NRW-CDU Malocher kontra Modernisierer

Duell unter Freunden in NRW: Arbeitsminister Laumann und Integrationsminister Laschet bewerben sich in einer Kampfabstimmung um den Fraktionsvorsitz der CDU. Wer das Erbe von Jürgen Rüttgers antritt, ist völlig offen.

Laschet Laumann (Foto)
Noch scherzen sie miteinander: Karl-Josef Laumann (l.) und Armin Laschet sind Freunde - und bewerben sich bei der NRW-CDU um den gleichen Posten. Bild: ddp

Der nordrhein-westfälischen CDU steht ein Duell unter engen Weggefährten bevor. Wenn Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und Integrationsminister Armin Laschet heute in einer Kampfkandidatur um den Fraktionsvorsitz im Düsseldorfer Landtag rangeln, ist es nicht nur ein Wettstreit zweier bisheriger Landesminister. Beide Politiker kennen sich schon seit den 1990er Jahren aus dem Bundestag. «Wir beide sind seit vielen Jahren gute Freunde», sagen Laschet und Laumann unisono. Doch die beiden Christdemokraten sind auch höchst unterschiedlich. Hinter und vor den Kulissen liefern sie sich einen Wahlkampf.

Nordrhein-Westfalens bisheriger Arbeitsminister Laumann gilt als einer der wenigen «Malocher» in der Politik. Der gelernte Maschinenschlosser aus Riesenbeck (Kreis Steinfurt) zog 1990 für die CDU in den Bundestag ein. Seit 2005 ist er Sozial- und Gesundheitsminister in Düsseldorf.

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Mit seinem derb-westfälischen Idiom hat er sich einen Namen als harter Debattenredner gemacht. «Dass ich relativ laut rede, hängt auch mit meinem Beruf zusammen», hat Laumann einmal gesagt. «Das ist so, wenn man 17 Jahre lang mit Eisen gearbeitet hat.»

Parteipolitisch gilt der 52-Jährige als Ausführer des sozialen Kurses von Noch-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU). Der Bundeschef des CDU-Arbeitnehmerflügels (CDA) kämpft seit Jahren für branchenbezogene Tarif-Mindestlöhne und sozialere «Hartz IV»-Regeln. Rüttgers war er stets loyal verbunden.

Politisch in Bierzelten sozialisiert

«Laumann ist Münsterländer und damit in Bierzelten politisch sozialisiert», schrieb die Frankfurter Rundschau über ihn. In der CDU-Landtagsfraktion ist der begabte Witzeerzähler höchst beliebt. Dass er wegen seines bodenständig-westfälischen Auftretens zuweilen unterschätzt wird, kommt ihm nicht ungelegen.

Laschet ist wie Laumann katholisch. Beide sind verheiratet und haben drei Kinder. Da enden aber auch fast schon die Gemeinsamkeiten zwischen dem Westfalen und dem Rheinländer. Temperament und politischer Stil könnten gegensätzlicher kaum sein - obwohl beide zum eher «linken» Flügel der CDU gerechnet werden.

Laumann spricht laute und kurze Sätze. Laschet neigt zu längeren Ausführungen. Der im bisherigen Landeskabinett unter anderem für Familie und Integration zuständige Aachener pflegt das Image des Partei-Querdenkers. Laschet gilt als «Vertreter der Großstadt-CDU» (FAZ) und als «Modernisierer» (Spiegel) in der Union.

Der 49-jährige Laschet ist Mitglied im Bundesvorstand der CDU. Vor seiner Zeit in Düsseldorf war er Europaabgeordneter für seine Heimatstadt Aachen. Von 1994 bis 1998 gehörte Laschet dem Bundestag an. In dieser Zeit zählte der Jurist in der Unionsfraktion zum Kreis der «Jungen Wilden», die ab und zu einen Streit mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) anzettelten.

Schwarz-grünes Bündnis - denkbar oder «grausam»

Am Wahlabend des 9. Mai war es der Integrationsminister, der den abgetauchten Landeschef Rüttgers in den TV-Runden vertrat. In einem Hörfunk-Interview sagte er nach der schweren Wahlschlappe der NRW-CDU, dass es nun «in vielen Funktionen eine Neuorientierung» geben werde. Der ehrgeizige Laschet gilt als Kandidat für gleich mehrere Spitzenämter in der Landes-CDU. Laschets Ambitionen sollen Medienberichten zufolge auf Missfallen bei Rüttgers gestoßen sein. Angeblich wirbt Rüttgers hinter den Kulissen für Laumann.

Der wohl wichtigste Gegensatz zwischen beiden Bewerbern ist die Koalitionsfrage, die bei denkbaren Neuwahlen schnell virulent werden könnte. Laschet ist trotz gelegentlich scharfer Kritik an den Grünen für schwarz-grüne Bündnisse offen. Von Laumann ist der Satz überliefert, eine Zusammenarbeit mit den Grünen wäre eine «grausame Vorstellung - fast schon Fegefeuer».

In Zeitungsinterviews betonten die Kontrahenten jetzt ihre Unterschiede. Das Wahldebakel der CDU habe gezeigt, «dass wir uns nicht als bessere Sozialdemokraten profilieren sollten». Man müsse sich «auf alte Stärken» wie Sparsamkeit und Verlässlichkeit besinnen, sagte Laschet in Abgrenzung zur Ära des «Arbeiterführers» Rüttgers. Laumann will das genaue Gegenteil: «Ich glaube, dass wir das Erbe der Regierung Rüttgers verteidigen müssen.» Der Ausgang der Kampfabstimmung in der Fraktion gilt als offen.

hav/mac/news.de/ddp

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