Mo., 13.02.12

Kontroverse Regierung ignoriert Wüstenstrom-Projekt

Von den news.de-Redakteuren Björn Menzel und Jens Kiffmeier, Berlin

Artikel vom 02.09.2010

Wer liefert die Energie der Zukunft? Das Energiekonzept 2050 soll Antworten bringen. Nach news.de-Informationen will auch das private Projekt Desertec in das Papier. Es hat jedoch nicht nur Fürsprecher - und bedrängt die Bundesregierung.

Das private Wüstenstrom-ProjektDesertec ist ein Industriekonsortium und will in Wüsten Nordafrikas und im Nahen Osten mittels großer Sonnenkraftwerke Energie gewinnen. Es ist geplant, bis 2050 mit dem gewonnenen Strom 15 Prozent des Energiebedarfs Europas zu decken. Desertec möchte in das Energiekonzept 2050 der Bundesregierung aufgenommen werden. Das hat Desertec Industrial Initiative (Dii) dem Nachrichtenportal news.de bestätigt. «Wir halten es für unbedingt erforderlich, dass das Desertec-Konzept ‹Strom aus der Wüste› in das Energiekonzept 2050 der Bundesregierung eingebunden werden muss», sagte Dii-Sprecher Alexander Mohanty zu news.de. Dafür sprächen wichtige Argumente, welche die Dii bereits der Bundesregierung mitgeteilt habe.

Außerdem beklagte nach Informationen der Süddeutschen Zeitung der Desertec-Chef Paul van Son in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mehrere Bundesminister und Konzernchefs die fehlende Unterstützung der Bundesregierung. Das Aufnehmen in das Energiekonzept könnte Desertec in Zukunft Gelder der Bundesregierung sichern. Außerdem würde es die Regierung verpflichten, auch politisch den Weg für das Investitionsprojekt zu ebnen.

Als Argument für mehr Unterstützung und das Einbinden in das Energiekonzept gelte vor allem, dass die Dii mit dem Desertec-Projekt bislang ungenutzte erneuerbare Energiequellen höchster Qualität erschließen wolle. «Damit wird nicht nur der gesamte Energiemix in der EU nachhaltiger, sondern es wird ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet», sagte Mohanty. Die Dii gehe davon aus, dass durch die Erschließung großer Flächen mit Sonnenkraftwerken in einer Region mit hoher Sonneneinstrahlung die Kosten für regenerative Energien langfristig sinken werden. Solaranlagen sollen in Nordafrika und im Nahen Osten aufgestellt werden.

Zusätzlich fordert Dii in diesem Zusammenhang die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen für die Realisierung der ersten Projekte weiterhin positiv mitzugestalten. Ein erstes der Referenzobjekte soll zum Beispiel in Marokko entstehen. «Die Bundesregierung hat hierbei eine Vorreiterrolle in Europa übernommen und sollte diesen Weg konsequent fortsetzen», sagte Mohanty. Sie solle aber auch Rahmenbedingungen schaffen, damit sich das Projekt in Zukunft in den Nahen Osten ausbreiten kann.

Mit seinem Anliegen steht das Konsortium zurzeit aber noch recht allein da. Selbst in den Bundesländern zeigt man zurzeit wenig Willen zur Kooperation. Zwar hatte eine Allianz aus neun Ländern erst in der vergangenen Woche bei einem gemeinsamen Auftritt in Berlin die Bundesregierung heftig dafür gerügt, dass sie mit dem geplanten Ausstieg vom Atomausstieg die deutsche Vorreiterrolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien verspiele. Doch Desertec als Einzelfall will man nicht überbewerten.

Keine Äußerung zum Atomstreit

«Das Projekt kann durchaus in das Energiekonzept passen », sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD) zu news.de. «Aber es ist kein zentraler Bestandteil.» Grundsätzlich sei die Weiterleitung von regenerativem Strom aus Afrika nach Europa «interessant». Aber bei der technischen Umsetzbarkeit und damit dem europäischen Nutzen gebe es im Moment noch zu viele offene Fragen.

Ähnlich äußerte sich Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). «Das Projekt ist Zukunftsmusik, es ist eine Vision, bei der es noch viele Probleme zu beheben gibt», sagt er im Gespräch mit news.de. Die seien technologischer und politischer Natur. Jedoch gehöre das Projekt in das Energiekonzept hinein.

Die Vereinigung Lobbycontrol konnte sich zum Vorgehen Desertecs noch kein endgültiges Bild machen. Aber: «Generell ist natürlich klar, dass das Energiekonzept für alle Akteure der Energiebranche wichtig ist und dass alle sich darum bemühen, ihre Interessen dort unterzubringen», sagte Lobbycontrol-Vorstand Ulrich Müller auf news.de-Nachfrage. Er finde es nicht überraschend, dass sich Desertec deswegen an die Bundesregierung wende und ein Brief allein sei noch kein problematisches Lobbyinstrument.

Nach Angaben von Desertec haben andere Staaten jedoch weniger Zweifel am Strom aus der Wüste. Internationale Konkurrenzprojekte seien längst angestoßen, teilte das Unternehmen der Bundesregierung mit. Vor allem französische Unternehmen sollen mit politischer Unterstützung voranpreschen. «Transgreen» nennt sich das Projekt, das sich die Unterstützung des staatlich geführten Stromkonzerns EDF gesichert habe.

An der aktuellen Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke in Deutschland beteiligt sich Dii allerdings nicht. Bis 2050 wolle man 15 Prozent des europäischen Strombedarfs mit Energie aus Solarthermie-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen in der Wüste decken. Woher die restlichen 85 Prozent kommen, stehe bei Dii nicht zur Diskussion. Und das, obwohl zum Desertec-Konsortium auch Kernkraftwerkbetreiber wie Eon und RWE gehören.

hav/reu/news.de
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Kontroverse: Regierung ignoriert Wüstenstrom-Projekt » Politik » Nachrichten

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Leserkommentare (7)
  • Kommentar: 7
  • 20.03.2011 07:07
von
Desertechno

Der Wüstenstrom ist in der Nacht gleich Null ! Falsch ! Nachts scheint keine Sonne, in Flüssigsalz-Speichern kann man einen Teil der tagsüber solarthermisch erzeugten Wärme aber chemisch speichern - derzeit bis zu acht Stunden lang. So können die Turbinen auch nachts laufen, die Stromversorgung ist durchgehend gesichert.

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  • Kommentar: 6
  • 23.09.2010 17:00
von
debema

Der Wüstenstrom ist in der Nacht gleich Null !. Genau das sind die Augenwischereien aller Ökoisten, die ein gleichbleibendes Energieangebot der unterschiedlichsten Verbraucherstandorte dem Zufall überlassen. Falsch ist auch von Ölscheichs ect. zu sprechen, wenn Rußland mit Öl- und Gasverträgen die dt. Gesellschaft manipuliert. Es gibt in Deutschland noch ausreichend Kohle zur Verstromung, wobei die Kohlekraftwerke z.B. Schwarze Pumpe, bereits ohne CO2-Gas-Emission auskommt. Das wird aber von den Ökoisten verschwiegen. Den Würgegriff versuchen die Ökoisten im Stiele von Demagogen.

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  • Kommentar: 5
  • 06.09.2010 22:48
von
marty

Übrigens ich finde das Konzept den Strom aus der Wüste zu holen wo es genug Sonne für alle gibt bestechend. Schließlich bläst man da wenigstens keine zusätzlichen Abfallstoffe und keine zusätzliche Wärme in die Athmosphäre! marty

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  • Kommentar: 4
  • 06.09.2010 22:45
von
marty
Antwort auf Kommentar 1

Der Würgegriff der Scheichs ist ziemlich lasch und zwar weil denen das Hemd immer noch näher ist als die Jacke! Schliesslich wollen sie ja ihr Öl verkaufen, und das geht natürlich nur an einen Käufer der auch Luft bekommt. Das wird mit Wüstenstrom auch nicht anders sein. marty

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  • Kommentar: 3
  • 05.09.2010 21:46
von
hector

Zu Algerien hat unser europäischer Partner Frankreich bekannlich gute Beziehungen. Und Libyens Gaddhafi - also der ist glaube ich so um die 60 Jahre bereits Regierungschef - der hat doch nicht mehr lange. Libyen wird sich nach Gaddhafi öffnen.

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  • Kommentar: 2
  • 05.09.2010 21:23
von
hector

Die Bundesregierung sollte sich unbedingt um das Thema Wüstenstrom bemühen. Wüstenstrom ist enorm zukunftsfähig. Hierzu gibt es gar kein unlösbares technisches Problem, fehlend ist allein der politische Wille. Hier ist Kooperation mit anderen Ländern erforderlich und dieses muss außenpolitisch unterstützt werden. Profitieren können da beide Seiten, Europa wie Nordafrika. Vor Abhängigkeiten braucht man da keine Angst haben. Wir bezogen ja bisher schon das ganze Erdöl aus den arabischen Ländern. Für Solarkraftwerke in Marokko oder Tunesien sehe ich da überhaupt kein Problem.

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  • Kommentar: 1
  • 02.09.2010 13:13
von
romeo

So fazinierend dieses Vorhaben auch ist, wir würden uns damit nicht nur in einen Würgegriff der Ölscheichs, sondern auch zusätzlich noch in den Würgegriff orientalischer Despoten wie Gaddhafi begeben.

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