Gesundheitssystem Dicke sollen höheren Beitrag zahlen

Fettleibigkeit, Klima und Bewegung (Foto)
Dicke Menschen gehen zu wenig zu Fuß und belasten so das Klima, haben britische Forscher festgestellt. Bild: ap

Die Kosten im Gesundheitssystem steigen. Das liegt laut Experten auch an übergewichtigen Menschen, die den Kassen enorme Kosten verursachen. CDU-Politiker Marco Wanderwitz fordert deshalb: Übergewichtige sollen mehr bezahlen.

«Es muss die Frage erlaubt sein, ob die immensen Kosten, die zum Beispiel durch übermäßigen Esskonsum entstehen, dauerhaft aus dem solidarischen System beglichen werden können», sagte Marco Wanderwitz, Chef der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion, der Bild-Zeitung. «Ich halte es für sinnvoll, dass bewusst ungesund lebende Menschen eine eigene Verantwortung auch in finanzieller Hinsicht tragen.»

Übergewichtige Bundesbürger verursachen im Gesundheitssystem von Deutschland Milliardenkosten. «Mindestens zehn Prozent der Gesundheitskosten werden durch die Folgekrankheiten von schwerem Übergewicht verursacht. Das sind pro Jahr dann über 17 Milliarden Euro», betonte Günter Neubauer, amtierender Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomik in München, in der Bild-Zeitung.

Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem forderte in der Zeitung höhere Steuern für gesundheitsschädigende Konsumgüter. Als Beispiele nannte er Alkohol, Schokolade oder Risikosportgeräte wie Drachenflieger. Die Mehreinnahmen sollten teilweise ins Gesundheitssystem fließen.

Auch die Beitragszahler befürworten offenbar einen solchen Vorstoß. «Die Mehrheit der Versicherten befürwortet höhere Zuzahlungen bei ungesunden Verhaltensweisen», sagte die Initiatorin einer unveröffentlichten Studie der Jacobs-University Bremen, Adele Diederich, gegenüber Bild.

Höhere Krankenkassenbeiträge für ungesund lebende Menschen oder für Sportler mit Risikosportarten sind in den vergangenen Jahren wiederholt gefordert worden. Allerdings fand sich für derartige Vorstöße nie eine Mehrheit. Das Problem ist vor allem die genaue Definition und Eingrenzung beispielsweise der Risikosportarten oder der «Dicken». Außerdem kann nicht jeder etwas für sein Übergewicht, bei einigen Fettleibigen ist die Gewichtszunahme krankhaft. Darüber hinaus gibt es neben Übergewicht diverse andere Faktoren, nach denen Krankenkassen ihre Beiträge bemessen müssten, etwa bei Rauchern oder Menschen mit übermäßigem Alkoholkonsum. Weiteres Problem: Wer legt Richtlinien darüber fest und kontrolliert diese dann auch? Insofern sollte man diesen Vorstoß des CDU-Politikers wohl in die Kategorie Sommerloch-Thema einordnen.

cvd/hav/reu/news.de/dpa

Leserkommentare (32) Jetzt Artikel kommentieren
  • geola
  • Kommentar 32
  • 14.10.2010 17:33

ich glaube das mit einer erhöhung der beiträge für risiko bereite menschen, allen geholfen wäre. allerdings nur unter gewissen vorraussetzungen. zb quartals mäßige pflicht untersuchungen für jeden mit entsprechenden tests. dann wären wir da wo es auch sinn macht nämlich die prävention als mittel ich denke das viele schwere erkrankungen mit großen folge kosten dann vermieden werden könnten. mittel und langfristig wäre eine präventiv medizin sinnvoller und günstiger als das was heute gemacht wird. vielleicht auch ein system bei den der arzt für kranke drauf zahlt und für gesund bleiben prämien.

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  • Martin R
  • Kommentar 31
  • 26.07.2010 08:57

bei diesen Kommentaren merkt mal mal wieder, dass wir in einer Spaß- und Konsumgesellschaft leben. Niemand hat Bock für das gerade zu stehen was er mit sich und damit auch mit dem Geldbeutel anderer anstellt. Ich finde es fast schon "assozial" wie manche mit ihren Lebensgewohnheiten, den der gesund lebt praktisch mit Füßen tritt. Man hat in diesem KRANKHEITS-System gar nichts davon, wenn man gesund lebt. Macht nur weiter so ! HURRA dem römischen Lebensstil.

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  • Felix Kroll
  • Kommentar 30
  • 23.07.2010 20:24

Damit wären die Dicken zweimal bestraft. Die Fettsucht als solche ist ja schon eine Krankheit, die wie jede andere Krankheit geheilt werden muss. Danach fallen sie den Krankenkassen nicht mehr auf den Sack. Ein gesunder Mensch kann essen so viel er will, manchmal denkt man, er hätte einen Magen wie eine Strumpfhose, er behält sein Gewicht. Ein Mensch, der ständig sein Bier braucht, gehört natürlich nicht zu der Gruppe der Gesunden.

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