Aussteiger rechnen ab Ein bisschen mehr Basta-Politik, bitte!

Wolfgang Clement (Foto)
Wolfgang Clement (SPD), ehemaliger Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit sowie ehemaliger Landesvater in NRW. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Berlin
Friedrich Merz und Wolfgang Clement sind auf Tour: Die beiden Politikaussteiger finden ihre Ex-Kollegen nur noch feige, bemängeln fehlende Führungskraft - und sehnen sich nach Kanzler Schröder.

Es ist nur ein Wort. Eigentlich darf man es nicht mehr in den Mund nehmen. Denn es ist verpönt - selbst Wolfgang Clement, eher als Mann der klaren Sprache bekannt, gerät dabei ins Stottern. «Ich sage nicht, dass wir mehr Basta-Politik brauchen», setzt der ehemalige SPD-Wirtschaftsminister an, stockt und fügt nach einer Sekunde des Nachdenkens an: «Aber, doch, ja, genau das brauchen wir.» Man könne ja sagen, was man wolle. «Doch so jemand wie Kanzler Schröder, der hat zumindest für seine Überzeugung gekämpft. Trotz aller Widerstände.»

Fehlende Führungskraft - das ist für Wolfgang Clement und seinen neuen Freund Friedrich Merz das Grundübel in Deutschland. Zusammen haben die beiden Ex-Spitzenpolitiker darüber ein Buch verfasst. Titel: Was jetzt zu tun ist - Deutschland 2.0. Auf 199 Seiten analysieren sie darin nicht nur die Krisensituation in Deutschland, sondern rechnen auch mit ihren ehemaligen Kollegen ab.

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Hohe Staatsverschuldung, marodes Gesundheitssystem, desolate Bildungssituation - für Clement und Merz steht außer Frage: In diesen Bereichen braucht das Land den ganz großen Wurf. Und zwar sofort. «Die Zeit des Philosophierens ist vorbei», warnt Clement bei der Buchvorstellung in Berlin. Das Problem sei aber leider, dass keine der in Deutschland vertretenen Parteien allzu große Tatkraft beweise. «Im Moment wird immer nur aus dem Moment heraus entschieden.»

Plötzlich sind sich beide ganz nah

Es ist schon ein kleiner Paukenschlag, mit dem sich die beiden Politiker jetzt auf der politischen Bühne zurückmelden. Einst standen sie sich in verfeindeten Lagern gegenüber. Wolfgang Clement kämpfte als Ministerpräsident und Bundesminister für die SPD, Friedrich Merz als Fraktionsvorsitzender für die CDU. Doch jetzt sind sich beide plötzlich ganz nah. Das könnte auch daran liegen, dass sie neben der gleichen Überzeugung auch noch eine andere Tatsache eint: Beide sind im Streit mit ihrer eigenen Partei aus der aktiven Politik ausgestiegen. Wolfgang Clement gab sogar sein Parteibuch zurück.

Auch deshalb schien die Buchpräsentation bereits im Vorfeld den Glanz einer großen Abrechnung zu bekommen. Die beiden Autoren wissen darum, zeigen aber wenig Lust, diesen Eindruck zu verwischen. Im Gegenteil. So wie sie früher in ihren Parteien unumstritten für einen klaren Kurs eintraten, so nehmen sie auch jetzt kein Blatt vor den Mund. Merz wettert gegen die Profillosigkeit der Union in den Wahlkämpfen und Clement gibt zu erkennen, dass er nicht seine alte Partei, sondern mittlerweile lieber der FDP die Daumen drückt. Das sei in seinen Augen noch die einzige Partei, die irgendwie nach «vorne geht», lässt er seine Zuhörer wissen.

Für die beiden Aussteiger scheint der Auftritt in der Hauptstadt ein Heimspiel. Zumindest haben sie noch viele Fans. Alle Plätze sind in der Buchhandlung besetzt, nicht nur mit Journalisten. Auch viele Berliner haben sich auf den Weg gemacht, um mit den Ex-Politikern zu diskutieren. Fast jede Wortmeldung beginnt dabei mit dem Satz: «Ich habe sie beide immer bewundert.» Nur ein Gast traut sich auch eine kritische Nachfrage zu. Viele der beschriebenen Probleme seien so neu auch nicht. «Was haben sie eigentlich gemacht, als sie noch in politischer Verantwortung waren?», will er wissen. «Haben sie geführt? Oder haben sie gepennt?»

Eigene Fehler Fehlanzeige?

Wolfgang Clement nimmt als erster den Fehdehandschuh auf. Eigene Fehler? «Da muss ich aber lange suchen», sagt er. Es ist als Scherz gemeint. Nein, nein, schiebt er dann nach. Rückblickend müsse er sich ankreiden lassen, zu spät die wahren Probleme auf dem Bildungsmarkt erkannt zu haben, gesteht er - um dann sofort den Blick wieder ins Hier und Jetzt zu lenken. Den Fehler hätten aber alle gemacht. «Und bis heute ist da gar nichts passiert.»

Clement und Merz scheinen sich in der Rolle des kritischen Mahners zu gefallen. Zumindest zeigen sie wenig Ehrgeiz, sich noch einmal in die politische Verantwortung zu drängen. In seinem Alter sei das Kapitel definitiv beendet, sagt Clement. Und Friedrich Merz? Der will ein Comeback zwar nicht für alle Zeit ausschließen, aber im Moment sieht er keinen Grund. Lieber melde er sich mal von Zeit zu Zeit - aber nur dann, wenn sich ein Thema wirklich aufdränge. «Ich habe mich in den vergangenen Monaten immer bemüht», stellt er klar, «nicht den Oskar Lafontaine von der anderen Seite zu spielen.»

hav/ivb/news.de

Leserkommentare (13) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 13
  • 30.04.2010 10:51
Antwort auf Kommentar 11

Warten wir mal ab, ob die Freiheitsfeinde und Sozialschmarotzer weiter die Demokratie manipulieren können. RAGNAROEKR wird der Schmutz- und Schmierenkampagne, wie Ole und leider auch andere bevorzugen, ein neues Bürgerbild entgegen stellen, das die Wahlverlierer 2009 für ewig in Niederungen der Opposition verbannt. Der Schwachsinn, Merkels Frisur missfällt oder Westerwelle ist..?, als linke Politik zu verkaufen, wird euch im Halse stecken bleiben. Wir werden den Sozialistenhaufen treiben und zu Sachaussagen zwingen und die Linke nicht über die persönliche Diffamierung aus der Politik entlassen

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  • XAR61
  • Kommentar 12
  • 29.04.2010 17:23

In meinen Augen war und ist die SPD genau wie das Wetter, wenn der Wind in eine andere Richtung pfeift dreht sich eben auch die politische Richtung. CDU sag ich´s oder sag ich es besser nicht - christlich ist sie längst nicht mehr, und das sie nun auch keine Volkspartei mehr sein möchte hatte man ja auch schon vor zwei Jahren bekannt gegeben ... , und was die Gidopartei betrifft - liberal steht nicht für einseitig und sollte auch nicht für Geschenke stehen.

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  • Ole
  • Kommentar 11
  • 29.04.2010 14:11

Die "geistige Zwangsjacke der fdp",das "ragna-röckchen"hat doch den dritten im Bunde,den"Ministranten für das Äußerste"und "the million Dollar wo-man"Quido Westerwelle vergessen. Der wird nach der Wahl in NRW von der politischen Bildfläche verschwinden und auch so ein "Pöstchen" bei einem "Stromer" bekommen. Bei "rent a Rüttgers"bin ich mir nicht ganz so sicher. NRW-cdu 36,4 %,NRW-fdp 4,8 %.

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