So., 12.02.12

Afghanistan-Konferenz Karzai will mehr Selbstbestimmung

Artikel vom 20.07.2010

Präsident Karzai hat angekündigt, mehr Verantwortung für Sicherheit und Hilfsgelder zu übernehmen. Das kommt dem Westen entgegen, der seine Truppen bald abziehen will. Kurz vor dem Treffen aber meldeten sich die Taliban - mit Raketen.

Zum Auftakt der internationalen Afghanistan-Konferenz in Kabul hat Präsident Hamid Karzai die Forderung nach mehr Selbstbestimmung für seine Regierung bekräftigt. Die ausländischen Truppen müssten die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan nach und nach an die einheimischen Sicherheitskräfte übergeben, sagte Karzai. Zudem wolle seine Regierung mehr Kontrolle über den Einsatz von Hilfsgeldern in Afghanistan.

US-Außenministerin Hillary Clinton bekräftigte, die ersten US-Soldaten sollten Afghanistan im Juli kommenden Jahres verlassen. «Das Datum Juli 2011 macht sowohl die Dringlichkeit als auch unsere Entschlossenheit deutlich», sagte Clinton. Die allmähliche Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen sei zu wichtig, um sie endlos hinauszuschieben. Zugleich betonte die US-Außenministerin allerdings, das Engagement ihrer Regierung in Afghanistan werde im Juli 2011 nicht enden. «Wir haben nicht die Absicht, unsere langfristige Aufgabe aufzugeben, ein stabiles, sicheres und friedliches Afghanistan aufzubauen.»

Auf der Konferenz soll ein Zeitplan verabschiedet werden, der vorsieht, die Verantwortung für die Sicherheit in allen 34 Provinzen bis Ende 2014 an die Afghanen zu übertragen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle betonte bei seiner Ankunft in Kabul, dieses Ziel habe sich die afghanische Regierung selbst gesetzt.

Explosion am Morgen

Neben der Übergabe der Sicherheitsverantwortung forderte Karzai auch mehr Kontrolle über den Einsatz von Hilfsgeldern in Afghanistan. Derzeit arbeiteten zu viele Hilfsorganisationen unkoordiniert nebeneinander her, sagte der afghanische Präsident. «Es ist Zeit, unsere Anstrengungen zusammenzuführen.»

Kurz vor Beginn der Konferenz wurde Kabul von einer heftigen Explosion erschüttert. Es habe sich jedoch nicht wie zunächst befürchtet um einen Anschlag gehandelt, sondern um einen Unfall, teilte das Innenministerium Morgen mit. In einem nördlichen Vorort sei eine altes Artilleriegeschoss explodiert. Den Angaben zufolge wurden dabei drei Jugendliche verletzt.

Bereits am Montagabend hatte es in der Nähe des Flughafens mehrere Detonationen gegeben. Offensichtlich wurde niemand verletzt. Die Taliban erklärten, sie hätten vier Raketen abgefeuert. Nach Angaben des schwedischen Außenministers Carl Bildt wurde durch den Angriff die Anreise mehrere Konferenzteilnehmer behindert.

Wie Bildt in seinem Internet-Blog berichtete, wurde sein Flugzeug nach einstündigem Warteflug zum US-Militärflugplatz Bagram umgeleitet worden. Zusammen mit Ban Ki Moon habe er mehrere Stunden gewartet. Um vier Uhr morgens wurden beide sowie Mitarbeiter nach den Ministerangaben mit zwei Hubschraubern der US-Streitkräfte bei noch nächtlicher Dunkelheit nach Kabul geflogen. Das Flugzeug mit der dänischen Außenministerin Lene Espersen wurde nach Kasachstan umgeleitet. Nach Angaben aus Kopenhagen will die Ministerin von dort direkt nach Dänemark zurückkehren.

Am Vorabend der Konferenz nahm der afghanische Geheimdienst vor einem Haus in Kabul mehrere Verdächtige fest. Sie hätten vermutlich einen Anschlag auf das Treffen vorbereitet, hieß es aus Polizeikreisen. An der Konferenz in der Hauptstadt nehmen Delegierte aus mehr als 60 Ländern sowie Vertreter der Vereinten Nationen und weiterer internationaler Organisationen teil.

che/cvd/news.de/ap/dpa
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