Manuela Schwesig Ein Sommerkampf

Erst hat sie gegen Ursula von der Leyen gekämpft, dann gegen Kristina Schröder. Nun ist die Vize-Chefin der SPD und Hoffnung der Partei, Manuela Schwesig, auf Sommertour. Sie kämpft gegen sich selbst, die deutsche Sozialdemokratie und das Hoch «Zadok».

Manuela Schwesig (Foto)
SPD-Partei-Vize Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern. Bild: dpa

Während der Fahrt zwischen Radebeul und Leipzig wollte Manuela Schwesig der Sache auf den Grund gehen. Es ist Montag, der erste Tag ihrer Sommertour, die sie fast eine Woche durch Deutschland reisen lässt. Die Vize-Parteichefin der SPD ist vor allem die große Hoffnung der SPD. Außerdem noch Ministerin für Soziales und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern - und damit hat sie ein großes eigenes Thema im Gepäck. Es ist die Familienpolitik mit all ihren Höhen und Tiefen. Glaubt man der Ministerin sind es bundesweit zurzeit mehr Tiefen.

Im blauen VW-Bus dreht sich das Gespräch fast eine Stunde um die demografische Entwicklung im Lande. Dass die nicht gerade vorteilhaft verläuft, ist nicht neu. Ebenso alt ist die Erkenntnis, dass die Politik keine Lösungen parat hält. Sie bekämpft weder emsig die Ursache, noch die Folgen. Zaghafte Versuche, der Symptome Herr zu werden, wechseln sich einander ab. Beruhigender Weise befassen sich bereits Kinder mit den Problemen der Erwachsenen. Und, der Sommertour sei Dank, Manuela Schwesig bekommt die Lösungen serviert.

Der Niedergang der SPD: Ein Abgang nach dem nächsten

Die Ministerin muss sich dieser Tage ein wenig wie in einem Dèjá Vu vorkommen. Genau vor einem Jahr reiste sie ebenfalls durch Deutschland. Es war Bundestagswahlkampf. Damals wurde die junge Blonde noch Senkrechtstarterin genannt. Sie war Teil des Schattenkabinetts von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, das Kompetenzteam hieß. Als Frau aus dem Osten hatte Steinmeier sie auserkoren, einer etablierten Frau aus dem Westen das Wasser abzugraben: Ursula von der Leyen (CDU). Doch die damalige Bundesfamilienministerin machte es der Neuen nicht leicht, sie hatte viele der bis dahin sozialdemokratischen Themen bereits besetzt.

Schwesig hat mittlerweile das SPD-Wahldesaster und die Nominierung zur stellvertretenden Parteichefin hinter sich. Und sie hat mit Kristina Schröder (CDU) eine neue Konkurrentin bekommen. Beide wirken hinter dem Mikrofon noch etwas hölzern, tummeln sich aber im Becken um die besten Ideen in der Familienpolitik. Während Schröder sich mehr um die Alten kümmert, zum Beispiel in der Familienpflege, liegen Schwesig die Jungen am Herzen. Auf dem Plan ihrer VW-Bus-Tour stehen unter anderem der Besuch einer Kita in Ulm sowie Diskussionsrunden über Kinderarmut in München und Jugendarbeit in Pforzheim.

König von Deutschland muss helfen

Und sie macht dort Halt, wo sie von Kindern die Lösung ihres Demografie-Problems serviert bekommt: bei den Buchkindern in Leipzig. Der Verein lässt Kinder eigene Bücher schreiben und gestalten. Die Räume befinden sich im Souterrain eines Künstlerhofes. «Weil es hier so cool ist, kommt die Ministerin», sagt Mitarbeiterin Siri Köppchen. Der Raum verspricht wirklich Abkühlung bei Außentemperaturen von 37 Grad im Schatten. Einige der fertigen farbigen Bücher handeln etwas von Politik, das Wort Parteivorsitzende kommt aber nirgends vor. «Vielleicht ist das auch besser so», sagt Schwesig.

In einem Buch steht der Satz: «Aber morgen regeln wir das.» Kinder sind eben nicht nur kreativ, sondern auch noch wunderschön naiv. In einem anderen Buch geht es um den König von Deutschland, der endlich eine Prinzessin trifft. Einen Tag später haben sie ein gemeinsames Kind. «Das ist doch die Lösung», sagt Schwesig. «Und da müssen wir stundenlang im Bus diskutieren.» So einfach kann es eben sein. Schwesig nickt, lacht dann und beißt sich mit den Oberzähnen auf die Unterlippe. Die Frau sieht jetzt sehr natürlich aus, nicht wie eine Politikerin, die stets auf die besten Fotos von sich aus ist. Überhaupt mag sie keine gestellten Fotos. Das klappt dann doch nicht. «Es sind 37 Grad, sagen sie mir doch einfach was ich machen soll», sagt sie einem Fotografen in anraunzendem Ton. Das Hoch «Zadok» steht ihr gerade ein wenig im Wege.

Genau wie die eigene Partei. Schwesig wettert während ihrer Sommertour gern gegen das Sparpaket der Bundesregierung. Sozial schlechter Gestellte, vor allem Kinder, würden abgehängt. Zum Glück habe das Bundesverfassungsgericht dafür gesorgt, dass die Regelsätze für Kinder überarbeitet werden müssen. Die hatte jedoch einst die SPD mit erfunden. Manuela Schwesig wirkt nun schon etwas müde. Ihr Gesicht rötet sich - der Grund ist nicht klar. Schuld könnte die hohe Erwartung der eigenen Partei sein, vielleicht ist es auch nur das Wetter. Fest steht: Manuela Schwesig hat genug Gegner - obwohl politische Sommerpause ist.

iwe/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • ART
  • Kommentar 2
  • 26.07.2011 22:26
Antwort auf Kommentar 1

Nun nimm mal dein Zäpfchen langsam aus deinem Hintern.Ist Ja normal,wenn eine,die eine andere werden will,was macht.Aber was mach die Andere,die diese Aufgabe betreut? Arbeitslose weniger, Kurzzeitbeschäftigte mehr,so die Arbeit der Aufgabenbesitzerin.Fakt! Nun,sie kennen die Namen! Ist nun die Berufsmutter mit Hilfe des cdu-Berufsvaters schlechter,nein sie hat halt viele Kinder,viele Ammen,viele Ponnys und ist auch noch ne Ministerin.Sie hat einen Tag von 64 Stunden(Mägde und Knechte eingerechnet). Es geht doch! Papa war halt Statthalter von Brands-Keksen oder so.Es lebt sich doch gut!

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  • Buntstift
  • Kommentar 1
  • 17.07.2011 13:34

Mehr als "Sommertheater" ist die Sommertour von Manuela Schwesig nicht. Auch die den Medien versuchsweise aufgedrängten Themen sind nicht aktuell und sollten -so der Spiegel- eher eine PR-Aktion für die Mecklenburg-Vorpommern-Ministerin sein. Mehr Aufmerksamkeit der Medien täte dem SPD-Nachwuchstalent gut, zumal sie in jedem "Zweikampf" gegen Ursula von der Leyhen argumentativ schlecht aussah. bzw. in den meisten Fällen diesen verloren hat. Aus einem wirtschafts- und sozialipolitischen Notstandsgebiet heraus den nachvollziehbar Erfolgreicheren die Welt erklären zu wollen, ist paradox.

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