Im Krankenhaus Schäuble mit akutem Erstickungsanfall

Ministerium: Schäuble (Foto)
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist in Brüssel in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Bild: dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist in Brüssel überraschend in ein Krankenhaus gebracht worden. Der Grund könnte eine Medikamentenunverträglichkeit gewesen sein.

Zu Beginn der wichtigen Griechenland-Woche hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble alle Spekulationen über seinen möglicherweise dauerhaft angeschlagenen Gesundheitszustand noch vehement zurückgewiesen. Nun ist er laut Berliner CDU-Kreise mit einem akuten Erstickungsanfall in ein Brüsseler Krankenhaus eingewiesen worden. Innenminister Thomas de Maizière reiste an den EU-Sitz, um die Leitung der Delegation zu übernehmen. «Der steht voll im Film», sagte ein CDU-Fraktionsmitglied.

Vor 15 Monaten hatte de Maizière bereits Rettungspakete mit verhandelt. «Jetzt muss er lediglich von der Kanzlerin gebrieft werden, um auf den aktuellen Stand zu kommen», sagte ein CDU-Mann. Die Kanzlerin selbst ist in den Griechenland-Prozess stärker involviert als in die NRW-Wahl. Den Wahlabend verbringt sie bisher im Kanzleramt.

Schäubles Gesundheitsprobleme sind nicht neu. Nach einer Operation Anfang des Jahres hatte sich der Wundheilungsprozess des querschnittsgelähmten Politikers lange hingezogen, so dass er nicht sitzen, sondern nur liegen konnte. Allerdings war nach seinen Angaben vom Anfang der vergangenen Woche die Genesung so weit abgeschlossen, dass er seine Amtsgeschäfte wieder voll und ganz übernehmen konnte.

«Mein Sitzfleisch ist inzwischen wieder in einer Lage, dass ich notfalls auch Götz von Berlichingen zitieren kann», sagte Schäuble. Er bezeichnete Fragen nach seinem Gesundheitszustand als legitim, stellte aber zugleich die Berichterstattung darüber «manchmal als sich selbst erfüllenden Prozess» dar. Im Zusammenhang damit war auch spekuliert worden, der hessische Ministerpräsident Roland Koch könnte das Amt des Finanzministers übernehmen. Stimmen aus der CDU-Fraktion bezeichnen derweil die Nachfolgedebatte als «unmenschlich».

Erfahrenstes Mitglied des Kabinetts

Schäuble ist nicht nur das älteste, sondern auch das erfahrenste Kabinettsmitglied und gilt als politisches Multitalent. Der 67-jährige Badener ist der einzige Minister, der bereits vor der Wiedervereinigung einer Bundesregierung angehörte. Zwischen 1984 und 1989 war er im Kabinett «für besondere Aufgaben» zuständig und Chef des Bundeskanzleramtes unter Kanzler Helmut Kohl. Im April 1989 - ein halbes Jahr vor dem Mauerfall - wurde Schäuble Innenminister und handelte den Einigungsvertrag mit der DDR aus.

Im Oktober 1990 schien seine Karriere beendet: Ein psychisch kranker Mann feuerte auf einer Wahlkampfveranstaltung im badischen Oppenau drei Schüsse auf ihn ab. Seitdem sitzt der CDU-Politiker querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Er ließ sich durch das Attentat aber nicht aus der Bahn werfen, ebenso wenig wie durch ein tiefes Zerwürfnis mit Kohl. 1991 wurde er Chef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und im November 1998 zum Nachfolger Kohls als Parteichef gewählt. Weniger als ein Jahr später überrollte ihn die CDU-Spendenaffäre, und er musste seine Posten als Fraktions- und Parteichef räumen.

Auch politische Rückschläge verkraftet

Aber auch von diesem Rückschlag erholte sich Schäuble schnell. 2002 holte ihn CSU-Chef Edmund Stoiber in sein Wahlkampfteam. CDU-Chefin Angela Merkel machte ihn 2005 zum Innenminister. Schäuble führte die harte Linie seines SPD-Vorgängers Otto Schily in der Sicherheitspolitik fort und lotete immer wieder die Grenzen des Rechtsstaats aus.

Zu den ganz hohen politischen Würden gelangte er nicht mehr: 2004 war er als Kandidat für das Bundespräsidentenamt im Gespräch - nominiert wurde nach einer quälenden Debatte Horst Köhler.

Als Mann für alle Fälle blieb Schäuble aber weiter für neue Herausforderungen im Gespräch: Vor der Wahl wurde er als deutscher EU-Kommissar in Brüssel gehandelt.

Seine Berufung ins zweite Kabinett Merkel im Herbst vergangenen Jahres war die größte Überraschung der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP. Karl-Theodor zu Guttenberg, Thomas de Maizière, Hermann Otto Solms - sie alle waren für den Posten gehandelt worden. Mit Schäuble hatte dagegen niemand gerechnet.

hav/bjm/jek/cvd/news.de/ap

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kenilej
  • Kommentar 1
  • 09.05.2010 23:27

Möglicher Weise erstickt Schäuble an der Wahrheit. Manchmal frag' ich mich, hatte das Attentat damals einen nicht vielleicht einen nachgelagerten Sinn ?

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig