Kirgistan Tote bei neuen Unruhen

Tote bei Unruhen im Süden Kirgistans (Foto)
Nach Unruhen im Süden Kirgistans schaut eine Frau durch eine zerstörte Glasscheibe. Bild: dpa

Seit dem Sturz des Präsidenten im April ist die Lage in Kirgistan gespannt - jetzt flammt die Gewalt wieder auf: Bei Unruhen im Süden des Landes gab es Tote und Verletzte. Die Regierung verhängte ein Ausgangsverbot.

Bei erneuten Unruhen in Kirgistan sind nach amtlichen Angaben mindestens zwölf Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden. Gesundheitsministerin Jelena Bailinowa sagte, viele der Opfer hätten bei den Zusammenstößen in der südlichen Stadt Osch am Donnerstagabend Schusswunden erlitten. Die Behörden verhängten den Ausnahmezustand in der zweitgrößten kirgisischen Stadt.

Augenzeugen hatten zuvor von langanhaltendem Gewehrfeuer in Osch berichtet. Örtliche Medien berichteten, mit Stöcken und Steinen bewaffnete Gruppen junger Männer griffen Geschäfte an. In den Stadtteilen brannten Dutzende Häuser und Autos. Mit Panzern, Hubschraubern und Schüssen in die Luft versuchten Militär und Polizei die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Nach Schätzungen der Polizei waren mehrere tausend Menschen an den Ausschreitungen beteiligt.

Die Übergangsregierung entsandte Truppen und Panzerfahrzeuge in die zweitgrößte Stadt des mittelasiatischen Landes. Anwohner sagten, auch am Morgen sei in ihrer Stadt noch geschossen worden. Der Ausnahmezustand soll bis zum 20. Juni gelten, teilte die Regierung mit. Von 20 Uhr bis 6 Uhr wurde ein Ausgehverbot verhängt.

Die Lage in Kirgistan ist seit dem Sturz von Präsident Kurmanbek Bakijew im April gespannt. Beobachter bezeichneten den neuen Ausbruch von Gewalt als Provokation vor der geplanten Volksabstimmung Ende Juni. Bei dem Referendum soll über eine neue Verfassung abgestimmt werden. In Osch gibt es besonders viele Anhänger Bakijews, der Asyl in Weißrussland gefunden hat. Seit April kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa rief in einer Fernsehansprache die Bürger zur Ruhe auf. «Ich möchte besonders an die Frauen von Kirgistan appellieren», sagte sie. «Liebe Schwestern, findet die richtigen Worte für eure Söhne, Männer und Brüder. In der derzeitigen Lage ist es inakzeptabel, sich Gefühlen von Vergeltung und Wut hinzugeben.»

che/ivb/news.de/ap/dpa

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