Agentengrüße aus Moskau
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Falsche Namen, verstecktes Bargeld und Tränen im Gerichtssaal: Die Spionageaffäre zwischen den USA und Russland hatte alles, was eine klassische Agentengeschichte braucht. Nun tauschen beide Länder ihre Agenten aus, im Verhältnis zehn gegen vier.
Der Agentenaustausch zwischen Moskau und Washington ist angelaufen: Wenige Stunden nach ihrer Gerichtsverhandlung sind die zehn in den USA enttarnten und festgenommenen russischen Spione in Richtung Heimat abgeflogen. Noch am Donnerstagabend (Ortszeit) sei eine von der US-Regierung gecharterte Maschine mit den Männern und Frauen in New York gestartet, meldete der Fernsehsender ABC am Abend. Im Gegenzug begnadigte Kremlchef Dmitri Medwedew vier Russen, die für den Westen spioniert haben sollen. Er habe den Deal auf höchster Ebene mit US-Präsident Barack Obama abgesprochen, hieß es in Moskau.
Wenn die zehn aus den USA abgeschobenen Spione nach Russland gehen, dann kommen ihre Kinder zumeist wohl mit. Von den zehn Mitgliedern des Spionagerings haben acht Kinder in den USA. Ein Paar, Michail Kussik and Natalia Perewersewa, hatten schon vor dem Termin vor Gericht, bei dem sie sich der Verschwörung schuldig bekannten, Vorbereitungen getroffen, ihre ein und drei Jahre alten Kinder nach Russland zu schicken. Wann die Kinder ihren Eltern folgen, war nicht klar.
Nur Stunden vor ihrem Abflug hatten die enttarnten russischen Spione vor einer New Yorker Richterin zugegeben, für die russische Regierung gearbeitet zu haben. In Fünfergruppen kamen die Agenten in den Gerichtssaal. Einige, so berichtet die Washington Post, trugen beige-blaue Gefängniskluft, andere wiederum Jeans und T-Shirt.
Jeder einzelne, so berichtet die Zeitung weiter, wurde nach seiner wahren Identität gefragt. «Der Mann, der unter dem Namen ‹Richard Murphy› bekannt ist, zögerte, offenbar unsicher, welchen Namen er benutzen sollte», schreibt die Post. Daraufhin habe Richterin Kimba Wood nach der wahren Identität verlangt. So wurde aus «Murphy» Wladimir Guryev. Seine Frau «Cynthia Murphy» wurde wieder Lydia Guryew, «Donald» und «Tracey» wurden wieder zu Andrej und Elena. Die als schöne Spionin bekannt gewordene Anna Chapman heißt allerdings wirklich so. Auch zwei weitere der zehn spionierten unter ihren tatsächlichen Namen. Sie waren erst Ende Juni nach jahrelangen Ermittlungen vom FBI festgenommen worden, nur kurz vor einem US-Besuch Medwedew. Dies sei aber purer Zufall gewesen, hieß es.
Agenten kannten keine geheimen Informationen
Wie die Washington Post weiter berichtet, brach Vicky Pelaez in Tränen aus, als sie im Gerichtssaal eine Angehörige sah. Pelaez ist die einzige unter den Agenten, die nicht russischer Herkunft ist. Sie kommt aus Peru, ist aber amerikanische Staatsbürgerin. Ihr 17-jähriger Junge bleibt vermutlich in den USA. Das erklärte ein Anwalt der Spionin. Ihr Sohn werde vermutlich bei seinem 38-jährigen Halbbruder bleiben, erklärte der Anwalt John Rodriguez. Den 17-jährigen Sohn hat Pelaez gemeinsam mit ihrem Agentenkollegen Michail Wassenkow, der in den USA den Namen Juan Lazaro angenommen hatte. Pelaez 38-jähriger Sohn stammt aus einer früheren Ehe. Pelaez selbst will nach der Abschiebung nur kurz in Russland bleiben und dann in ihre Heimat Peru zurückkehren.
Für jeden einzelnen der Spione stand im Gerichtssaal ein Anwalt auf und antwortete auf die Frage, ob sie die Anklage akzeptieren, mit einem knappen «Ja». Die meisten hatten sich als Amerikaner getarnt. Ihre Häuser und Autos sowie Teile ihres Vermögens wurden eingezogen. Einige haben Kinder, die nun selbst entscheiden sollen, ob sie ihren Eltern nach Russland folgen. Die Agenten wurden nicht wegen Spionage verurteilt, da sie nicht im Besitz von Informationen waren, die der Geheimhaltung unterliegen, berichtet die New York Times
Das Flugzeug mit den zehn russischen Agenten an Bord sollte in der Nacht zuerst nach Wien und dann weiter nach Moskau fliegen. An Bord waren auch US-Marshalls, weil die Spione bis zum ersten Agentenaustausch zwischen beiden Ländern seit 1986 offiziell noch in Haft sind. Die schnelle Rückkehr nach Russland werde «durch den neuen Geist der russisch-amerikanischen Beziehungen und das hohe Niveau des gegenseitigen Verständnisses der Präsidenten beider Länder» möglich, verlautete aus dem Kreml. Vertreter beider Staaten hatten wiederholt erklärt, die Affäre werde sich nicht negativ auf die Beziehungen zwischen Moskau und Washington auswirken.
CIA-Agenten bekennen sich in Moskau schuldig
Noch in der Nacht zum Freitag unterzeichnete Medwedew einen UkasEin Dekret des Präsidenten mit Gesetzeskraft. , mit dem der angebliche CIA-Agent und Nuklear-Experte, Igor Sutjagin, die mutmaßlichen Doppelagenten Alexander Saporoschski und Sergej Skripal sowie Gennadi Wasilenko begnadigt wurden. Zuvor hatten sie in einem Gnadengesuch an Medwedew ihre Schuld eingestanden.
Allerdings sollen sie stark unter Druck gesetzt worden sein. So hatte Sutjagin, der bereits seit fast elf Jahren in einem nordrussischen Straflager gefangen war, seine Schuld stets bestritten. Er soll Informationen über die russische Raketenabwehr sowie über Atom-U-Boote an eine britische Agentur mit Kontakten zum US-Geheimdienst übergeben hatte. Die anderen drei Männer saßen ebenfalls bereits seit mehreren Jahren in Haft. Auch sie sollten über Wien ausgetauscht werden.
hav/cvd/ivb/news.de/dpa/ap
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Die USA und Russland starten ihren ersten großen Agentenaustausch seit dem Kalten mehr ...
James Bond lässt grüßen: Die USA und Russland wollen enttarnte Spione mehr ...
Einer der Festgenommenen hat gestanden, für Russlands Geheimdienst gearbeitet zu mehr ...
Die Tarnung der mutmaßlichen Moskauer Spione schien perfekt. Auch Deutschland und Frankreich sind mehr ...
Fast wie zu Zeiten des Kalten Krieges: US-Ermittler haben zehn russische Geheimdienstagenten mehr ...
Durch seinen Anschlag starben CIA-Leute. Nun wurde bekannt: Der Attentäter war mehr ...
Das ewige Spiel der Spionage wie Gegenspionage, hat doch absolut nichts an seiner Aktuallität verloren. Ein Gewerbe,seit Menschengedenken, so alt wie Prostitution! Hier schenkt sich keiner in irgendeiner Weise etwas. Egal ob in West oder Ost, oder sonstwo, auf diesem Globus. Täuschen, lügen wie auch manipulieren, ist doch an der Tagesordnung (nicht nur) großer Geheimdienste.
jetzt antwortenKommentar melden