Mo., 13.02.12

Studie zu Gigalinern Straßenmonster oder süße Zukunftsküken?

Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Erfurt

Artikel vom 28.07.2010

Kein Ende des Streits in Sicht: Wissenschaftler aus Thüringen haben nun erforscht, dass der Einsatz der sogenannten Monstertrucks positiv ist. Allerdings arbeiteten sie auch für einen Auftraggeber, der bei diesem Thema ganz eigene Interessen hat.

25.07.2010
Gigaliner
Eine Monster-Wette
Video: bjm/news.de

Forscher der Fachhochschule Erfurt haben heraus gefunden, dass der Einsatz von sogenannten Gigalinern positiv ist. Die Ergebnisse ihrer Studie stellten sie am Vormittag in Erfurt vor. Demnach ist der Einsatz von Lkw bis zu einer Länge von 25 Metern für die Umwelt- wie auch die Verkehrsbelastung von Vorteil. Es konnten während einer Testphase keine Probleme im Gebrauch der Gigaliner festgestellt werden.

Ein Team aus Wissenschaftlern der Fakultät für Wirtschaft-Verkehr-Logistik hat zwischen März 2008 und Ende September 2009 das Thüringer Pilotprojekt begleitet. Während dieser Zeit fuhr ein 25 Meter langer EuroCombi, bestehend aus Lkw und Anhänger, zwischen den Niederlassungen zweier Firmen in Hermsdorf und Ohrdruf. Die Strecke ist 105 Kilometer lang und befindet sich auf der Autobahn 4.

Der EuroCombi transportierte fast 50 Prozent mehr Ladevolumen gegenüber herkömmlichen Lkw bei bisher auf deutschen Straßen zugelassenem Gewicht von 40 Tonnen. «Dadurch konnten im Durchschnitt täglich fast zwei Touren eingespart werden», sagte Professor Uwe Adler, der die Studie begleitete. Es würden sich enorme Einsparmöglichekeiten für die Verkehrs- und Umweltbelastung ergeben.

Im konkreten Fall waren es 395 Touren pro Jahr weniger, das waren 82.700 Kilometer. Es wurden 12.000 Liter Diesel gespart und 32 Tonnen weniger Kohlendioxid ausgestoßen. Außerdem: 35 Prozent weniger Maut sowie 30 Prozent geringere Abschreibungskosten. Die Gesamtkostenersparnis, unabhängig von Lohnschwankungen, wurde von den Wissenschaftlern bei 25 Prozent ermittelt. Auch kritische Fragen der Sicherheit konnten sie positiv beantworten. Im Kurvenverhalten gebe es keine Probleme und die Polizei habe weder Behinderungen noch Unfälle registriert.

Trucks sollen nur auf Autobahnen fahren

Seit Jahren gibt es allerdings Protest gegen die Gigaliner. Trotzdem hatte sich die schwarz-gelbe Regierung den Feldversuch in den Koalitionsvertrag geschrieben. Der Vorgänger von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Wolfgang Tiefensee (SPD), wollte sogar europaweit ein Verbot der Monstertrucks durchsetzen. Jetzt sind es besonders die Grünen, die gegen die Regierungspläne Sturm laufen. «Lkw mit 25 Metern Länge, die in einer späteren Stufe bis zu 60 Tonnen transportieren sollen, sind ein Risiko für die Verkehrssicherheit», sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Anton Hofreiter, zu news.de.

Das Verkehrsministerium argumentiert mit der Notwendigkeit. «Wir betreten Neuland. Wenn es machbar ist, wollen wir so immense Erleichterungen für den Güterverkehr schaffen», sagte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Andreas Scheuer. Er kündigte auch an, dass die langen Lkw kein Risiko für die Sicherheit im Straßenverkehr werden dürfen. Die Trucks sollen nur auf Autobahnen fahren. Außerdem, soviel steht bereits jetzt fest, dürfen sie Bahnschienen nur über Brücken queren. Und: «Es wird keinen grenzüberschreitenden Verkehr geben», sagte Scheuer.

Die Thüringer Studie spielt den Befürwortern in die Hände. «Ich finde die Ergebnisse außerordentlich positiv», sagte der Thüringer Verkehrsminister Christian Carius (CDU) während der Präsentation der Studie. Ein Ergebnis ganz nach seinem Geschmack, aber auch mit Beigeschmack: Denn das Ministerium selbst hatte die Studie bei der Fachhochschule in Auftrag gegeben. «Ich war bisher skeptisch gegenüber den langen Lkw, aber die Fakten sprechen für sich», sagte Carius. Er wolle sich nun politisch für die Gigaliner engagieren.

hav/ivb/news.de
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