Korea-Konflikt Kriegsgeschrei am Gelben Meer

Der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel droht zu eskalieren: Südkorea kündigte heute an, den Weltsicherheitsrat einzuschalten und vom Recht auf Selbstverteidigung gegen Nordkorea Gebrauch zu machen. Rückendeckung gibt es von der US-Regierung.

Südkorea (Foto)
Südkoreanische Soldaten machen sich Mut. Bild: ap

Des weiteren kündigte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak an, ein Durchfahrverbot für nordkoreanische Handelsschiffe in südkoreanischen Gewässern durchsetzen zu wollen. Die Einfuhr von Sand und anderen Gütern aus Nordkorea werde gestoppt. Lee betonte, dass Südkorea bei weiteren «Provokationen» auch vor scharfen militärischen Reaktionen nicht zurückschrecken werde.

Schüsse gegen Lautsprecher

Falls Südkorea neue Instrumente der «psychologischen Kriegsführung» wie etwa Lautsprecher installiere, werde Nordkorea das Feuer eröffnen und diese zerstören, wurde ein Befehlshaber der nordkoreanischen Volksarmee von den Staatsmedien zitiert. Man werde diese Aktionen als «ernste militärische Provokation» auffassen. Das Verteidigungsministerium in Seoul hatte zuvor angekündigt, die anti-nordkoreanische Propaganda nach sechsjähriger Unterbrechung wieder aufnehmen zu wollen.

Die Spannungen haben sich seit dem Untergang der Korvette «Cheonan» vor knapp zwei Monaten nahe der innerkoreanischen Seegrenze im Gelben Meer massiv verschärft. Südkorea macht Nordkorea für den Untergang am 26. März verantwortlich, bei dem 46 Menschen ums Leben kamen. Dabei stützt sich Seoul auf die Untersuchungen eines internationalen Expertenteams.

«Kritischer Wendepunkt»

Danach ist die «Cheonan» bei einem Torpedoangriff versenkt worden. Nordkorea bestreitet, das Schiff versenkt zu haben und drohte bei Vergeltungsaktionen mit «harten Maßnahmen, bis zum Krieg». Solche Drohungen sind für Nordkorea in Zeiten zunehmender Spannungen mit dem Süden nicht ungewöhnlich. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon machte Nordkorea für die Havarie verantwortlich. Die Beweislage sei «erdrückend und sehr besorgniserregend», erklärte der Südkoreaner.

Lee forderte von Pjöngjang eine Entschuldigung für den Seezwischenfall sowie eine Bestrafung der Verantwortlichen. «Wir haben Nordkoreas Brutalität immer wieder hingenommen», sagte Lee in Anspielung auf verschiedene Anschläge Nordkoreas seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953. Lee nannte unter anderem den Abschuss eines südkoreanischen Passagierflugzeugs im Jahr 1987.

«Aber die Dinge haben sich jetzt geändert.» Südkorea werde keine Provokationen Nordkoreas mehr dulden. Falls die Gewässer Südkoreas, dessen Luftraum oder Territorium verletzt würden, werde das Land sofort von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machen. Die koreanische Halbinsel befinde sich an einem «kritischen Wendepunkt», warnte Lee.

USA warnen vor «Eskalation der Kriegslust»

Die US-Regierung sicherte Südkorea volle Unterstützung zu. Außenministerin Hillary Clinton sagte am Montag in Peking, sie sei in engen Konsultationen mit China und anderen Staaten bezüglich des nächsten Schritts gegenüber Nordkorea. Die USA stufen die Lage auf der koreanischen Halbinsel nach der Versenkung des Militärschiffs «Cheonan» als sehr gefährlich ein. Es werde hart daran gearbeitet, «eine Eskalation der Kriegslust und Provokation» zu verhindern, erklärte Clinton.

Das Weiße Haus forderte in einer in Washington veröffentlichten Erklärung, Nordkorea müsse sich wie von Lee gefordert sofort für den Angriff entschuldigen und die dafür Verantwortlichen bestrafen. Die USA stünden unmissverständlich zur Verteidigung Südkoreas.

Pjöngjang setzte indes seine Kriegsrhetorik fort. Die nordkoreanische Tageszeitung Rodong Sinmun schrieb am Montag, die Anschuldigungen Südkoreas seien eine «nicht tolerierbare, schwere Provokation», gleichbedeutend einer Kriegserklärung.

tfa/cvd/news.de/dpa/ap

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Christian Kraus
  • Kommentar 1
  • 24.07.2010 18:42

Säbelrasseln am Gelben Meer: Die Drohung mit atomaren Waffen der Volksrepublik Korea kann doch nicht von der Weltgemeinschaft hingenommen werden! Es ist seit der Spaltung immer ein Unruheherd der mit zunehmender Technisierung eine ernsthafte Gefahr für den Weltfrieden darstellt u.immer gegenwärtig ist. Die Nadelstiche gegen den fortschrittlichen Bruderstaat im Süden werden -nicht zuletzt wegen der Torpetierung einer Fregatte der Südkoreaner immer dreister! Wie lange soll das noch so weitergehen? Die großen Supermächte sind jetzt gefragt:USA,CHINA u.Russland müssen einen Riegel vorschieben!

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