Der erneuerbare Atomminister
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Artikel vom 24.08.2010
Im Streit um den Energiemix der Zukunft hat Umweltminister Röttgen eine heikle Aufgabe: Er muss die Verlängerung der Laufzeiten der Atommeiler vermarkten, ohne dabei die Innovationskraft der Branche der regenerativen Energien zu gefährden. Ein Drahtseilakt.
Dem braun gebrannten (Sonnenenergie) Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) stehen die Haare zu Berge (Windenergie). Eigentlich ist seine Chefin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), auf Energiereise durch Deutschland, doch Röttgen ist es noch ein bisschen mehr. Der aktuelle Streit um den richtigen Energiemix der Zukunft schadet vor allem ihm. Er muss in einem Atemzug den Ausstieg aus dem Ausstieg der Atomenergie mittragen und gleichzeitig für ein sicheres und sauberes Energiekonzept werben.
Brav taperte er seiner Chefin in der vergangenen Woche hinterher, als sie sich unter anderem in Leipzig die Energiebörse angeschaut hat. Röttgen stand etwas abseits, ließ Merkel sprechen, aber die Antworten wurden eigentlich vom Umweltminister erwartet. Kommt die Steuer auf die Brennelemente? Wird es eine weitere Abgabe geben? Wo geht das Geld hin? Wie lange sollen die Atommeiler noch laufen? Wie lange ist das aus Umweltgesichtspunkten vertretbar? Wird auch in Zukunft die Branche der erneuerbaren Energien gefördert wie bisher? Klare Antworten gibt es noch keine.
Am Dienstag traf sich der Umweltminister mit Vertretern der Solarindustrie in Erfurt. In Mitteldeutschland, im sogenannten Solarvalley, leben 10.000 Menschen und ihre Familien von der Photovoltaik-Produktion. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen werden 75 Prozent aller deutschen Solarzellen hergestellt. Millionen Euro wandern jährlich in die Forschung und Entwicklung der Technik. In den kommenden drei Jahren sollen zehn Milliarden Euro in die Branche investiert werden. Doch die Firmen verlangen ob der Diskussion um die Verlängerung der Atomlaufzeiten Planungssicherheit.
Röttgen stieg aus seinem Auto und stand mitten im Gewerbegebiet in Erfurt. Hinter ihm Solar-Forschungszentren, vor ihm eine vom Land Thüringen und vom Bund finanzierte Ausbildungsstätte mit dem Schwerpunkt Photovoltaik. Nachwuchs und Arbeitskräfte werden in diesem Industriezweig dringend gebraucht. Aus dem Haupteingang des Gebäudes strömten junge Leute, sie hatten gerade Schulschluss. Der Industriezweig auf der grünen Wiese versprüht so etwas wie frischen Zukunftswind.
Klare Kante gegen Röttgen aus der Solarbranche
Die Firma Bosch hat vor vier Tagen eine neue Produktionsstätte im unweit gelegenen Arnstadt eingeweiht. Doch im schwarz-gelben Koalitionsvertrag geht es um die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke. Und es geht um die Verknappung der Mittel zur Förderung der Solaranlagen in Deutschland. Das sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) stellt zwar eine 20-jährige Förderung von Investitionen in Solaranlagen sicher, jedoch wie hoch sie sein wird, ist unklar. Es kann dazu kommen, dass jedes Jahr neu verhandelt wird. Denn man werde, so Röttgen, die Subventionshöhe abhängig vom Markt machen. Das Ziel sei es, in Deutschland jedes Jahr 3500 Megawatt zusätzlichen Strom aus Photovoltaik zu gewinnen. Wenn mehr oder weniger ans Netz geht, wird an der Subventionsschraube gedreht.
Das EEG bringt Röttgen noch immer scharfe Diskussionen ein. Und auch wenn er sich zu Förderungen in die erneuerbaren Energien bekennt, in Erfurt bekam er klare Kante vom Solarvalley-Vorstandsvorsitzenden Hubert Aulich. «Die Subventionskürzungen schlagen auf den Produzenten durch», sagte er. Deutschland müsse bei der Photovoltaik-Technik an der Weltspitze bleiben und nicht die Vorherrschaft an China abgeben. Dazu gehöre auch, dass die Produktion in Deutschland bleibe. «China investiert Milliarden, wir haben hier andere Spielbedingungen», gab er dem Minister mit auf den Weg.
Da blieb es Röttgen nur, über das «Spitzencluster Solar» zu referieren und auf den Koalitionsvertrag zu verweisen. Schwarz-Gelb will den Ausbau erneuerbarer Energien. Aber eben auch längere Laufzeiten bei Atomkraftwerken. Ein psychologioscher Spagat, der nun auf dem Rücken von Röttgen ausgetragen wird. Da nimmt der Minister das Wort «Atom» lieber nicht in den Mund, sondern wirbt für die Brennelementesteuer. «Wir brauchen das Geld für die Sanierung der Asse (Atommülllager, Anm. d. Red.) und die Konsolidierung des Haushalts», sagte er. Woher das Geld für die Förderung neuer Energieträger kommen soll? Die Antwort auf diese Frage ließ er offen.
Lieber ließ sich Röttgen noch zusammen mit den Jugendlichen und einer kleinen Solaranlage fotografieren. Die Bilder jedenfalls passen schon ganz gut zu einem regenerativen Umweltminister. Und draußen schien noch immer die Sonne (Energie) und es bließ ein heftiger Wind (Energie).
hav/reu/news.de
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Du hast die Geothermie vergessen.
jetzt antwortenKommentar meldenAtomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind, Biomasse und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!
jetzt antwortenKommentar meldenAlles, was heute gut bezahlte Arbeitsplätze schafft, sollte subventioniert werden. Solarzellen werden immer gebraucht und könnten sogar noch billiger hergestellt werden. Wie Europa in zwanzig Jahren mit Energie versorgt wird, steht noch in den Sternen. Ob über 1.600.000 Volt Gleichstrom- Freileitungen aus der Wüste, oder Windparks in der Nordsee ist zweitrangig. Wem Kernenergie zu gefährlich erscheint, darf sich auch nicht auf Fusionskraftwerke freuen. Bis heute weiss man noch nicht mal, wie man damit einen günstigeren Wirkungsgrad als bei Windmühlen erzielen kann.
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