Islam-Debatte FDP-Politiker wirft Kelek Rassismus vor

Necla Kelek soll den «Freiheitspreis» bekommen (Foto)
Necla Kelek soll den «Freiheitspreis» 2010 bekommen - eine Fehlentscheidung, meinen Kritiker. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein
Muslime müssen Sex haben - notfalls mit Tieren? Äußerungen der Sarrazin-Unterstützerin Necla Kelek sorgen für Ärger. Die liberale Naumann-Stiftung will ihr trotzdem den «Freiheitspreis» verleihen. FDP-Integrationspolitiker Serkan Tören ist sauer.

Die Jury hat entschieden - und damit Ärger heraufbeschworen: Alle zwei Jahre verleiht die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung den «Freiheitspreis». In diesem Jahr ist es wieder so weit, die Wahl fiel auf die Soziologin Necla Kelek. Jene Frau also, die gerade Thilo Sarrazin bei seiner Buchvorstellung sekundierte, die selbst islamkritische Bücher schreibt und die schon öfters durch kontroverse Äußerungen zu Integrationsfragen auffiel. Kelek ist umstritten, und nach neuen Äußerungen der Soziologin zur Sexualität von Muslimen bezweifeln Kritiker, dass sie für die Ehrung durch die Naumann-Stiftung die richtige Wahl ist.

Der «Freiheitspreis» soll Personen ehren, die «Impulse für eine liberale Bürgergesellschaft gegeben haben», die «zur Fortentwicklung freiheitlicher Werte und Ziele beitragen». Erster Preisträger war 2006 Ex-Außenminister und FDP-Eminenz Hans-Dietrich Genscher, 2008 wurde der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa geehrt.

«Islam-Bitches» mit Kopftüchern

Und nun also Necla Kelek. Am 6. November soll sie den Preis in der Frankfurter Paulskirche bekommen, die Laudatio wird Frauenrechtlerin Alice Schwarzer halten. Kelek habe in der Integrationsdebatte stets klar Position für den Wert der Freiheit bezogen, so die Spitze der Naumann-Stiftung um den FDP-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Gerhardt in einer Pressemitteilung. Kelek sei eine zeitgenössische Vertreterin der Aufklärung.

Genau daran aber zweifeln Kritiker. Die Vorsitzende des Liberal-islamischen Bundes, Lamya Kaddor, hält die Entscheidung der Freiheitspreis-Jury für einen Fehler. Kelek betreibe mit pauschalen und diffamierenden Argumenten Stimmungsmache gegen den Islam. Mit der Preisverleihung mache sich die Naumann-Stiftung diese Haltung zu eigen. «Das ist ein Schlag ins Gesicht der Musliminnen und Muslime und aller, die sich um Integration bemühen», sagt Kaddor zu news.de. Gerade vor dem Hintergrund der Islam-Debatte und des Streits um die Äußerungen Thilo Sarrazins halte sie das für gefährlich.

Necla Kelek polarisiert, und manche ihrer Äußerungen lassen tatsächlich nicht unbedingt in erster Linie an Aufklärung denken. Am 16. Juli war sie in der ZDF-Sendung Forum am Freitag zu Gast, und was sie dort sagte, ist für Lamya Kaddor ein Sinnbild für die «oft entwürdigende Art», mit der Kelek über Muslime spreche. Über die Sexualität von Muslimen sprach Kelek mit Moderator Kamran Safiarian. Der muslimische Mann sei, in den Augen seiner Glaubensbrüder und -schwestern, ständig herausgefordert, so Kelek. «Er muss sich entleeren, heißt es, und wenn er keine Frau findet, dann eben ein Tier oder eine andere Möglichkeit.» Das habe sich «im Volk» so durchgesetzt, sei Konsens.

Deswegen, meint Kelek weiter, müssten sich muslimische Frauen von älteren Glaubensgenossinnen auch Bemerkungen zu ihrem Kleidungsstil anhören, nach dem Motto: «Wenn du dich so kleidest, kann er nicht anders.» Wenige Minuten später gibt die Soziologin dann selbst ihre Ansichten zu Kleidungsfragen zum Besten: Moderne Musliminnen, die Kopftuch tragen und dazu enge Jeans, seien «Islam-Bitches».

Es mag an der eher bescheidenen Resonanz der Sendung liegen, dass die kontroversen Äußerungen Keleks keine Wogen schlugen. In Internetforen wurde debattiert, die breite Öffentlichkeit aber nahm davon keine Notiz, und selbst an Integrationspolitikern war das Interview zunächst vorbeigegangen.

Eine «unglückliche Entscheidung»

Auch Serkan Tören, integrationspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, hört zum ersten Mal von dem ZDF-Interview. Er sei auch bisher kein Fan Necla Keleks gewesen, weil sie – anstatt wie früher berechtigterweise Missstände anzuprangern – mittlerweile pauschale Islamkritik betreibe. Mit ihren Angriffen habe sie sich in der Integrationsdebatte disqualifiziert, so Tören.

Was Kelek im Forum am Freitag gesagt hat, sei allerdings wirklich schlimm. «Das geht schon in Rassismus über», sagt der FDP-Politiker zu news.de. «Das zeigt, welchen Geistes sie ist.» Angesichts solcher Angriffe auf jeden einzelnen Muslim – auch er selbst fühlt sich da angesprochen – dürfe man Kelek auch als Soziologin nicht mehr ernst nehmen, sagt Tören. Dass die seiner Partei nahestehende Naumann-Stiftung ausgerechnet ihr den «Freiheitspreis» verleihen will, hält er für «unglücklich». «Ich hätte ihr den Preis nicht zugesprochen», sagt Tören.

Bei der Naumann-Stiftung nimmt man die Kritik zur Kenntnis. Die Entscheidung aber sei gefallen. «Wir halten daran fest», sagt ein Sprecher. «Der Preis wird verliehen.»

mac/reu/news.de

Leserkommentare (13) Jetzt Artikel kommentieren
  • sel
  • Kommentar 13
  • 01.10.2010 02:09

alle kemalisten sind scheiße ungläubig

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  • Stefan Richter
  • Kommentar 12
  • 15.09.2010 10:58

Menschen wie Necla Kelek, Ayaan Hirsi Ali, Seyran Ates oder Sabatina James (Pseudonym), die das aufwühlende Buch "Sterben sollst du für dein Glück" geschrieben hat, kennen die Auswüchse dieser Religion, die leider immer mehr zum rückwärtsgewandten Gesellschaftsmodell wird, aus eigener Anschauung. Sie wollen nicht, dass mühsam erkämpfte Frauenrechte ins Klosett gespült werden. Das Frauenbild des Islam ist mit den Werten westlicher Zivilisation unvereinbar.Dies hat eine kluge Frau wie Alice Schwarzer lange begriffen. Ich sträube mich gegen eine Kultur, die Frauen wie den letzten Dreck behandelt.

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  • debema
  • Kommentar 11
  • 09.09.2010 11:15

Frau Kelek hat profunde Kenntnisse über die Zuwanderer aus dem muslimischen Kulturkreis, was sie gegenüber den konservativen Gutmenschen als Vorteil hat in der Debatte um die Integrationsprobleme. Die politische Elite trägt schwer an den gemachten Fehlern der Vergangenheit und sträubt sich gegen diese Fehlerbeseitigung. Das Hr. Sarrazin als dt. Gegenspieler sich zu den Fehlern bekennt und einen Spiegel der pol. Elite vor die Nase hält, ist gelungen. Der Aufschrei läßt getroffene Hunde bellen und jaulen. Aber eine Klärung wird nicht gelingen.

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