Fr., 24.05.13

Christian Wulff Der Mann der dritten Anläufe

Wulff (Foto)
Christian Wulff, Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Christian Wulff ist neuer Bundespräsident. Doch der Weg ins Schloss Bellevue wurde in drei Wahlgängen zur Zitterpartie. Die Geschichte eines Mannes, der Niederlagen kennt – und dennoch das Ziel nie aus den Augen verliert.

Als Ministerpräsident von Niedersachsen hatte sich Wulff vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten noch einmal auf Sommertour begeben. Wo sonst einige örtliche Medienvertreter zuschauen, wie der Landesvater mit einem Gabelstapler das Hochregallager eines niedersächsischen Landmaschinenspezialisten inspiziert, drängten sich in diesem Sommer Dutzende Journalisten. Die Landestour, sie war zur Wahlkampftour geworden für den Bundespräsidentschaftskandidaten von Union und FDP.

Ein Wahlkampf, den es eigentlich nicht hätte geben sollen. Doch dann kam Joachim Gauck. Und mit ihm Schlagzeilen wie «Präsident der Herzen». Wulff befinde sich in einer Situation, die ihm nicht behage, sagt einer der Hauptstadtjournalisten, die sich aufgemacht haben in die niedersächsische Tiefebene, um Wulff bei jedem Schritt zu beobachten. Behagt hat sie dem 51-Jährigen wohl tatsächlich nicht, die Situation so kurz vor der Bundesversammlung. Die Zeit nach seiner Kandidatur sollte anders aussehen, mit weniger Druck. Neu hingegen ist Christian Wulff solch eine Situation nicht. Seine politische Karriere, das sagt er gerne in diesen Tagen, begann mit Niederlagen.

Christian Wulff
Ehrgeiziger Stratege

«Der Langsamste, der sein Ziel nur nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ohne Ziel herumirrt.» (Gotthold Ephraim Lessing)

So steht es auf Wulffs Homepage unter «Philosophische Provokationen». Man müsse sie kennen, wenn man ihn ganz verstehen wolle, heißt es dort. Auch das ist Christian Wulff. Das Ziel hatte er immer vor Augen, sein steiler Aufstieg innerhalb der CDU zeugt davon: Mit 19 Chef der Schülerunion, von dort aus über die Junge Union zielstrebig bis zum Spitzenkandidaten der niedersächsischen CDU. Dann kam Gerhard Schröder.

«Das Glück des Lebens besteht nicht darin, wenig oder keine Schwierigkeiten zu haben, sondern sie zu überwinden.» (Carl Hilty)

Den damaligen Ministerpräsidenten Schröder überwand der Mann aus Osnabrück zunächst nicht. Zwei Mal trat Wulff gegen Schröder an. Zwei Mal verlor er. Bis Schröder nach Berlin ging. Der Bundespräsidentschaftskandidat der Union habe nur eine Laufbahn, hat SPD-Chef Sigmar Gabriel kurz nach Wulffs Kandidatur gesagt. Der rot-grüne Kandidat Gauck hingegen bringe ein Leben mit ins Amt. Gabriel ist der Mann, der 2003 in Niedersachsen als Spitzenkandidat der SPD gegen Wulff angetreten ist - und verlor. Gabriel müsste seinen politischen Gegner aus früheren Zeiten besser kennen.

«Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus Ihnen macht.» (Jean Anouilh)

Der Katholik Wulff hat sich aus seinem Leben ein bisschen in die Politik geflüchtet. «Das muss man heute wohl so analysieren», sagte Wulff der Süddeutschen Zeitung. Geflohen ist er aus einer Kindheit, in der sich die Mutter vom Vater ihrer zwei ersten Kinder trennt, als Wulff zwei Jahre alt ist. Aus einer Kindheit, die durch viele Streitereien zwischen Wulffs Mutter und ihrem zweiten Ehemann geprägt ist. Und durch die Erkrankung der Mutter an Multipler Sklerose. All das erfährt man in den Tagen vor der Bundesversammlung über Christian Wulff. Hängen bleibt von einer Person meist jedoch nicht die Vita, sondern das Auftreten.

«Charakter zeigt sich darin, wie man sich beim dritten und vierten Anlauf verhält.» (James Michener)

Christian Wulff kennt dritte Anläufe. Seinem Charakter ist er dabei immer treu geblieben. Das zeigt sich schon äußerlich: randlose Brille, Anzüge und Oberhemden in gedeckten Farben. Einer, der die Fakten kennt, der sich nicht durch lautstarke Präsenz inszeniert. «Am Ende gewinnen wir Vertrauen als wichtiges Kapital nur, wenn wir differenzieren und Zwischentöne setzen und nicht nur nach knalligen Überschriften schielen», sagte Wulff – schon als Präsidentschaftskandidat – dem Focus. Das ist die Rhetorik des 51-Jährigen. Solche Sätze sind es, weshalb ihm das Image des Langweilers, des Saubermanns, des disziplinierten Parteipolitikers anhängt.

Das ist es, was ihn zum idealen Kandidaten gemacht hat für die Regierung. Christian Wulff ist ein berechenbarer Kandidat gewesen. Ein Kandidat, der das politische System kennt, die harte Schule der Parteipolitik hinter sich gebracht hat. Angela Merkel hat nun mit Wulff einen Mann im Schloss Bellevue, dem man das Attribut Verlässlichkeit sofort anheften möchte. Charismatische Reden wie sein Herausforderer Gauck hat Wulff vor der Wahl nicht gehalten. Er hat sich zurückgehalten, er blieb im Rahmen. Er hat sich wohl auch ein bisschen auf die schwarz-gelbe Mehrheit in der Bundesversammlung verlassen, die ihn, wenn auch erst im dritten Wahlgang, zum Bundespräsidenten gemacht hat. Und vielleicht hat er sich auch darauf verlassen, dass ihn sein Leben, seine Laufbahn, bisher noch immer ans Ziel gebracht hat.

Mühe wird auf Dauer von Erfolg gekrönt. (Konfuzius)

Die Bundesversammlung hat gezeigt: Die Mühe des Christian Wulff hat sich gelohnt.

che/reu/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • hellboy
  • Kommentar 6
  • 05.10.2010 08:10
 

Wulff hat keinerlei Profil und bisher kein "Rückgrad" bewiesen. Nur Fassade, -wie alles in diesem Staat. Eine sehr schwache Kür für das deutsche Staatsoberhaupt!

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  • tomahawk
  • Kommentar 5
  • 05.07.2010 23:50
 

Staatsanwaltschaft führt Vorermittlungen gegen Christian Wulff Die Staatsanwaltschaft in Hannover führt Vorermittlungen gegen den neuen Bundespräsidenten Christian Wulff. Der Tatvorwurf lautet: Verstoß gegen das Gentechnikgesetz. Neue Presse - 02.Jul. 11:11 Die Karriere des Christian Wulff Zu einer Staatskrise mit dem Bundespräsidenten auf der Anklagebank wird es dennoch kaum kommen. Formell hat die Staatsanwaltschaft in Hannover noch nicht ermittelt, und die Kollegen in Oldenburg dürfen zunächst nicht tätig werden, weil Wulff als Staatsoberhaupt Immunität genießt. H A Z 1.7. 2010

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  • Arsch
  • Kommentar 4
  • 02.07.2010 10:47
 Antwort auf Kommentar 3

Eine andere Meinung zu äußern,gibt denen die sich als"wählerdummes Bürgerdumm"haben veralbern lassen noch lange kein Recht den Schlaf des geistig faulen Untertans zu führen.Aber es passt zur Methode der fdj-Aufsteigerin Merkel.Zur Bundestagswahl keine politischen Aussagen,nur im Sonderzug nach nirgentwo.Parallel die Wahllügen der fdp-Finanzmatratzen und Bettvorleger für Geldsäcke.Nun Wulff,der"politische Beamte"erster"Edel-Hartzer"des Staates und Resonanzkörper der Merkel.Nicht die Partei(DDR-Lied)hat immer Recht,sondern die Merkel(fdj-Erziehung).

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  • guddy
  • Kommentar 3
  • 01.07.2010 15:49
 

kaum ist der mann gewählt,wird er nieder gemacht.wünscht ihm doch viel glück ,anstatt den stammtisch politiker raus zu hängen.wie hat Heinz Becker gesagt.alles Dummschwätzer.wem es in deutschland nicht gefällt,sollte auswandern.alles Dummschwätzer.

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  • FRIEDRICH
  • Kommentar 2
  • 30.06.2010 23:30
 

ENDLICH MAL WIEDER EINEN PRÄSIDENTEN DEN MAN RICHTIG IN DEN ARSCH TRETEN KANN - UND DAFÜR NOCH DANKE SAGT !!!!!! SEINE LOBBY WIRD ES IHM DANKEN WENN ER DENN TROTZDEM DIE GANZE ZEIT DURCHMACHT OHNE RESIGNATION 1 UND DAS WAR DER GEWÜNSCHTE WUNSCHKANDIDAT - LEIDER NICHT VOM VOLKE GEWÄHLT !!!! EINE TOLLE DEMOKRATIE !!!!!! DA WERDEN ERINNERUNGEN AN DER "VOLKSKAMMER" WACH !!!!!!

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  • Ole
  • Kommentar 1
  • 29.06.2010 16:58
 

Mühe wird auf Dauer von Erfolg gekrönt.Konfuzius.Was sagt uns das? Dauert es auch so lange wie bei der augenblicklichen"Nichtregierung"mit weiterem Motto:"Hoffnung auf Zukunft"?Passt ja eigentlich wie"Arsch auf Eimer"!Frau Angela Merkel,keine Bundeskanzlerin,mehr so ne Schaffnerin im Sonderzug nach nirgentwo und nun der Wulff,Status Partei-Beamter mit"Edel-Hartz-Bezügen",nicht mal ein"Schäfer-Hund",mehr erstes deutsches Schaf.Er wird sog.Bundespräsident. Auch den habt ihr euch verdient!Danke an das nicht wählendürfende"Bürgerdumm"!Nun passt alles,Präsident,Kanzlerin und"Wählerdumm"!Alle mäßig!

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