Drei Tote bei Protesten in Athen
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Der Massenprotest gegen den Sparkurs in Griechenland gerät zunehmend außer Kontrolle. Bei einem Brandanschlag auf eine Bank starben drei Menschen. Demonstranten werfen Molotow-Cocktails auf Polizisten.
Blutige Eskalation der Proteste in Griechenland: Bei einem Brandanschlag im Zentrum der griechischen Hauptstadt Athen sind drei Menschen ums Leben gekommen. Das gaben Polizei- und Feuerwehrsprecher bekannt.
Demnach starben sie in einer Bank, die von vermummten Randalierern mit Molotowcocktails in Brand gesetzt worden war. Bei den Toten handelt es sich nach ersten Angaben um zwei Frauen und einen Mann. Sie waren in der brennenden Filiale der Marfin-Egnatia-Bank am Omonia-Platz von den Flammen eingeschlossen worden
Zuvor hatten mehr als 100.000 Menschen allein in Athen gegen das massive Sparprogramm der Regierung demonstriert. Hunderte Autonome und wütende Demonstranten versuchten dabei, das Parlamentsgebäude zu stürmen. Es flogen dutzendweise Brandflaschen. Neben der Bank stand auch eine Finanzbehörde in Flammen. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Menschen flohen panikartig aus dem Zentrum. Immer wieder waren Explosionen von Tränengasgranaten zu hören.
Die Gewerkschaften sprachen sogar von mehr als 200.000 Demonstranten in Athen. Nach Angaben von politischen Beobachtern war es eine der größten Demonstrationen der vergangenen 20 Jahre. Auch in Thessaloniki und anderen Städten des Landes gingen tausende Menschen auf die Straße. Dort kam es ebenfalls zu Ausschreitungen.
Die Proteste richten sich auch gegen Deutschland
«Sie sind wie Raubvögel», sagte ein 76-jähriger Demonstrant, der mit einer Rente von 345 Euro auskommen muss. «Die Deutschen nehmen Kredite für drei Prozent auf und nehmen von uns fünf Prozent. Warum?» Der Protest der Rentner richtet sich insbesondere gegen die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Kürzungen der Pensionen im öffentlichen Dienst. Daneben protestieren die Gewerkschaften gegen staatliche Sparmaßnahmen, die nach ihrer Ansicht vor allem die kleinen Leute treffen. «Das Land kann nicht ohne Kampf kapitulieren», sagte der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbands GSEE, Yiannis Panagopoulos.
Der 24-stündige Generalstreik legte den öffentlichen Verkehr lahm. Alle Flüge wurden gestrichen, Züge und Fähren stellten ihren Betrieb ein. Auch Schulen, Krankenhäuser, Finanzämter und selbst die Akropolis blieben geschlossen. Journalisten schlossen sich dem Ausstand an, Sendungen in Rundfunk und Fernsehen wurden eingestellt.
Opposition will gegen Sparpaket stimmen
Die Staaten der Euro-Zone und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben ihre gemeinsamen Beistandskredite über 110 Milliarden Euro mit der Bedingung weiterer Sparmaßnahmen in Griechenland verknüpft. Die Gewerkschaften räumen zwar ein, dass Ausgabenkürzungen nötig seien. Sie fordern aber, dass die Maßnahmen sozial ausgewogen sein müssten. «Es gibt andere Dinge, die die Regierung tun kann, bevor sie von einem Rentner Geld nimmt, der 500 Euro im Monat bekommt», sagte Spyros Papaspyros, Vorsitzender der Gewerkschaft ADEDY, die Beschäftigte im öffentlichen Dienst vertritt.
IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn äußerte Verständnis für die Proteste in Griechenland. Aber ohne die angekündigten Sparmaßnahmen würde die Lage noch schwieriger werden, sagte Strauss-Kahn der französischen Zeitung Le Parisien. Besorgt äußerte er sich, dass die Krise auf andere Länder übergreifen könnte. Der Kurs des Euro sank am Mittwoch erstmals seit mehr als einem Jahr auf weniger als 1,30 Dollar.
Das Parlament in Athen stimmt am Donnerstag über das am Sonntag vorgestellte Sparpaket der Regierung ab. Die sozialistische PASOK von Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat eine Mehrheit von 160 der 300 Sitze, die Annahme des Gesetzes gilt daher als gesichert. Papandreous Vorhaben, auch die Opposition zur Zustimmung zu bewegen, dürfte allerdings scheitern. Oppositionsführer Antonis Samaras kündigte am späten Dienstagabend an, seine konservative Nea Dimokratia (ND) werde gegen das Gesetz stimmen.
mat/che/reu/news.de/ap/dpa
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