Mo., 13.02.12

Pflege-TÜV Kuschelnoten oder unfaire Bewertung?

Artikel vom 02.09.2010

Die Ersatzkassen sprechen ein Jahr nach Einführung des «Pflege-TÜV» von einem Erfolg. Doch 214 Pflegeeinrichtungen klagen gegen die Bewertungen. Diese sollen nun verbessert werden.

Die Krankenkassen wollen den vor einem Jahr eingeführten Pflege-TÜV verbessern. So sollen Altenheime, die zum Beispiel schlecht beim Wundliegen oder der Ernährung von Patienten abschneiden, keine guten Gesamtnoten mehr bekommen können. Das überarbeitete Schulnotensystem von 1 bis 5 könnte zum 1. Januar 2011 starten.

Grundsätzlich hat sich nach Einschätzung der Kassen die Bewertung der Pflegedienste bewährt: «Schon über 17 Millionen Mal haben Ratsuchende im Internet den Pflegelotsen genutzt», sagte der Vorstandschef des Verbands der Ersatzkassen, Thomas Ballast, am Nachmittag in Berlin. Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte dagegen, der Pflege-TÜV produziere nur «Kuschelnoten».

Die bisher rund 200 Klagen gegen den Pflege-TÜV sehen die Kassen gelassen. «Nur zwei Prozent der geprüften Einrichtungen wehren sich gegen die Veröffentlichung ihrer Noten. 98 Prozent der über 10.000 geprüften Dienste sind mit den Ergebnissen einverstanden», betonte Ballast.

Das vor einem Jahr gestartete Internetportal des vdek zur Pflegebewertung habe inzwischen alle 23.000 ambulanten und stationären Pflegedienste mit Vergütungs- und Vertragsdaten erfasst. Bei 8500 dieser Einrichtungen seien auch Bewertungen und Benotungen verfügbar, erklärte Ballast. Das Internetportal verzeichnete im vergangenen Jahr 17 Millionen Zugriffe. Eine ebenfalls geschaltete Hotline hatte monatlich etwa 320 Anfragen.

Das System der Pflegenoten war 2009 eingeführt worden, um Angehörigen die Suche und Bewertung von Pflegeeinrichtungen zu erleichtern und den Pflegemarkt transparenter zu machen. Die Noten werden von den Medizinischen Diensten der Krankenkassen vergeben. Angesichts der Kosten von 100 Millionen Euro im Jahr kritisierte die Deutsche Hospiz Stiftung die Bewertungskriterien für den Pflege-TÜV.

Schwere Defizite in der Therapie und Pflege würden durch Kriterien wie die Lesbarkeit von Speiseplänen verschleiert. «Für 100 Millionen Euro jährlich müssen die Versicherten einen Pflege-TÜV erwarten können, der von praktischem Nutzen für den Verbraucher ist», sagte der Vorsitzende der Stiftung Eugen Brysch der Neuen Osnabrücker Zeitung.

mac/news.de/dpa
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