So., 12.02.12

Haushaltssanierung Schäuble will Steuern erhöhen

Artikel vom 29.05.2010

Bei Vorschlägen zum Sparen darf jeder mal: Schäuble sagt nicht nein, Wirtschaftsminister Brüderle wehrt sich noch, der CDU-Fraktionsvorsitzende will an die Steuerbefreiung für Flugbenzin ran und wir sollen auf einen Urlaubstag verzichten.

Eine Woche vor der Haushaltsklausur des Kabinetts schließt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Steuer- und Abgabenerhöhungen zur Sanierung nicht mehr aus. Dagegen sind Steuererhöhungen für Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) weiter ein Tabu. Derweil warnte DGB-Chef Michael Sommer die Regierung am Samstag vor Sparmaßnahmen «zulasten der Beschäftigten, der kleinen Leute und der Ärmsten in unserer Gesellschaft».

Die Bundesregierung will sich am 6. und 7. Juni bei einer Haushaltsklausur in Berlin auf die künftige Finanzplanung verständigen. Zuletzt hatte es von allen Seiten Sparvorschläge oder Äußerungen zu Steuererhöhungen gegeben.

Schäuble sagte in der Bild am Sonntag zu möglichen Subventionsstreichungen oder Abgabenerhöhungen: «Das sind doch keine Quälinstrumente.» Die Bürger wollten, «dass wir die hohe Verschuldung zurückführen». So könnten im Energiebereich Subventionen abgebaut werden. Schäuble warnte zugleich davor, den Sozialstaat kaputt zu sparen. «Einsparungen bei den Sozialausgaben treffen ganz überwiegend die weniger Begüterten im Land.» Am Ende müsse es eine vernünftige und ausgewogene Politik sein.

Mitten im Streichkonzert der Koalitionäre schlug der stellvertretende Unions-Bundestagsfraktionsvorsitzende Christian Ruck (CSU) vor, die Steuerbefreiung für Flugbenzin zu streichen. Der CDU-Wirtschaftsexperte Andreas Lämmel brachte einen Urlaubsverzicht der Arbeitnehmer zur Sanierung der Staatsfinanzen ins Gespräch.

Und es geht noch kurioser: Nach Zeitungsberichten diskutiert die Koalition sogar, die erst im Januar eingeführte Ermäßigung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen wieder zu streichen und die Lkw-Maut auf Lastwagen ab 7,5 Tonnen auszuweiten.

Trotz allen Sparens: FDP will Steuern senken - irgendwann

Brüderle versicherte: «Steuererhöhungen wird es mit der FDP nicht geben.» Der Haushalt müsse über die Ausgaben und nicht über die Einnahmen konsolidiert werden. Forschungs- und Bildungsinvestitionen dürften nicht gekürzt werden. Spielräume sehe er dagegen bei den Zuschüssen für die Bundesagentur für Arbeit.

Zugleich bekräftigte Brüderle das Ziel, die Steuern wie im Koalitionsvertrag vereinbart zu senken. «Es bleibt ein ganz entscheidendes Ziel, die Bürger noch in dieser Wahlperiode spürbar zu entlasten», sagte er. Überlegungen, auf bisher begünstigte Produkte den vollen Mehrwertsteuersatz zu erheben, wies er zurück.

Dagegen sagte CDU-Haushälter Norbert Barthle: «Eine Bereinigung der Mehrwertsteuersätze hätte nichts mit Steuererhöhungen zu tun.» Der Vorsitzende des Bundestagsfinanzausschusses, Volker Wissing (FDP) und der CDU-Finanzpolitiker Michael Meister lehnten zwar Steuererhöhungen ab. Allerdings schlossen sie zusätzliche Belastungen für einzelne Gruppen nicht aus. Betroffen davon wären dem Berliner Tagesspiegel zufolge Zusatzbelastungen im Finanzmarktbereich, wie die Bankenabgabe, und steuerliche Subventionen, wie etwa die ermäßigte Mehrwertsteuer.

Unions-Fraktionsvize Ruck sagte: «Ich spreche mich dafür aus, dass wir an die Steuerbefreiung des Flugbenzins rangehen.» Sie sei ein Wettbewerbsnachteil für andere Verkehrsmittel wie die Bahn. Die Steuer brächte dem Fiskus neun Milliarden Euro ein.

Wir sollen auf einen Urlaubstag verzichten

Lämmel sagte: «Ich würde begrüßen, wenn sich die Tarifpartner auf einen Urlaubstag weniger einigen und so etwas für den Standort Deutschland tun.» Jeder Tag, der in Deutschland mehr gearbeitet werde, sei gut für die Wirtschaft und damit für die Steuereinnahmen.

Die Bild-Zeitung berichtete, es werde erwogen, die umstrittene Steuersenkung für Hotelübernachtungen rückgängig zu machen und die Pendlerpauschale zu kürzen. Derzeit gilt für bestimmte Produkte und Dienstleistungen ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 7 statt der allgemein üblichen 19 Prozent. Dazu zählen Hundefutter und Lebensmittel. Eine Erhöhung auf 19 Prozent könnte dem Staat der Zeitung zufolge mehrere Milliarden Euro bringen.

ped/ruk/news.de/ddp/ap
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Bundesregierung lässt Steuererhöhungen offen (Foto)
Koalition Werden die Steuern erhöht?

Koalitionspolitiker wollen höhere Abgaben für Reiche - auch über die Mehrwertsteuer wird mehr ...

Guttenberg Truppe (Foto)
Guttenberg Sparen? Zu Befehl!

Der Wehrhaushalt soll bluten. Nur am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr wird nicht mehr ...

Maybrit Illner (Foto)
Maybrit Illner Eiertanz um die Streichliste

Der Staat muss bald Milliarden sparen. Aber wer wird dafür bluten? Eine Spurensuche bei Maybrit mehr ...

Verteidigungsminister zu Guttenberg  (Foto)
Bundeswehr Zu Guttenberg setzt den Rotstift an

Die Bundeswehr muss drastisch sparen. Bei Rüstungsprojekten, Material, aber auch bei mehr ...

Schäuble (Foto)
Sparpläne Schäuble will Arbeitslosen ans Geld

Nach der Hartz-IV-Schelte von Westerwelle will auch der Ffinanzminister bei den Arbeitslosen mehr ...

Ballack (Foto)
Abgewirtschaftet Siegen für die Steuererhöhung

Die Nationalmannschaft ist ohne Ballack schwach. Doch sie muss siegen, denn davon hängt viel mehr ...

Haushaltssanierung: Schäuble will Steuern erhöhen » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855058946/knausern-und-kuerzen-nur-wo/1/
Schlagworte:
Abgebaut, Andreas Baum, Andreas Beck, Andreas Bergmeier, Andreas Blume, Andreas Böcherer, Andreas Engel, Andreas Ertl, Andreas Evers, Andreas Franke, Andreas Fuhrmann, Andreas Gaebler, Andreas Görlitz, Andreas Greinacher, Andreas Günter, Andreas Gursky, Andreas Helgstrand, Andreas Herzog, Andreas Hirsch, Andreas Hoppe, Andreas Kannengießer, Andreas Köhler, Andreas Kühnlein, Andreas Ludwig, Andreas Mailath-Pokorny, Andreas Pessenlehner, Andreas Platthaus, Andreas Raelert, Andreas Ratzek, Andreas Rojewski, Andreas Rose, Andreas Rudolph, Andreas Schaad, Andreas Schmidt, Andreas Schweiger, Andreas Seiferth, Andreas Thorkildsen, Andreas Toba, Andreas Vinciguerra, Andreas Waschburger, Andreas Wolf, Anfang, Arbeit, Arbeiter, Arbeitnehmer, Ärmsten, Ausgaben, Ausgewogene, Bahn Randlagen, Bahn Ziel, Bankenabgabe, Barthle, Begrüßen, Belastungen, Bereinigung, Berlin Sonntag, Berlin Woche, Berliner, Bestimmte, Betroffen, Bild-Zeitung, Brüderle, Bundesagentur, Bundeshaushalt, Bundeswirtschaftsminister, Bürger Hacker, Bürger Sportler, Cardoso Derweil, Christian Arbeit, Christian Berkel, Christian Jaletzke, Christian Jeltsch, Christian Polanc, Christian Stief, Christian Theede, Cornelius Meister, CSU, Deutschland, DGB-Chef, Dienstleistungen, Diskutiert, Einnahmen, Energiebereich, Entscheidung, Erhöhung, Ermäßigung, Euro Derweil, Euro Januar, Euro Trotz, Euro Ziel, FDP, Fiskus, Forschungs, Gerd Meister, Gespräch, Gruppen, Haushalt, Haushaltssanierung, Henning Bürger, Hotelübernachtungen, Hundefutter, Januar, Johann Wolfgang, Juni, Kabinetts, Klausurtagung, Koalition, Koalitionäre, Koalitionsvertrag, Künftige, Kurioser, Lämmel, Land Trotz, Lastwagen, Lebensmittel, León Norbert, Lightning1100025, LKW-Maut, Luise Rainer, Marinos Meister, Mehrwertsteuer, Mehrwertsteuersatz, Mehrwertsteuersätze, Meister, Michael Meister, Michael Sommer, Milliarden, Millionäre, Möglichkeiten, Müsse, Norbert Barthle, Norbert Meier, Norbert MicheliszUngarnBMW, Norbert MicheliszUngarnSunred, Norbert Oberhaus, Norbert Tadeusz, Norbert Trelle, Norbert Vettel, Norbert Walter-Borjans, Pendlerpauschale, Petrus Andreas, Produkte, Prozent, Rainer Bock, Rainer Bonk, Rainer Brüderle, Rainer Gallus, Rainer Hanke, Rainer Höfer, Rainer Holmer, Rainer Jensen, Rainer Köttstorfer, Rainer Maria, Rainer Mendel, Rainer Thumann, Rainer Werner, Richter Volker, Ruck, Samstag, Sanierung, Sommer, Spielräume, Spreche, Spürbar, Staat, Staatsfinanzen, Standort, Stellvertretende, Stephanie Bürger, Steuer, Steuerbefreiung, Steuereinnahmen, Steuererhöhungen, Steuerliche, Steuern, Steuersenkung, Stevens Verzichten, Subventionen, Tag, Tagesspiegel, Tarifpartner, Tonnen, Überlegungen, Unions-Fraktionsvize, Urlaubstag, Vereinbart, Verkehrsmittel, Verzichten, Volker Albus, Volker Böttcher, Volker Budach, Volker Hoffmann, Volker Ratzmann, Volker Schlöndorffs, Volker Struth, Volker Weber, Vollen, Vorsitzende, Wahlperiode, Wettbewerbsnachteil, Wirtschaft, Wissing, Wolfgang Ansel, Wolfgang Anzengruber, Wolfgang Arenhövel, Wolfgang Beltracchi, Wolfgang Dürheimer, Wolfgang Eichwede, Wolfgang Fiedler, Wolfgang Gehrcke, Wolfgang Hentrich, Wolfgang Lippert, Wolfgang Nieke, Wolfgang Rathmann, Wolfgang Rihm, Wolfgang Runge, Wolfgang Schmitz, Wolfgang Stückemann, Wolfgang Vietze, Wolfgang Wieland, Wolfgang Wirthmann, Zeitung, Zeitungsberichten, Ziel, Zulasten, Zusatzbelastungen, Zuschüssen,
Leserkommentare (4)
  • Kommentar: 4
  • 31.07.2010 08:44
von
Tina Meier

Läuft hier in Deutschland ein Experiment? Durch Angst und Macht der wenigen da oben" das Volk auszubluten um das Geld ins Ausland fließen zu lassen!Die Alkohohsteuer hat vielleicht ein Gutes:man kann seinen Kummer nicht mehr im Kämmerlein ersäufen sonder wacht endlich auf und geht auf die Straße...!

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 3
  • 30.05.2010 13:44
von
Frank Schusterbach

leute leute steuererhöhungen sind nunmal viel einfacher auserdem wird damit den reichen und mächtigen nicht zu sehr auf den schlips getreten und der nichtvorhandene mittelstand weiter ausgebrannt. vielleicht ändert sich einiges wenn der krieg mit dem iran zum weltkrieg eskaliert aber psssst :-)

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 2
  • 30.05.2010 13:16
von
rattly

Haushaltskonsolidierung sollte über Einsparungen und nicht über Steuererhöhungen geschehen. Aber da haltens die Minister mit dem Sprichwort:"Heiliger St. Florian, verschon' mein Haus, zünd' andre an!" Auf dieser Basis konsolidieren sie bis zum St.Nimmerleinstag ohne Erfolg. Außerdem sind Steuererhöhungen ja soooviel einfacher, weil man da nicht lange nachzudenken braucht und - ganz wichtig - eine Krähe hackt einer anderen kein Auge aus. Zu dieser Vetternwirtschaft sagte man früher "Korruption". Schande über Euch!!!

jetzt antwortenKommentar melden
  • Kommentar: 1
  • 30.05.2010 08:19
von
Alexander511

Schickt bloss den Finanzminister Schäuble in die Wüste. Auch er kann nur eins-Steuer raufsetzen, noch mehr Geld dem Bürger aus der Tasche ziehen. Herr Schäuble, fangen Sie endlich an, da zu sparen, wo es dringend nötig ist. Zuerst an allen Gehältern der Minister und Abgeordneten, an allen Pensionen eben dieser Menschen. Sparen Sie an sich selbst und danken Sie ab. Aber vergessen Sie vorher nicht, auf einen hohen Teil Ihrer Pensionsansprüche zu verzichten. Dann haben Sie in meinen Augen endlich mal das getan, was ich seit 20 Jahren bereits gemacht hätte.

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren