Mai-Krawalle Ziehen mehr Frauen ins Gefecht?

Demo (Foto)
Gewalt ist männlich dominiert, trotzdem mischen Frauen immer kräftiger mit bei den Mai-Randalen in Berlin. Bild: dpa

Von den news.de-Redakteuren Björn Menzel und Jens Kiffmeier, Berlin
Gewalt ist männlich - das ist unstrittig. Doch trotz zunehmender Brutalität mischen auch viele Frauen bei den Mai-Krawallen mit. Inwieweit ihr Anteil steigt, ist aber noch nicht ganz klar.

Erst die Provokation, dann die Schlägerei: Die Bilder, die die Polizeikamera im Mai 2009 in Berlin-Kreuzberg eingefangen hat, erinnern an einen Bürgerkrieg. Einsatzkräfte und schwarz vermummte Autonome stehen sich gegenüber. Plötzlich fliegen Steine, Flaschen, dann ein kurzer Blitz und ein aufflammender Feuerschweif. Eine Feuerwerksrakete zischt quer über die Straße mitten in die Gruppe der Polizisten hinein. Per Funk kommt der Einsatzbefehl, die Beamten stürmen in den Menschenpulk. Es sind nicht nur Männer, die sich nun eine erbitterte Straßenschlacht liefern. Auch Frauen sollen immer kräftiger in dem alljährlichen Getümmel mitmischen.

1. Mai
Demos, Hexen & Krawalle
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Es sind weniger die nackten Zahlen, die die Experten schocken. Es ist die zunehmende Brutalität. Längst sind die Berliner Mai-Krawalle zu einem Ritual in der gewaltbereiten linksextremistischen Szene geworden. Auch in diesem Jahr rechnet der Verfassungsschutz mit einer massiven Eskalation. Dass auch Frauen vor der Randale immer weniger zurückschrecken, steht zumindest für Behördenvertreter außer Frage.

Bereits im Dezember sagte der Leiter des dänischen Verfassungsschutzes, Jacob Scharf, vor Beginn des Kopenhagener Klimagipfels: «Es macht überhaupt keinen Unterschied. In der linksextremistischen Szene werden Frauen genauso wie die Männer immer gewaltbereiter.» Ähnlich äußerten sich damals die Vertreter der deutschen Behörden bei dem in Berlin einberaumten Symposium.

Im Vergleich: Mehr linke Gewalttaten

Insgesamt hat das Gewaltpotential in der Szene zugenommen. Laut Verfassungsschutz stieg die Anzahl der gewaltbereiten Linksextremisten zwischen 2004 und 2009 von 5500 auf 6300. Nach wie vor wird die Gewalt laut einer Untersuchung der Berliner Verfassungsschutzbehörde zu 81 Prozent von Männern dominiert. Frauen hingegen machen nur einen Anteil von 19 Prozent aus. Aber: Auffällig ist, dass im Vergleich zu anderen Straftaten der Frauenanteil bei linken Gewalttaten «deutlich über dem Durchschnittswert» liegt, wie es in dem Bericht heißt. So stellen Frauen bei allgemeinkriminellen, nicht politisch motivierten Straftaten oftmals nur einen Anteil von zehn Prozent.

Angesichts der allgemein verzeichneten Gewaltzunahme gehen die Sicherheitsbehörden intern davon aus, dass auch das weibliche Aggressionspotential in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Doch genaue Untersuchungen des Phänomens stehen noch aus. Mehr als die Berliner Stichprobe liegt derzeit nicht vor. Man könne aber davon ausgehen, dass die Tendenz steige, heißt es aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz auf news.de-Nachfrage. «Letztendlich ist es aber aus unserer Sicht unerheblich, ob das Delikt von einem Mann oder einer Frau begangen wurde. Straftat ist Straftat», sagt der Sprecher.

Mit Pfefferspray und Hunden gegen Demonstrantinnen

Für die Gegenseite ist das alles eher Panikmache. So ist von Demonstrantinnen selbst zu hören, dass die Gewaltbereitschaft definitiv nicht zugenommen hat. «Ich war bereits bei sehr vielen Demos dabei, habe aber sehr selten gewalttätige Frauen erlebt», sagt eine Insiderin aus dem linken Spektrum im Gespräch mit news.de. Die Studentin ist eine erfahrene Demonstrantin. Sie hat bereits an zahlreichen Bildungsdemos und solchen mit antifaschistischem Hintergrund teilgenommen und plant auch, am kommenden Samstag nach Berlin zu reisen. «Ich gehe auf die Straße, weil ich gegen Rechts bin und das auch zeigen möchte», sagt die 26-Jährige. Mit dem Vorsatz auf Prügeleien gingen die wenigsten los. «Gewalt gegen Menschen geht gar nicht», sagt sie.

Dennoch laufen Demonstrationen und Kundgebungen nicht mehr genauso ab, wie noch vor einigen Jahren. Besonders auf Seiten der Polizei scheint sich einiges geändert zu haben. Zumindest in der Wahrnehmung der Demo-Teilnehmer. «Es sind viel mehr Polizisten präsent», sagt eine Demonstrantin. Die Polizei würde viel öfter und schneller zum Pfefferspray greifen. Außerdem seien oft Hunde dabei, die keine Maulkörbe tragen.

«Das macht die Situation aggressiver, als sie eigentlich ist», sagt sie. Ob mehr linke Frauen deshalb Gewalt ausüben, könne sie nicht sagen. Zu gezielten gewalttätigen Zusammentreffen würden sie sich jedenfalls nicht verabreden. «Ich weiß nur», sagt die Insiderin, «dass mehr Leute festgenommen und angezeigt werden.»

/ivb/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • PCNO
  • Kommentar 2
  • 29.04.2010 19:29

Ich zitiere aus der Netiquette: "Kommentare, die andere etwa wegen ihres Geschlechts, ... diskriminieren oder die Beleidigungen enthalten, werden gelöscht. Nicht zulässig sind weiterhin propagandistische, sexistische oder rassistische Äußerungen". Ist womöglich die Überschrift gegen die Netiquette ? Dass Gewalt (nur) männlich ist, ist zwar unstrittig in politisch korrekten Kreisen, aber bestenfalls eine Lebenslüge des deutschen Feminismus.C

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  • Porfi
  • Kommentar 1
  • 29.04.2010 16:36

Bader-Meinhoff war nicht mehr zu verkaufen, dann kam Rechts bis es unglaublich wurde, jetzt kommt Links - was kommt danach? Irgendetwas bestimmt sonst haben bestimmte Kreise keine Arbeit mehr! Und die Presse spielt mit bei der Meinungsmache.

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