Sarah Palin Vorsicht vor dem Mama-Grizzly

Palin (Foto)
Beschwört die neue Macht der konservativen Frauen: US-Politikerin Sarah Palin. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Sarah Palin kandidiert für kein politisches Amt. Trotzdem könnte sie zu einer großen Gefahr für die Demokraten um US-Präsident Barack Obama werden. In einem Video verkündet Palin die neue Macht konservativer Frauen. Und beschwört animalische Tugenden.

Sarah Palin kennt sich aus mit den wilden Tieren in den USA. Schließlich war die Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner schon Gouverneurin im Bundesstaat Alaska. Kein Wunder also, dass der Grizzlybär in einem neuen Video der konservativen US-Politikerin eine große Rolle spielt. Und mit einer Grizzlybär-Mutter, soviel sei vorweggenommen, legt man sich nicht an. 

Über Twitter und Facebook verbreitete Palin in der vergangenen Woche ihr neues Video. Es ist ein Spot in klassischer Wahlkampfmanier. Knapp zwei Minuten lang zeigt es vor allem eins: Sarah Palin. Palin als Rednerin vor einem begeisterten Publikum, Palin in inniger Umarmung mit weiblichen Fans, Palin beim Händeschütteln. Unterlegt ist das Ganze mit für amerikanische Politspots typischer kitschiger Musik – und Palins Stimme.

Sarah Palin
Der Barracuda
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Die Erzählerin Palin weiß zu verkünden: «Dieses Jahr wird in Erinnerung bleiben als ein Jahr, in dem konservative Frauen mit gesundem Menschenverstand die Dinge für unser Land regeln werden.» Eine typische Palin-Phrase, ein klassisches Wahlkampfversprechen. Allein, Palin steht derzeit für kein Amt in den USA zur Wahl. Im November stehen in den USA die wichtigen Kongresswahlen an, die Republikaner machen sich durchaus Hoffnungen, den Demokraten um Präsident Barack Obama einige Sitze im Senat und Repräsentantenhaus abzuluchsen.

Frauen werden das Ruder herumreißen

Und obwohl die ehemalige Hoffnungsträgerin Palin auf keinem Wahlzettel zu finden sein wird, erzeugte ihr wenig aufwendig gemachtes Video, das darüber hinaus keinerlei substanzielle Inhalte hat, ein breites Medienecho in den USA. Denn die Politikerin hat es geschafft, sich mit ihren ewig gleichen Plattitüden im Gespräch zu halten. Als Rednerin auf einer Veranstaltung der erz-konservativen Bürgerrechtsbewegung « Tea Party», als Gastmoderatorin für den Haussender der Republikaner Fox News – und neuerdings als Unterstützerin weiblicher republikanischer Spitzenkandidaten im Kongress-Wahlkampf.

Sarah Palin
Vom Barracuda zum Grizzlybär
Video: youtube

Es sind die Frauen - da ist sich Palin sicher - die das Ruder in Amerika herumreißen werden. In bestem Erzählton verkündet sie daher in ihrem Video: «Die Politik Washingtons, diese fundamentale Veränderung Amerikas – nun, es gibt viele Frauen, die sagen, dass ihnen diese fundamentale Veränderung nicht gefällt und wir werden etwas dagegen unternehmen.»

Wer «wir» sind und was genau unternommen werden soll, dafür ist in dem knapp zwei Minuten langen Spot kein Platz. Palin unterstützt zwar medienwirksam die weiblichen Spitzenkandidatinnen ihrer Partei. Aber in einem Palin-Spot haben sie nichts verloren. Dort ist nur Platz für Palin und ihre weiblichen Fans. Strategen der republikanischen Partei sind begeistert. «Ich liebe es», sagte Fred Malek, ein Insider der Partei und bekennender Palin-Fan, zu politico.com.

Mütter wissen einfach, wenn etwas schief läuft

Aber auch weniger enthusiastische Fans erkennen in Palins Spot eine geschickte Strategie, wie sie politico.com sagen. «Sie spricht zu anderen Frauen, die wie sie sind – und von denen gibt es viele», sagt Alex Castellanos, ein Strategieberater der Partei. Konservative Mütter sind die perfekte Zielgruppe für Plattitüden à la Palin. Mütter wüssten einfach, wenn etwas schief läuft, erzählt sie im Video aus dem Off – natürlich auch, wenn es um die großen Fragen des Landes geht.

Und hier kommt der Grizzlybär wieder ins Spiel. «Ein Mama-Grizzlybär stellt sich auf die Hinterbeine, wenn er seine Jungen in Gefahr sieht», sagt Palin in dem Spot und warnt Amerika: «Du willst Dich nicht mit den Mama-Grizzlys anlegen.»

Das kommt an bei den republikanischen Wählerinnen. Schon wird in den USA wieder einmal spekuliert, Palin könnte sich mit dem Video in Stellung bringen für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur innerhalb der republikanischen Partei. Selbst ein CNN-Moderator nannte das Video in Anspielung auf den ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan «Reaganesque».

Es gibt auch die andere Seite des politischen Spektrums. Ruth Marcus widmete sich in einer Kolumne der Washington Post Palins neuem Mediencoup. Sie findet die Botschaft beleidigend inhaltslos und sieht nichts außer «recycelten Palin-Plattitüden». Sie sei selbst eine Grizzlybär-Mutter, schreibt Marcus und kommt zu dem Schluss: «Ich merke einfach, wenn jemand nur darauflosplappert. Und ich warte darauf, dass Palin es endlich lässt.»

Doch die plappernde Grizzlybär-Mutter Palin findet erstaunlich viel Gehör in den Staaten und ist derzeit eine der stärksten konservativen Stimmen in Land. Und so sollte sich auch Präsident Obama die Botschaft des Spots genau anhören: Pass auf den Mama-Grizzly auf.

che/reu/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Jakester
  • Kommentar 3
  • 17.07.2010 15:39

Palin ist mindestens so imbecil wie gefaehrlich. Und wer Pro-Palin ist, hat noch weniger Zellen im Stuebchen als sie selbst, da sie mit ihrem Inhaltslosen Darkagegeschwaetz wenigstens einen sueffusanten Unterhalt einstreicht.

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 2
  • 14.07.2010 11:41

Hoffentlich ist Palin mehrheitsfähig. Sie ist eine stolze Frau, und handlungsfähig. Erinnert an Lady Thatcher!Der Werteverleugnung wird sie Grenzen setzen. Damit gewinnt die Tradition die Kraft der Zukunftsgestaltung. Nicht mehr das unerträgliche Sozialgedöns bestimmt die amerikanische Politik. Die Menschen sind wieder wer. Individualität, wirtschaftlicher und sozialer Erfolg, Begabung und Freude prägen das Leben. Hoffentlich sind Obamas Tage gezählt.Der Kommentar hätte freundlicheren Ton verdient. Der Kommentar ist misslungen, Palin ist nämlich auch die Hoffnung von Europa,dem alten Kontinent

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  • Frank Lindner
  • Kommentar 1
  • 13.07.2010 18:25

Wer Busch gewählt hat traue ich auch eine Palin zu .

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