Radkurse für Migrantinnen boomen
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Zuhause verpönt oder verboten, hier dafür um so beliebter: Die Nachfrage nach Radkursen für Migrantinnen in Hessen ist riesig. Die Frauen werden mobiler und selbstbewusster - und verbessern nebenbei ihre Deutschkenntnisse.
Auf der Straße trägt sie nur Kopftuch und langes Kleid. Doch auf dem Schulhof in Offenbach trägt Myyassar Akel eine Hose. Damit schwingt sich die sechsfache Mutter auf ein Minifahrrad und dreht etwas wackelig ihre Runden um einen Spielplatz. Akel ist 48 Jahre alt, Muslimin aus Jordanien und sitzt zum ersten Mal auf einem Fahrrad. Für viele Migrantinnen ist das nicht selbstverständlich, denn in vielen ihrer Herkunftsländer ist Rad fahren für Frauen verpönt - oder sogar verboten. Das gilt vor allem für muslimische Länder im arabischen und afrikanischen Raum. In Hessen gibt es daher jetzt spezielle Fahrradkurse für Migrantinnen. Die Nachfrage ist riesig.
In Offenbach wird der Kurs zum ersten Mal angeboten, zwölf Mütter nehmen teil. «Der Bedarf ist viel größer», sagt Projektleiterin Reinhild Fox. Finanziert wird der Kurs vom Jugendamt, Frauenbüro und Integrationsamt. Die Frauen zahlen nur zehn Euro. «Die Hürden sind schon groß genug», sagt Fox. Für die Frauen sei Radfahren ein großer Schritt. Doch es lohnt sich. Die Frauen werden mobiler, verbessern nebenbei ihre Deutschkenntnisse - und vor allem: werden selbstbewusster. «Es ist ein Baustein für soziale Integration», sagt die Jugendamtsmitarbeiterin. Das komme auch den Kindern zugute. Die Frauen merkten, dass sie Probleme angehen könnten. Dadurch könnten sie ihre Kinder besser unterstützen, auch in Schule oder Beruf.
Entstanden sei die Idee für den Fahrradkurs im interkulturellen Müttertreff des Mehrgenerationenhauses. Schon seit Jahren gibt es dort Angebote für Eltern und Kinder, auch Ausflüge stehen auf dem Programm. Einmal habe sie spontan eine Fahrradtour vorgeschlagen, berichtet Fox. Dabei habe sich herausgestellt, dass mehr als die Hälfte der Frauen gar nicht Fahrrad fahren konnte - es alle aber gerne lernen wollten. Sie mussten ihre Männer um Erlaubnis fragen, doch es gab offenbar keine Einwände. Inzwischen dürfen die Frauen sogar alleine mit ihren Kindern auf Freizeiten fahren, inklusive Übernachtung. «Das wäre in den ersten Jahren nicht möglich gewesen», sagt die Mitarbeiterin. «Das Vertrauen musste erst langsam wachsen.»
Zwei Wochen lang üben die Frauen jetzt jeden Vormittag auf dem Schulhof, sie stammen aus Eritrea, Äthiopien, Ghana, der Türkei oder Marokko. In ihren Heimatländern ist Fahrrad fahren zum Teil bis heute ein Tabu für Frauen. In Jordanien sei es zwar offiziell erlaubt, berichtet Myyassar Akel, doch sie habe früher nie eine Frau auf einem Fahrrad gesehen. «Vielleicht auf einem Esel, aber nicht auf einem Fahrrad», sagt sie mit einem breiten Lächeln. Sie stamme aus einer armen Gegend, dort habe sowieso niemand Geld für ein Rad. Doch jetzt lebt sie seit über drei Jahrzehnten in Deutschland, alle ihre Kinder können Fahrrad fahren. «Es war mein großer Wunsch, es auch zu lernen», sagt die Ein-Euro-Jobberin.
Jungfräulichkeit beim Radfahren verlieren?
Ähnlich ging es Zinash Takele aus Äthiopien. In ihrer Heimat sei Fahrradfahren früher für Frauen «nicht ganz verboten» gewesen, berichtet die 34-Jährige. Doch de facto seien die Mädchen dafür zu verschämt gewesen, die Jungs zu beleidigt. Es habe das Gerücht gegeben, dass Frauen durch das Radfahren ihren Jungfräulichkeit verlieren könnten. Vor 13 Jahren kam Zinash Takele nach Deutschland. «Alle fahren hier Fahrrad, es ist unglaublich», ist sie immer noch erstaunt.
Auch ihre drei Töchter fahren mit dem Rad zur Schule oder ins Schwimmbad, bis jetzt musste Zinash Takele immer hinterher rennen. Damit ist jetzt Schluss. In gelben Leggins setzt sich die Frau auf den Sattel, ihre Freundin schiebt sie an. Beide lachen laut. «Es ist wunderbar», jubelt Zinash Takele. Als nächstes will sie einen Schwimmkurs machen, angemeldet ist sie schon: «We can do it!»
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bietet die Übung für Frauen in Hessen im zweiten Jahr an. In diesem Sommer seien es 28 Kurse, unter anderem in Frankfurt, Darmstadt und Dieburg, sagt Projektleiterin Christine Rhodes: «Wir sind noch im Aufbau.» Es würden mit Sicherheit noch mehr werden, der Bedarf sei groß. Zu Beginn des Kurses üben die Frauen mit Tretrollern, später steigen sie auf kleine Fahrräder um, erst ohne, dann mit Pedale. Zum Abschluss ist eine kleine Fahrradtour auf Damenfahrrädern geplant. «Für die Frauen ist ein Hochgefühl, wenn sie ihre erste Runde auf dem Fahrrad drehen», sagt die Trainerin.
tno/che/news.de/ddp
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Wunderbar, meiner große Wunsch ist immer Radfahren. Meine Frage ist gibt es noch Radkurs zum beispiel ab Oktober or November ? wir sind ungefähr 7 Frauen bereit und haben großen wille um Radfahren zu lernen. Das verstärken auch unsere Deutschkenntnisse. Ich danke Ihnen für Ihre Bemühung. Ich bitte Sie um Antwort zu schicken. Ola Ghazy
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