Wahlabend im TV Dauerflimmern in Düsseldorf

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (Foto)
Rot-grüne Begegngun bei der ARD: Hannelore Kraft und Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiter Torben Waleczek
NRW-Wahl auf allen Kanälen: Rot-Grün zittert um die Mehrheit, Rücktrittsgerüchte um Jürgen Rüttgers und FDP-Bashing, dass es kracht - Protokoll eines Fernsehabends.

17.30 Für die ARD meldet sich Frank Plasberg aus dem Düsseldorfer Landtag, verspricht einen spannenden und langen Wahlabend. Im ZDF gibt Theo Koll neuerdings den Zahlenjongleur, der die Wartezeit bis zur Prognose mit Umfragen überbrückt. Stimmungstenor: Rot-Grün liegt vor Schwarz-Gelb, SPD-Kandidatin Hannelore Kraft vor CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.

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Munteres FDP-Bashing schon vor der 18-Uhr-Prognose. Im ZDF orakelt der unvermeidliche Focus-Chefredakteur Helmut Markwort über eine Bestrafung für Guido Westerwelle: «Noch nie hatten wir einen Außenminister mit einem so schlechten Image.» Der WDR rekapituliert das liberale Sündenregister: verstolperter Regierungsstart, Mövenpick-Spenden, Dienstreisen mit Freunden und Geschäftspartnern. Bei Phoenix wird spekuliert, ob Westerwelle im Fall einer Wahlschlappe den Parteivorsitz aufgeben muss. Freitag-Herausgeber Jakob Augstein: «Westerwelle hat alles für seine eigene Demontage getan, was man nur tun kann.»

Der Wahltag in NRW
Roter Jubel, schwarzes Entsetzen
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Alle Sender schalten zu den Wahlpartys der Parteien. Die Grünen feiern mit Sambatrommeln am Rhein-Ufer, die FDP-Leute kippen Schwarzbier in einer Düsseldorfer Innenstadtkneipe. Die Linken haben sich in einer Jugendherberge versammelt, Steaks und Würstchen vom Grill.

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Um 18 Uhr die Prognosen. Bei der CDU schießt der schwarze Balken bis an den unteren Bildrand - brutale Klatsche für Jürgen Rüttgers, Sechskommairgendwas für die FDP. Die ZDF-Demoskopen sehen eine hauchdünne Mehrheit für Rot-Grün, bei der ARD reicht es dafür (noch) nicht.

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Kurz nach der Prognose quält sich FDP-Chef Westerwelle vor die Presse, hinter ihm Rösler, Niebel und Homburger in Trauerpose. Westerwelle redet von Vertrauen, das man nun zurückgewinnen müsse. Das Wahlergebnis sei auch als Warnschuss für die Bundesregierung zu verstehen. Jürgen Rüttgers spricht in seinem ersten Statement von einem «bitteren Abend», NRW brauche jetzt aber eine «stabile Regierung» - eine Formel, mit der die CDU an diesem Abend offenbar die Option einer Großen Koalition aufrecht erhalten will. Jubelstimmung dagegen im Willy-Brandt-Haus. Hannelore Kraft strahlt und ruft: «Die SPD ist wieder da!» Im ZDF beschwört Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die «Wiedergeburt der SPD».

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18.53 In der ARD gibt es jetzt Lotto mit Frank Elstner, danach Lindenstraße. Umschalten auf N24: Hajo Schumacher und Michel Friedmann sind analytisch schon bei der Bundespolitik angelangt, klagen über das FDP-Personal in Berlin und sehnen sich zurück nach den SPD-Ministern Steinbrück, Steinmeier, Gabriel.

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19.30 Berliner Runde im ZDF. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles setzt trotz denkbar knapper Hochrechnungen eisern auf Rot-Grün, kein Wort zu einer möglichen Koalition mit den Linken. Deren Realo-Geschäftsführer Dietmar Bartsch wird da offensiver: «Die Linke in Nordrhein-Westfalen ist selbstverständlich regierungsfähig.» Bei der Wahlparty der Linken wird die Internationale gesungen.

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Erster Satz in der Tagesschau: «In Nordrhein-Westfalen ist Schwarz-Gelb abgewählt.» Auch in der ARD-Hochrechnung reicht es jetzt für Rot-Grün. Und Rüttgers? Hat angeblich seinen Rücktritt angeboten, vom CDU-Landesvorstand aber Rückendeckung bekommen. Ulrich Deppendorf kommentiert mit Blick auf die Berliner Koalition: «Kein guter Tag für die Bundesregierung.»

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Biernotstand bei der Grünen-Party in Berlin.

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Die x-te Kandidaten-Plauderrunde an diesem Abend, diesmal im WDR. Die Moderatorin bekommt einen Zettel gereicht und liest vor: Nach den neuen Hochrechnungen gibt es keine Mehrheit mehr für Rot-Grün. Hannelore Kraft entgleist kurz die Mimik, dann lächelt sie wieder.

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21.43 Bei der Tagesthemen-Extrausgabe ist wieder völlig offen, wer NRW in Zukunft regiert. Tom Buhrow hätte gern Jürgen Rüttgers befragt, aber der wollte nicht. Im ZDF spricht Marietta Slomka mit Hannelore Kraft, fragt nach einer Koalition mit den Linken. Kraft weicht aus.

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Anne Will piesackt ihre Gäste mit der Schuldfrage: Welchen Anteil haben Merkel und Westerwelle am schwarz-gelben Debakel in NRW? Julia Klöckner von der CDU und FDP-General Christian Lindner reden von kollektiver Verantwortung, nehmen ihre Vorgesetzten nach Kräften in Schutz.

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Ein Blick zu Phoenix um 22.40: Im Willy-Brandt-Haus kehren die Putzfrauen, die Strategen tagen hinter verschlossenen Türen. Das Rennen bleibt offen.

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Beim WDR werden die Ergebnisse in den Wahlkreisen vorgestellt. Um 23 Uhr ist hier Feierabend.

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23.04 Nochmal Tom Buhrow: «Dieser Abend ist nichts für schwache Nerven.» CDU und SPD liegen jetzt exakt gleich auf.

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23.35 Phoenix wiederholt die Berliner Runde der Generalsekretäre. Zeit zum Abschalten.

hav/news.de

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