «Damit werden die Energieversorgungsstrukturen politisch motiviert zementiert.» Mit einer Stabilisierung der Strompreise könne dann auf lange Sicht nicht gerechnet werden.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien warf der Bundesregierung ebenfalls vor, die marktbeherrschende Macht der Stromkonzerne zu zementieren. Damit werde ein fairer Wettbewerb auf dem Strommarkt auf Jahrzehnte hinaus verhindert.

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, kritisierte: «Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Geld den Beteiligten ein bisschen näher war, als die Wettbewerbsstruktur.»

Das Freiburger Öko-Institut ging bei seiner Berechnung von Mehreinnahmen für die Energieriesen durch die Laufzeitverlängerung einmal von konstanten und einmal von leicht steigenden Preisen aus.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, eine Laufzeitverlängerung habe nichts mit Klimaschutz oder Strompreisen zu tun. Es gehe allein um die Profite der Energiekonzerne.

tno/che/ivb/news.de/dpa/ddp/ap

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Antonietta
  • Kommentar 5
  • 03.11.2010 08:02

Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind, Biomasse und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!

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  • NRW
  • Kommentar 4
  • 08.09.2010 11:41

Warum klagen eigentlich die Stadt-Werke aller Gemeinden über diese Entwicklung der Verlängerung der Laufzeiten der Atom-Anlagen? Sollte nicht mal Herr Sarrazin nach dem Geisteszustand all der "deutschstämmigen Ideoten"fragen,diese 70 bis 80 Prozentigen,die schon vorher wussten,das die bösen knapp 8,8 Prozent Ausländer Schuld am geistigen Zustand der"Deutschstämmigen" sind,ehe sie die Weisheiten des "muslimischen Sarrazenen"zu lesen bekamen!Das "Staats-Volk"sollte auch nicht klüger sein als die von ihm gewählte Regierung!

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  • Arsch
  • Kommentar 3
  • 08.09.2010 11:30

Warum die Strompreise ändern!Getreu nach der größten Regierungspartei,den fdp-Finanzmatratzen und Hotelbettvorlegern"werden die Gewinne der Stromanbieter"privatisiert"und der atomare Abfall"sozialisiert"! Freude über die käuflichkeit der fdp,bald gibt es wieder Kohle und nicht nur von den Hotelbesitzern,sondern der Farma-Industrie und der Atom-Industrie und......! Nun will Merkel auch was vom Lobbyisten-Kuchen! Freue dich "wählerdummes Bürgerdum"!

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