Mi., 08.02.12

Minderheitsregierung Linke stellt Bedingungen an Kraft

Artikel vom 18.06.2010

Die Linkspartei will mit einer rot-grünen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen kooperieren, nennt aber zugleich Forderungen. NRW-FDP-Chef Pinkwart wirft Kraft und Co. vor, in die «Ypsilantifalle» getappt zu sein und auf die Linken zu bauen.

Die Linkspartei ist unter Bedingungen bereit, die nordrhein-westfälische SPD-Chefin Hannelore Kraft zur Ministerpräsidentin zu wählen. «Ich erwarte, dass Frau Kraft jetzt auf uns zukommt», sagte der Parteivorsitzende Klaus Ernst den Dortmunder Ruhr Nachrichten. Die Linkspartei wolle der Wahl Krafts nicht im Wege stehen. «Wenn die SPD Vorschläge macht, die unserem Programm entsprechen, werden wir natürlich zustimmen.»

Gesine Lötzsch, ebenfalls Parteivorsitzende der Linkspartei, signalisierte SPD und Grüne in NRW die Unterstützung bei zukünftigen Abstimmungen im Landtag. «Zum Beispiel in der Bildungspolitik gibt es große Schnittmengen», sagte Lötzsch dem Hamburger Abendblatt zufolge. Auch hätten SPD, Grüne und Linke in vielen sozialen und ökologischen Fragen ähnliche Auffassungen, «die wir auch gemeinsam umsetzen können».

Lötzsch bekräftigte die Bereitschaft ihrer Partei zu einer rot-rot-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen. «Die Minderheitenregierung könnte ich als vertrauensbildende Maßnahme akzeptieren, um dann eine ordentliche Regierung zu bilden.» Ob die elf Abgeordneten der Linken im Düsseldorfer Landtag SPD-Landeschefin Hannelore Kraft zur Ministerpräsidentin wählen werden, darauf wollte sich Lötzsch noch nicht festlegen: «Klaus Ernst und ich werden in der nächsten Woche mit der Fraktion über diese Fragen ausführlich diskutieren.»

Trittin freut sich auf neues Stimmverhältnis im Bundesrat

Nach einer überraschenden Kehrtwende hatte Kraft am Donnerstag angekündigt, doch eine rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden und den geschäftsführend amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers abzulösen. Zunächst hatte sie einen solchen Schritt ausgeschlossen. Kraft will sich schon in der nächsten Plenarsitzung am 13. oder 14. Juli zur Regierungschefin wählen lassen. Im vierten Wahlgang wäre dies mit einfacher Mehrheit möglich - auch ohne die Stimmen der Linkspartei. Die Verhandlungskommissionen von SPD und Grünen wollen am Dienstag in ihre gemeinsamen Beratungen einsteigen, wie die Nachrichtenagentur dpa aus den Parteizentralen erfuhr.

Die Fraktionschefin der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann, setzt bei der Minderheitsregierung auf wechselnde Mehrheiten. Sicherlich werde es bei einigen Themen Zustimmung aus Reihen der Linkspartei geben, sagte sie am Freitag im Deutschlandfunk. Man werbe aber auch um Stimmen von CDU und FDP.

Grünen-Bundesfraktionschef Jürgen Trittin zeigte sich zufrieden. «Die Mehrheit von Kanzlerin Merkel ist futsch. Und das ist das eigentlich gute Signal: Weder für Teile des Sparpaketes noch für Laufzeitverlängerungen bei Atomkraftwerken gibt es im Bundesrat jetzt eine Mehrheit», sagte Trittin der Oldenburger Nordwest-Zeitung.

«In die Ypsilantifalle hineingetrieben worden»

Der nordrhein-westfälische FDP-Chef Andreas Pinkwart kritisierte die Entscheidung zur Bildung einer Minderheitsregierung scharf. Er sagte am Freitag im ZDF-Morgenmagazin, es handele sich um eine «Verzweiflungstat». «Frau Kraft ist von ihrer Bundesspitze und vor allen Dingen von den Grünen in die Ypsilantifalle hineingetrieben worden», sagte Pinkwart. Die Grünen hätten auch die Sondierungsgespräche mit der FDP «torpediert, weil sie auf die Linken bauen».

Rüttgers hatte bereits am Donnerstag gesagt, für Krafts überraschenden Schritt gebe es keine glaubwürdigen Argumente. Der CDU-Politiker warf seiner Herausforderin «schlimmste Wählertäuschung» vor, weil sie sich jetzt von der Linkspartei abhängig mache.

Rot-Grün fehlt im Landtag eine Stimme zur absoluten Mehrheit. Die Partner müssen sich bei einer Minderheitsregierung im Parlament wechselnde Mehrheit suchen.

tno/cvd/reu/news.de/dpa/ap
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Kraft (Foto)
NRW-Regierungspoker Kraft will Minderheitsregierung

Kraft gegen Rüttgers: SPD und Grüne planen eine Minderheitsregierung in mehr ...

news.de-Redakteur Christoph Heinlein (Foto)
Minderheitsregierung Riskantes Spiel in NRW

Hannelore Kraft hat lange gezögert, sich auf eine rot-grüne Minderheitsregierung in NRW einzulassen. Aus gutem mehr ...

NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft (Foto)
NRW-Regierungspoker Gelähmt im Machtkampf

Nichts geht mehr: Die Regierungsbildung in NRW ist völlig mehr ...

Hannelore Kraft (Foto)
Koalition in NRW SPD offen für Minderheitsregierung

Nervenkrieg in NRW: Kommt doch noch eine rot-grüne mehr ...

Sigmar Gabriel (Foto)
Regierungsbildung NRW Gabriel für Minderheitsregierung

Jürgen Rüttgers wirbt nach wie vor für Schwarz-Rot in NRW. Doch die SPD sieht andere mehr ...

News.de-Redakteur Christoph Heinlein (Foto)
NRW-Koalitionspoker Die SPD muss in den sauren Apfel beißen

Nach dem Aus für der Ampel gibt es nur noch eine Möglichkeit: die Große Koalition. Ein mehr ...

Minderheitsregierung: Linke stellt Bedingungen an Kraft » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855061694/linke-stellt-bedingungen-an-kraft/1/
Schlagworte:
Andreas Baum, Andreas Beck, Andreas Bergmeier, Andreas Blume, Andreas Böcherer, Andreas Engel, Andreas Ertl, Andreas Evers, Andreas Franke, Andreas Fuhrmann, Andreas Gaebler, Andreas Görlitz, Andreas Greinacher, Andreas Günter, Andreas Gursky, Andreas Helgstrand, Andreas Herzog, Andreas Hirsch, Andreas Hoppe, Andreas Kannengießer, Andreas Köhler, Andreas Kühnlein, Andreas Ludwig, Andreas Mailath-Pokorny, Andreas Pessenlehner, Andreas Pinkwart, Andreas Platthaus, Andreas Raelert, Andreas Ratzek, Andreas Rojewski, Andreas Rose, Andreas Rudolph, Andreas Schaad, Andreas Schmidt, Andreas Schweiger, Andreas Seiferth, Andreas Thorkildsen, Andreas Toba, Andreas Vinciguerra, Andreas Waschburger, Andreas Wolf, Argumente, Atomkraftwerken, Auffassungen, Bedingungen, Bilden, Bildung, Bundesrat, Bundesspitze, CDU, CDU-Ministerpräsidenten, CDU-Politiker, CO, CvD, Deutschlandfunk, Dingen, Diskutieren, Donnerstag, Dortmunder, Einfacher, Einsteigen, Entscheidung, Ernst Abendblatt, Ernst Bach, Ernst Lieb, Ernst Ludwig, Ernst May, Ernst Mosch, Ernst Moschs, FDP, FDP-Chef, Festlegen, Fraktionschefin, Freitag Hamburger, Freitag Nordrhein-Westfalen, Freitag SPD, Freut, Gesine Danckwart, Grünen, Handele, Hannelore Heino, Hannelore Kraft, Hannelore Ratzeburg, Hannelore Weber, Herausforderin, Josef Ernst, Juli, Jürgen Bartsch, Jürgen Bretzinger, Jürgen Duah, Jürgen Fitschen, Jürgen Gerdes, Jürgen Heraeus, Jürgen Holzenleuchter, Jürgen Kluge, Jürgen Kyas, Jürgen Marschall, Jürgen Ritter, Jürgen Rüttgers, Jürgen Tap, Jürgen Trittin, Jürgen Walter, Jürgen Wolf, Kanzlerin, Kehrtwende, Klaus Barbie, Klaus Baur, Klaus Brüggemann, Klaus Büchner, Klaus Doubek, Klaus Eck, Klaus Eichhorn, Klaus Engel, Klaus Ernst, Klaus Gerster, Klaus Hagl, Klaus Krüger, Klaus Marschall, Klaus Probst, Klaus Schäfer, Klaus Wittmann, Kraft Abgeordneten, Kraft Beziehungen, Kraft Klitschkos, Kraft SPD, Krafts, Landtag, Laufzeitverlängerungen, Linken, Linkspartei, Löhrmann, Max Ernst, Mehrheit, Mehrheiten, Merkel, Michael Kraft, Minderheitsregierung, Ministerpräsidentin, Nachrichten, Nordrhein-Westfalen, Nordwest-Zeitung, Ökologischen, Oldenburger, Parlament, Parteichef, Parteivorsitzende, Partner, Petrus Andreas, Pinkwart, Plenarsitzung, Programm, Regierungschefin, Reihen, Rita Ernst, Rot-Grün, Ruhr, Rüttgers, Schritt, Signal, Sofia Abhängig, Sondierungsgespräche, SPD, SPD-Chefin, Stimme, Stimmen, Sylvia Canel, Sylvia Kibet, Sylvia Löhrmann, Sylvia Neid, Sylvia Nina, Sylvia Robinson, Themen, Thomas Kraft, Top Themen, Trittin, Umsetzen, Ursel Aber, Verzweiflungstat, Vierten, Vorschläge, Wahl, Wahlgang, Walter Jürgen, Warf, Werbe, Wilfried Klaus, Ypsilantifalle, ZDF-Morgenmagazin, Zufrieden, Zunächst, Zustimmen, Zustimmung,
Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 21.06.2010 13:45
von
Schnuppit

"Zack" da haben wirs!!!! Von wegen die SPD würde nicht mit der Linken zusammen arbeiten wollen. Dann macht es doch wenigstens nicht unter der Hand sondern geht in die Rot-Rot-Grüne Koalition. Und der FDP / Union wirft man vor Wahlkampflügen verbreitet zu haben? Das ich nicht lache!!! Wo bleibt der empörte Aufschrei wenn sich die SPD mit der Linken ins Bett legt? Einer Partei, welche den Nerv hat eine Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten (Luc Jochimsen – der zerzauste Vogel) zu nominieren. Eine Frau die sagte „Die DDR war kein Unrechtsstaat“!!! Wie kann das sein Deutschland?

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren