Hartz-IV-Tweet Internet zerfleischt Familienministerin

Kristina Schröder (Foto)
Kristina Schröder hat es im Netz schwer zur Zeit. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Kristina Schröder inszeniert sich gerne als junge, webaffine Politikerin. Einige Medien belohnten sie dafür sogar mit dem Spitznamen «Twitter-Ministerin». Nun schlägt Schröder der Zorn des Netzes entgegen – und damit ist sie überfordert.

Über Kevin-Prince Boateng brach einer nach dem Foul an Michael Ballack herein. Auch der Werbechef Jung von Matt war schon dran, als er Blogs mit Klowänden verglich. Und Sascha Lobo lebt sowieso andauernd damit. Die Rede ist von einem Shitstorm: einem Sturm der Entrüstung und Kritik, die sich in Internetforen, Blogs und Twitter plötzlich und geballt über einer Person und einer Sache entlädt. Jetzt hat es Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) erwischt. Ja, genau, die Kristina Schröder, die gleich zu Beginn ihrer Amtszeit den kumpelhaften Schulterschluss mit Bloggern suchte und sogar ihren Twitteraccount selbst befüllt.

Ist das gerecht?
Aufruhr gegen Kristina Schröder

Mit einem Tweet wollte Kristina Schröder, die auf Twitter noch Köhler heißt, die Kürzung des Elterngeldes für Hartz-IV-Empfänger verteidigen. «Natürlich ist die Elterngeldstreichung für Hartz IV-Empfänger hart», schrieb sie von ihrem Blackberry aus und fügte hinzu: «Aber: Eine Familie in Hartz IV, zwei Kinder, erhält inklusive Elterngeld 1885 Euro vom Staat. Netto! Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?» Dieser letzte Satz, der so wenig empathisch ist und zu sehr an Guido Westerwelles (FDP) Gerede von spätrömischer Dekadenz erinnert, ist nun Instrument des Spots.

«Das passt einfach sowas von Faust aufs Auge bei Politikern, Bankern, Bailouts, der EU-Kommission, den ‹Sparplänen›, fast allem!», schreibt Fefe in seinem Blog und ruft dazu auf, mit diesem Satz Logos zu kreieren. Sofort bekam er per Mail diverse Vorschläge zugeschickt, von denen news.de einige in einer Fotostrecke zeigt. Der Tenor: Ist das Ministerleben mit all seinen Sektempfängen, seinen Segeltörns und Krisengesprächen im Kaffeeklatschlook gerecht gegenüber denen, die arbeiten?

«Kristina Schröder spart sich wohl zuerst ihren letzten Rest Menschlichkeit»

Auch auf Twitter ist Kristina Schröder derzeit das beliebteste Ziel von Häme und Spott. «Eine Ministerin erhält 12.860 Euro pro Monat vom Staat + Nebenverdienste. Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?», twitterte zum Beispiel der Nutzer DirekteAktion. «Tja, sie nimmt das Sparen wirklich ernst. Kristina Schröder spart sich wohl zuerst ihren letzten Rest Menschlichkeit», hieß es bei Happy Schnitzel.

Schon mehr als 100 Follower hat derweil Dr. KSchroeder. Ein Twitter-Nutzer hat im Namen von Kristina Schröder einen ganzen Account auf der inzwischen berühmten Frage aufbaut. «An amerikanischen Stränden Öl so weit das Auge reicht. Ist das etwa gerecht gegenüber denen, die hier selber tanken?», twittert die Fake-Schröder. Auch schön: «Friedman behauptet im Knast wären lauter Kriminelle, ist das etwa fair gegenüber denen, die dort arbeiten?»

Spricht dass nun dafür, dass es doch keine kluge Idee ist, Politik auf 140 Zeichen zu machen? Eher ist es wohl so, dass es der Ministerin, die sich in der Netzsperrendebatte verständnisvoll gab und von Aussöhnung zwischen Politik und Netz sprach, nicht gelingt, ihren Twitteraccount wie einen Twitteraccount zu nutzen. So verbreitet sie darüber nur gelegentlich politische Statements oder Werbung für ihre Projekte. Die Interaktion mit ihren Followern, ihren Wählern, fehlt. So gut wie gar nicht antwortet sie auf Fragen oder Kritik, Reaktionen gibt es nur für Parteikollegen, den politischen Gegner und Journalisten.

Und auch jetzt macht sie das, was sich Kristina Schröder wohl von ihrer «Jugendliebe» Helmut Kohl abgeschaut hat: die Sache aussitzen. Seit dem verhängnisvollem Satz von vor drei Tagen hat Schröder keinen einzigen Tweet mehr abgesetzt. Aus ihrem Ministerium heißt es, Schröder selbst habe jedenfalls zu viele Termine und deshalb keine Zeit für ein Statement zum Thema.

hav/ivb/news.de

Leserkommentare (14) Jetzt Artikel kommentieren
  • GEWEBAYERN
  • Kommentar 14
  • 31.03.2011 14:40

Familienministerin über Hartz VI tweet..., wen wunderts ist doch viel zu jung um wissen zu können wo es lang geht!

Kommentar melden
  • Arsch
  • Kommentar 13
  • 16.07.2010 13:41
Antwort auf Kommentar 11

Da haben alle etwas falsch verstanden, was der Herr Köhler nicht meinte? Da redet einer auf der Rückreise aus Afghanistan und meinte das Horn von Afrika.Und nun zu den armen Politikern,die viel aushalten müssen?Ein Frisör weiß was auf ihn zukommt und ein Dachdecker arbeitet bei größter Hitze auf dem Dach,kann nicht einfach weglaufen,hat dann keine Arbeit und nichts zu essen und zu trinken und verhungert!Herr Köhler entscheidet sich für Fahnenflucht und wird mit einer dicken Pension bis an sein Lebensende belohnt! Bravo waechtsa,ein"echta-geistes-wixa"!

Kommentar melden
  • WeedWeed
  • Kommentar 12
  • 29.06.2010 04:08

@waechtsa: sie haben absolut keine ahnung von nichts, wieso wird man den erst politiker egal welchen lagers, also entschuldigung etwas mehr disziplin. jemand der eine arbeit anstrebt die aus steuermitteln finnanziert wird ist unter generalverdacht zu stellen. wer einen gehobenen abschluss hat soll in die privatwirtschaft und nicht beamter werden ala "sicherer job unkuendbar etc.." der staat hat kein geld mehr fuer diese looser.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig