Peter Ramsauer «Deutschland muss Maßstäbe setzen»

Peter Ramsauer (CSU) (Foto)
Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sitzt in einem Transrapid. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Antworten gibt Verkehrsminister Peter Ramsauer im news.de-Interview. Auf dem Weltverkehrsforum will der CSU-Politiker über Aschewolke und Hybrid-Antrieb verhandeln. Er hat Forderungen und Ziele.

Herr Minister, in den vergangenen Wochen hat Vulkanasche den Flugverkehr in Europa zum Erliegen gebracht. Was wollen Sie tun, um das in Zukunft zu verhindern?

Ramsauer: Die Herausforderung durch die Vulkanaschewolke und ihre Folgen können wir nur international abgestimmt schultern. Ich habe bei der EU-Verkehrsminister-Sondersitzung am 4. Mai darauf gedrängt, einheitliche Messverfahren zu entwickeln sowie verbindliche technische Grenzwerte festzulegen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Ramsauer: Wir haben zwei Arbeitsgruppen gebildet. Sie beschäftigen sich mit den Themen Messsysteme und Flugzeugtechnik. Auf europäischer Ebene werden nun gemeinsame Standards geschaffen, die im September bei der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation eingebracht werden sollen. Das Weltverkehrsforum in Leipzig bietet nun eine gute Gelegenheit, noch einmal für ein gemeinschaftliches Vorgehen - auch bei den Staaten, die nicht EU-Mitglieder sind - zu werben.

Ford Fusion Hybrid
Bye-bye, Spritschlucker
Bye-bye, Spritschlucker (Foto) Zur Fotostrecke

Das Weltverkehrsforum beginnt heute. Was erwarten Sie - neben Ideen für die Luftfahrt - für Impulse?

Ramsauer: Wir wollen über strategisch wichtige Fragen globaler Verkehrspolitik sprechen. Es wird zum Beispiel nach gemeinsamen Lösungen gesucht, wie das Verkehrssystem der Zukunft effizienter, umweltverträglicher und zuverlässiger werden kann, damit Mobilität auf Dauer für alle bezahlbar bleibt. Wir brauchen Innovationen, um Fortschritt zu ermöglichen - zum Beispiel für die Weiterentwicklung der Elektromobilität, aber auch beim Lärmschutz oder im Öffentlichen Personennahverkehr.

Sie sprachen die Elektromobilität an. Sie könnte viel weiter entwickelt sein, wenn sich alle Parteien einig wären. Wie ist der Stand der Dinge?

Ramsauer: Elektromobilität ist ein technologischer Kraftakt, der nicht über Nacht und nicht von einzelnen Akteuren alleine zu stemmen ist. Wie bei der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, die für uns ein wesentliches Element alternativer Antriebe ist, war es auch bei der Batterietechnologie wichtig, Politik, Industrie und Wissenschaft an einen Tisch zu bekommen. Beim Elektromobilitätsgipfel der Bundesregierung am 3. Mai haben wir erstmals den Schulterschluss mit allen relevanten Partnern geschafft.

Welche Ziele haben Sie auf diesem Gebiet?

Ramsauer: Die deutsche Automobil- und Zulieferindustrie hat immer zukunftsweisende technologische Maßstäbe gesetzt. Das muss jetzt auch für die Elektromobilität mit Batterie und Brennstoffzelle gelten. Auch hier wollen wir zum Leitmarkt werden. In Deutschland soll geforscht und entwickelt werden, hier sollen die Patente liegen, hier sollen die Fahrzeuge produziert und auf die Straße gebracht werden. Damit sichern wir hochwertige und zukunftsfähige Arbeitsplätze. Der Markt für die Elektromobilität befindet sich gegenwärtig in der Entwicklungsphase. Produkte werden erst in einigen Jahren in größeren Stückzahlen verfügbar sein. Ich setze auf gezielte Forschungsförderung sowie auf den Aufbau einer kundenfreundlichen Ladeinfrastruktur für Batterien.

Es gibt mehrere Technologien für Antriebe ohne Benzin. Welchen sehen Sie in der Zukunft vorn?

Ramsauer: Wir verfolgen einen technologieoffenen Ansatz. Denn keine Antriebstechnologie - ob Hybrid-Antrieb, Batterie oder Brennstoffzelle - wird die künftigen Herausforderungen alleine lösen können. Vielmehr können sich die Technologieoptionen ergänzen. Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge sowie 500.000 Brennstoffzellenfahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen. Bund und Industrie investieren in den nächsten Jahren mehr als 2 Milliarden Euro in die Förderung der Elektromobilität mit Batterie und Brennstoffzelle.

Gibt es bereits Erfolge auf diesem Gebiet?

Ramsauer: Ein gutes Beispiel dafür haben wir in Sachsen: In dem vom Bundesverkehrsministerium geförderten Vorhaben «SaxHybrid» in Leipzig und Dresden sollen 20 schnellladefähige Hybridbusse im Linienbetrieb untersucht werden. Diese Busse verfügen über einen Energiespeicher, der im Endausbau des Systems durch Ladepunkte an den Bushaltestellen berührungslos über elektromagnetische Induktion aufgeladen werden soll. Damit muss der Dieselmotor des Busses immer weniger eingesetzt werden. Diese Lösung ist wesentlich preiswerter und flexibler als klassische Oberleitungsbusse. Der Prozess ist nicht nur auf den Straßenverkehr begrenzt, sondern umfasst auch die Schiene, zum Beispiel als Diesel-Hybrid-Traktion.

Das Weltverkehrsforum in Leipzig, das vom 26. bis 28. Mai stattfindet, ist die bedeutendste internationale Plattform zum Austausch von Ideen und Erfahrungen im Verkehrsbereich. Es treffen sich zum dritten Mal Verkehrspolitiker aus 52 Nationen mit hochrangigen Vertretern der Wirtschaft und Wissenschaft.

che/ivb/news.de

Leserkommentare (20) Jetzt Artikel kommentieren
  • Wilhelm Krieger
  • Kommentar 20
  • 26.07.2010 13:38

Deutschland muss Maßstäbe setzen? Das ist Aktionismus und Deutschland wird zur internationalen Spielwiese für unausgegorene Konzepte. Dafür ist Deutschland zu schade! Wir sind nicht umsonst als Volk der Dichter und Denker weltberühmt - aber keine Versuchskaninchen, über die sich die Welt krumm lacht.

Kommentar melden
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 19
  • 27.05.2010 10:17
Antwort auf Kommentar 15

Sehr richtig gesprochen. Bei ständiger Zufuhr wird die Quantität zur Qualität (und umgekehrt). Und exakt kann der "Umschlag" meist nicht bestimmt werden. Gut dass jemand hier "naturwissenschaftlich" argumentiert. Wichtig erscheint bei der pol. Vorgabe auch zu sein, dass erstens, Lithium rasch ausgeht und zweitens, der technische Fortschritt kein politisches Objekt sein kann und darf. Und Letzteres ist wiederum so ein Tatbestand, der die Konservativen zu Überlegungen führen müsste. Denn es gibt keine Politik des techn. Fortschritts oder der Naturkonstanten.

Kommentar melden
  • hpklimbim
  • Kommentar 18
  • 27.05.2010 06:40

Da nichts auf Erden im Überfluss vorhanden ist - vielleicht mit Ausnahme der EU-Vorschriftenhanseln - scheint Handlungsbedarf vorhanden und bekannt. Arbeitsgruppen (=-kreise) hat man nach altbekanntem Strickmuster auch schon kreiiert (oder kreeiert) und in Stellung gebracht. Es scheint also darauf hinaus zu laufen, dass man hier nach altbekanntem Strickmuster nur wieder Leute mit Vitamin B in amtliche Stellungen bringen will, sonst nichts. Kein Wunder also, wenn uns das Ausland den Rang ablaufen wird, während schon seit Wochen ungebremst Rohöl in den Golf von Mexiko fließt. Wirklicher Mangel?

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig