Ein Ende ohne Neuanfang
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Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Artikel vom 01.09.2010
Der Irak-Krieg ist beendet. Doch Barack Obama hatte keinen glanzvollen Sieg zu verkünden. Es waren bittere Jahre für die USA - und der Irak ist von stabilen politischen Verhältnissen weit entfernt. Der US-Präsident sollte der Versuchung widerstehen, sich nun vollständig abzuwenden.
Als US-Präsident Barack Obama das Ende des Kampfeinsatzes im Irak verkündete, saß er am selben Schreibtisch, an dem sein Vorgänger George W. Bush vor mehr als sieben Jahren den Einmarsch in den Irak verkündete.
Der Schreibtisch hat in dieser Zeit einen Präsidenten gehen und einen neuen kommen sehen – und das Land musste in siebeneinhalb Jahren mehr als 4400 gefallene Soldaten, 32.000 Verwundete und Kosten von mehr als einer Billion Dollar hinnehmen. Und, ein Fakt, der gerne verschwiegen wird: geschätzte 100.000 tote Iraker. Zahlen, die mehr Ausdruck des Scheiterns sind als des Erfolgs.
Barack Obama sprach dann auch nicht von einem Sieg, als er sich per LiveSchaltung an die Nation wandte. Für ihn war wichtig, medienwirksam das Einlösen eines Wahlkampfversprechens zu verkünden. Das tat er zu Recht. Er hatte diesen unglückseligen Krieg von seinem Vorgänger geerbt. Von einem Präsidenten Bush, der den Einsatz schon zwei Monate nach dem Einmarsch im März 2003 für beendet erklärt hatte. Der ankommende Flugzeuge mit gefallenen Soldaten versteckte, Begräbnisse nicht besuchte und die Legitimation für diesen Krieg auf Lügen aufbaute.
Obama hatte einen anderen Zugang zum Einsatz. Er versprach, die Truppen abzuziehen und interessierte sich für die Opfer und Hinterbliebenen des Krieges. Noch vor seiner Ansprache machte er einen Trip zu einem Armeestützpunkt nach Texas, um sich bei denen zu bedanken, die diesen unnötigen Krieg auszufechten hatten.
Diese Aufmerksamkeit und Sorge sollte der US-Präsident aber auch dem Land zukommen lassen, das noch mehr als die USA unter dem Krieg litt: dem Irak. Denn siebeneinhalb Jahre Krieg haben dem Land keinen Frieden gebracht, noch nicht einmal etwas, das als Stabilität zu bezeichnen wäre.
Sechs Monate nach der Wahl hat das Land immer noch keine Regierung. Die politischen Parteien stehen sich scheinbar unversöhnlich gegenüber, nicht in der Lage, zum Wohle des Volkes eine funktionierende Koalition zu bilden. Auch die Sicherheitslage ist in weiten Teilen des Irak prekär, Anschläge sind an der Tagesordnung.
Und von Alltag kann in einem Land keine Rede sein, in dem Bürger nur stundenweise Strom haben, sich Trinkwasser teuer kaufen müssen und die Arbeitslosigkeit bei 35 Prozent liegt. Dem Land stehen unsichere Zeiten bevor – trotz der verbliebenen 50.000 US-Soldaten, die als Militärberater fungieren.
Es sei richtig, die Verantwortung für das Land nun in die Hände der Iraker zu legen, sagte Obama. Grundsätzlich ist dem zuzustimmen. Doch der US-Präsident sagte noch einen weiteren wichtigen Satz: «Unsere Kampfmission geht zu Ende, nicht aber unsere Verpflichtung für die Zukunft des Irak.» Es wäre bequem für die USA, sich nun vollständig abzuwenden und sich den innenpolitischen Baustellen zu widmen. Doch mit dem Einmarsch in den Irak haben die USA die Probleme des Irak zu ihren Problemen gemacht. Daher bleibt zu hoffen, dass der US-Präsident seine eigenen Worte nicht zu schnell vergisst.
kas/news.de
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