Afghanistan Führungsnation Deutschland

Afghanistan-Strategie (Foto)
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg empfängt die Verteidigungsminister und Generalstabschefs der Truppensteller für Nordafghanistan. Bild: dpa

Von Michael Fischer
Je näher die Truppen den Taliban kommen, desto gefährlicher wird es: Die Verteidigungsminister der Länder, die im Nordafghanistan Truppen haben, haben daher auf einer Konferenz erstmals gemeinsam ihre weitere Strategie besprochen.

Die Verteidigungsminister der Truppensteller für Nordafghanistan haben in Berlin ihre weitere Strategie abgestimmt. Von dem ersten derartigen Treffen solle «ein Signal der internationalen Geschlossenheit, aber auch der internationalen Entschlossenheit» ausgehen, sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei dem Treffen. Die Sicherheitslage im Norden Afghanistans hat sich in jüngster Zeit deutlich verschärft.

Der Kommandeur der internationalen Schutztruppe Isaf, Stanley McChrystal, sagte in Washington, er gehe von zunehmenden Kämpfen in Afghanistan aus: «Wir werden es mit wachsender Gewalt zu tun haben, wenn unsere Sicherheitskräfte in Gebiete vordringen, die von den Taliban kontrolliert werden.»

Afghanistan-Einsatz
Tödlich und umstritten

Bei einem Bombenanschlag im Süden Afghanistans kamen am Vormittag zwei Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf ums Leben. Afghanische und internationale Truppen töteten bei schweren Gefechten in der südlichen Unruheprovinz Helmand mindestens 18 radikal-islamische Aufständische.

Truppenstärke bis Ende des Jahres verdoppeln

An der Konferenz in Berlin nahmen Vertreter von 16 Truppenstellern sowie der stellvertretende afghanische Verteidigungsminister Sher Karimi und Vertreter der Nato und der Europäischen Union (EU) teil.

Der Bundestag hatte die Obergrenze für das Bundeswehrkontingent erst im Februar auf bis zu 5350 Soldaten erhöht. Auch die USA stocken ihre Kräfte im Norden derzeit deutlich auf. Spekulationen, die Amerikaner wollten das Kommando im Norden übernehmen, werden allerdings sowohl von Deutschland als auch von den USA stets zurückgewiesen. «Deutschland ist sich seiner Rolle als Führungsnation bewusst», sagte Guttenberg bei der Konferenz.

Bis Ende 2010 will die Isaf ihre Truppenstärke in der Region im Vergleich zum Vorjahr auf 12000 Soldaten verdoppelt haben. Mit den zusätzlichen Kräften soll vor allem die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte gestärkt werden. Ab dem Spätsommer will auch die Bundeswehr das Konzept des so genannten «Partnering» - Ausbildung und Unterstützung afghanischer Truppen in der Fläche - umsetzen.

Lagen hat sich verschlechtert

Die Sicherheitslage in Nordafghanistan gilt insgesamt zwar immer noch als vergleichsweise stabil. Vor allem die Provinz Kunduz hat sich allerdings in den vergangenen Jahren zu einer gefährlichen Unruheregion entwickelt. Im April waren bei zwei Angriffen auf die Bundeswehr 7 Soldaten getötet und 13 verletzt worden.

«Wir alle wissen, dass sich die Lage in der Nordregion in den letzten Jahren noch nicht so entwickelt hat, wie wir uns das eigentlich erhofft hätten», sagte Guttenberg. Er verwies darauf, dass auf der Afghanistan-Konferenz in London Anfang des Jahres zukunftsweisende Weichenstellungen vollzogen worden seien. «Es ist an uns, die dort beschlossene Strategie mit Leben zu füllen.» Im Juli soll die nächste internationale Afghanistan-Konferenz in Kabul stattfinden. Guttenberg betonte, dass er dann auch von der afghanischen Regierung «konkrete Schritte, Ergebnisse und glaubhafte Konzepte» erwarte.

hav/news.de/dpa

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