Südasien

Afghanistan-Geheimakten

Gefahr für die internationale Verlogenheit

Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein

Militärs und Politiker sehen durch Wikileaks die nationale Sicherheit in Gefahr. Tatsächlich aber bedroht die Veröffentlichung der geheimen Afghanistan-Dokumente nur eines: Die Geheimniskrämerei um einen schmutzigen Krieg.

Barack Obamas nationaler Sicherheitsberater wählte die Standardreaktion: Die Veröffentlichung zehntausender Geheimdokumente zum Afghanistankrieg auf der Internet-Plattform Wikileaks, so meint James Jones, bedrohe die nationale Sicherheit. Das sagen sie immer, die Generäle und Sicherheitspolitiker, wenn ihnen Informationen öffentlich um die Ohren fliegen, die für die Öffentlichkeit nie gedacht waren. Das Bundesverteidigungsministerium stieß denn auch schnell ins selbe Horn.

Die gewaltige Menge an brisanten Akten, die Wikileaks diesmal zugespielt wurde, ist in der Tat beachtlich. Der Vorwurf der amerikanischen und deutschen Regierungsstellen aber geht ins Leere. Gefährlich wäre die Veröffentlichung, wenn dadurch Informationen nach außen drängen, die das Leben oder die Sicherheit der alliierten Truppen und ihrer afghanischen Verbündeten aufs Spiel setzten. Das aber will die Plattform nach eigenen Angaben vermeiden, und hält 15.000 Dokumente vorerst zurück. Und auch die Chefredakteure von Spiegel, New York Times und Guardian entschieden sich, nicht alles weiterzugeben, was ihre Redaktionen ausgewertet hatten.

Wenn dagegen bekannt wird, mit welchen bestenfalls am Rand der Legalität verlaufenden Aktionen die US-Armee ihre Gegner jagt, dann gefährdet das nicht die nationale Sicherheit, sondern nur die schmutzige Strategie der Militärs. Die Taliban wissen ohnehin Bescheid, wenn einer ihrer Anführer von einem Spezialkommando exekutiert wird – und dabei gleich noch ein paar Zivilisten mit getroffen werden. Die US-Bürger dagegen erfahren jetzt, was sie so genau nicht wissen sollten, und können darüber nachdenken, ob das zum Bild der USA passt, wie sie es sehen wollen.

Für eine Beteiligung deutscher Soldaten an illegalen Aktionen finden sich in den Afghanistan-Akten offenbar keine Hinweise. Das ist gut so. Zur Beruhigung allerdings besteht kein Anlass. Denn auch die deutsche Regierung, auch die Bundeswehr-Führung entscheiden äußerst selektiv, was sie dem Volk – und seinen Vertretern im Parlament – vom Geschehen am Hindukusch mitteilen möchten. Wie ernst die Lage in Teilen des deutschen Sektors in Nordafghanistan tatsächlich ist, wie groß die Zahl der Gefechte und Anschläge mittlerweile geworden ist, wird erst jetzt so richtig klar. Und das ist nur ein Thema, über das den Deutschen bisher nicht die volle Wahrheit gesagt wurde.

Vieles von dem, was Wikileaks ins Netz gestellt hat, ist nicht wirklich überraschend. Dass Pakistan die Taliban noch immer unterstützt, war den Experten klar. Dass US-Spezialeinheiten auch im Bundeswehrgebiet operieren, stand längst in der Zeitung. Jetzt aber sind diese Dinge besser belegt denn je.

Die Bundesregierung sollte die Gelegenheit nutzen, sich von der Heuchelei und Schönfärberei zu verabschieden und ihren Bürgern endlich die Wahrheit zu sagen. Es gibt gute Gründe für den Einsatz in Afghanistan. Die Lügen- und Verschleierungstaktik aber bringt ihn vollends in Misskredit.

mik/ivb/news.de
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Afghanistan-Geheimakten: Gefahr für die internationale Verlogenheit » Politik » Nachrichten
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Leserkommentare (5)
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  • Kommentar: 5
  • 29.07.2010 18:52
von
Hermann Huber
Antwort auf Kommentar 2

Ich lach mich krumm! "...entweder sind wir eine Welt oder nicht! Zusammen im Sinne von UN Krisen durch zustehen! Anstatt ein Land im Alleingang!" Etwa so im Alleingang wie Israel,das sich an keine UN-Resolution hält,keinen Atomwaffensperrvertrag annimmt,beliebige Menschen an jedem Ort der Welt umbringt wenn es der Meinung ist dies sei notwendig(und das bestimmt es nur selbst)?In der internationalen Gemeinschaft verhält sich nur Israel so asozial, oft gerügr aber ungestraft da die USrael die schützende Hand darüberhält und das wissen nur Libermans Büttel und deren nützliche Idioten nicht!

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  • Kommentar: 4
  • 29.07.2010 01:08
von
Hermann Huber
Antwort auf Kommentar 2

Daß die Familie des afghanischen Präsidenten den Drogenanbau und -handel in Händen hat weiß außer Liberman's Bütteln auch jedermann und daß die CIA sich auch mit Drogen ein Körberlgeld und Schwarzgelddepot schafft hat sich bei anderen Diensten scheinbar nicht herumgesprochen da sie selbst mit dem Drogenhandel zu beschäftigt sind.Und wenn die Taliban mit Drogen handeln,dann hat ihnen das die CIA ermöglicht als es gemeinsam gegen Rußland ging,aber das zu wissen,dazu braucht man wohl Genie?Welch plumpe Protagonisten diese Hasbarabande nur beschäftigt!Ein wenig mehr Mühe sollte die schon aufwenden

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  • Kommentar: 3
  • 29.07.2010 00:45
von
Hermann Huber
Antwort auf Kommentar 2

Auch wenn man diese Hasbaralügen noch so oft wiederholt werden sie nicht wahr.Der CIA-Mann mit bestem Kontakt zur Bush-Bande, Bin Laden, war nie der Anführer der Taliban und noch weniger hatte er seinen Hauptsitz in Afghanistan.Während man ihn dort aber angeblich fieberhaft suchte war er vor seinem Tod in den VAE in einem US-Militätspital auf Nierenwäsche und der CIA-Chef von dort plauderte dort immer mit ihm,das ist die Realität!Dieser ganze 9/11 Schmonzes ist das Papier nicht wert auf dem diese Lügengeschichte zusammengeschmiert wurde!

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  • Kommentar: 2
  • 28.07.2010 15:52
von
FunSpax

Du hälst also für ok, dass eine Gruppe in ein Land Drogen anbauen (für die Finazierung von Terrorangriffe) und Leute verschleppen die dann als "Krieger" ausgebildet werden. Sowas haben die Taliban (in Afghanistan wohnhaft) gemacht. Der Angriff hatte soweit seine Berechtigung, da der Anführer der Taliban nunmal Bin Laden ist. Und er seinen Hauptsitz in Afghanistan hatte. 2 gute Gründe! Und noch zum Thema kollektiver Angriff (muss ja nicht immer militärisch sein), entweder sind wir eine Welt oder nicht! Zusammen im Sinne von UN Krisen durch zustehen! Anstatt ein Land im Alleingang!

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  • Kommentar: 1
  • 28.07.2010 15:29
von
Jakester

"Es gibt gute Gründe für den Einsatz in Afghanistan. Die Lügen- und Verschleierungstaktik aber bringt ihn vollends in Misskredit." Welche guten Gruende? Der kollektive Angriff westlicher Truppen auf Afghanistan war von Anfang an Voelkerrechtswidrig. Hauptsaechlich mit der Suche nach Bin Laden begruendet, wurde Afghanistan mit 9/11 in Verbindung gebracht, woran das Land Afghanistan offensichtlich nicht beteiligt war. Andere, denn geostrategische Gruende um das Land und seine Menschen militaerisch anzugreifen und zu besetzen gab es keine. Die internen Probleme sind nicht Kriegsbegruendend.

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