Scheitern ausgeschlossen
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Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Artikel vom 20.07.2010
Auf der Afghanistan-Konferenz beraten die Nato-Außenminister über den Abzug der internationalen Truppen. Wichtigster Mann bei der Umsetzung dieses Ziels: Nato-Kommandeur David Petraeus. Knapp einen Monat im Amt, hat der US-General erste Akzente gesetzt.
Es ist ein Treffen der Symbolik, nicht der konkreten Handlungen. Wenn heute die internationale Gemeinschaft in Kabul über den Abzug der Truppen spricht, dann wollen die Nato-Außenminister vor allen Dingen signalisieren: Wir werden nicht scheitern am Hindukusch. Und so wird es auf der Afghanistan-Konferenz eine Abschlusserklärung geben, die vieles versprechen wird – in schönen, unverbindlichen Worten. Denn Gewissheit, wie die Lage am Hindukusch in zwei oder vier Jahren aussehen wird, hat wohl niemand.
Damit aus der Symbolik der internationalen Afghanistan-Konferenzen irgendwann etwas Substanzielles werden kann, dafür gibt es US-General David Petraeus. Der Vier-Sterne-General ist zum Oberbefehlshaber der Nato-Truppen geworden, weil sein Vorgänger im Amt, Stanley McChrystal, über heftige Kritik an der US-Regierung gestolpert war.
Ende Juni machte Präsident Barack Obama Petraeus zum wichtigsten Mann im Krieg am Hindukusch. Zu einer Zeit, in der die Sicherheitslage im Land schlimmer ist denn je, wie der Sicherheitsberater des afghanischen Präsidenten Karzai, Ranging Dadfar Spanta, in mehreren Interviews einräumt.
Um die angespannte Lage in Afghanistan nicht weiter zu gefährden, wurde der Wechsel von McChrystal zu Petraeus als reiner «Personalwechsel» von Obama verkauft. Tatsächlich war General Petraeus auch vor seinem Mandat bereits indirekt am Hindukusch präsent, denn sein Vorgänger McChrystal setzte die Petraeus-Doktrin, zu der auch mehr Rücksicht auf die Zivilbevölkerung gehört, bis zu seiner Ablösung um. «Wir sind hier, um zu siegen», erklärte Petraeus, der von 2007 bis 2008 für den US-Einsatz im Irak verantwortlich war, bei seinem Amtsantritt. Dieser Sieg führt ihn derzeit die Straße entlang, die General McChrystal vor ihm gegangen ist. Das heißt, vor allen Dingen die Bekämpfung der Aufständischen in Afghanistan steht im militärischen Fokus.
Petraeus ist nicht so leicht zu feuern
Es wäre für Petraeus, der eine multinationale Truppe von 140.000 Soldaten befehligt, auch voreilig, eine komplette Kehrtwende einer Strategie einzuleiten. Sie muss erst noch zeigen, ob sie aufgeht. Daran jedoch haben einige Experten Zweifel: «Die US-Strategie wird sich zweifelsohne in den nächsten Monaten ändern – denn sie war dabei zu scheitern», sagte Daniella Pletka, Verteidigungsexpertin des «American Enterprise Institute», der Washington Post kurz nach Petraeus Amtsantritt.
Doch ein Scheitern in Afghanistan kann sich Barack Obama so wenig leisten wie die Nato. Der US-Präsident steht im eigenen Land gehörig unter Druck, die Mission am Hindukusch erfolgreich zu beenden. Die Bürger sind kriegsmüde, sie wollen ihre Soldaten zu Hause sehen. Die Nominierung des wohl prominentesten und profiliertesten Generals in den USA zum neuen Oberbefehlshaber der Truppen war so auch ein deutliches Signal Obamas, dass die Regierung der Militärstrategie in Afghanistan oberste Priorität einräumen würde. Denn einen David Petraeus «feuert man nicht so leicht», wie der Historiker Michael Pearlman dem US-Insiderblatt politico.com sagte.
Mit David Petraeus wird das Engagement sowohl der USA als auch der Nato also zu Ende gehen in Afghanistan. Ob mit gleichbleibender Strategie oder einem neuen Ansatz, werden auch die Umstände in den nächsten Monaten entscheiden. Gilles Dorronsoro von der Denkfabrik «Carnegie Endowment for International Peace», hofft, dass ein Neustart mit Petraeus gelingen kann: «Die Ankunft Petraeus' bietet die Gelegenheit, die harten Realitäten zu analysieren und damit zu beginnen, den effektivsten Weg nach vorne zu beschreiten», sagte Dorronsoro der Washington Post.
Verhältnis von Karzai und Petraeus angespannt
Der scheint für Petraeus auch darin zu bestehen, noch härter gegen die Taliban vorzugehen. Aus Geheimdienstkreisen ist dieser Tage zu hören, dass Petraeus, trotz aller Rücksichtnahme auf die afghanische Zivilbevölkerung, «noch wesentlich härter» als bisher gegen die Taliban vorgehen will. Wenn nötig, würden die amerikanischen Truppen wieder harte Luftschläge gegen die Aufständischen ausführen. Gedacht werde sogar an Angriffe mit Drohnen, mit unbemannten Kleinflugzeugen. Ebenso sollten die Drohnenattacken auf die Rückzugsgebiete der Taliban in der pakistanischen Grenzregion erhöht werden, hieß es.
Ändern wird sich wohl auch etwas im Verhältnis zwischen der afghanischen Regierung und den Streitkräften. Während Ex-General McChrystal und Präsident Karzai ein sehr gutes Arbeitsverhältnis nachgesagt wurde, war der Start von Petraeus holprig. Mehrfach hat sich der 57-Jährige in seinen ersten Wochen im Amt mit Karzai getroffen – und schon wurde über ein schwieriges Verhältnis der beiden gesprochen. Die Washington Post schrieb nach dem ersten Treffen von «deutlichen Spannungen» zwischen den beiden.
Entzündet hat sich diese Spannung an Petraeus Plan, afghanischen Dorfbewohnern verstärkt dabei zu helfen, die Taliban im Land in eigener Regie zu bekämpfen. Tausende lokale Sicherheitskräfte sollen dafür eingestellt werden. In der afghanischen Regierung herrscht offenbar die Sorge, dass ein derartiges Vorgehen das Problem unkontrollierbarer Milizen und Kriegsherren nur noch vergrößert. Doch mit dieser Sorge wird Karazai leben müssen – denn Petraeus hat sich mit dem Plan, der noch von seinem Vorgänger entwickelt wurde, durchgesetzt. Wir werden siegen – dieses Mantra von David Petraeus wird auch mit davon abhängen, was für ein Verhältnis er zu der afghanischen Regierung aufbauen kann.
news.de/dpa/ddp
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"Wir sind hier, um zu siegen!" Das kann der General mit ruhigem Gewissen sagen, weil es schon ein Sieg ist, einen Grund zu haben, permanent in Afghanistan zu bleiben. Ein lange gehegter Wunsch der USA. Das Nato-Manöver kann damit abgeblasen werden. Das Billigöl ist wichtiger als alles Andere. Neben dem Öl gibt es dort andere brauchbare Bodenschätze und man hat es nicht so weit zum Iran. Ein riesiger Truppenübungsplatz bei dem auch scharf geschossen werden darf. Die "Feinde" waren noch vor nicht allzu langer Zeit "Freunde" der USA.
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