Kreditwürdigkeit Griechenland auf «Junk» herabgestuft

Aktienkurs fallend (Foto)
Aktienkurs-Anzeiger an der Athener Börse: Um finanzielle Hilfen für Griechenland wird heftig gestritten. Bild: ap

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die griechische Kreditwürdigkeit auf «Junk» herabgestuft. Das Land hat damit nach Einschätzung der Agentur seine Kreditwürdigkeit verloren - der Druck vor den bevorstehenden Krisengesprächen in Berlin wächst.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat am Dienstag die Kreditwürdigkeit des verschuldeten Eurostaates Griechenland auf «Junk» herabgestuft -  Damit steigt der Druck auf das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland noch weiter an. Wie die Ratingagentur in London mitteilte, setzte sie die Kreditwürdigkeit Griechenlands von BB+ auf BBB- herab. Das bedeutet, dass Griechenland nach Einschätzung von Standard & Poor's seine Kreditwürdigkeit verloren hat.

Unterdessen geht das Ringen um die Milliarden-Finanzhilfe für Griechenland in die entscheidende Phase. Die Bundesregierung will am Mittwoch in einem geheimen Abstimmungsgespräch das weitere Vorgehen in der Griechenland-Krise beraten. Zudem sind der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) in Berlin.

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In einer emotionalen Rede rief Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou seine Landsleute zum Zusammenhalt auf: «Griechenland geht durch eine der schwierigsten Phasen seiner Geschichte. Die Beschlüsse, die jetzt gefasst werden müssen, werden von schwerwiegender Bedeutung auch für die kommenden Generationen sein», sagte er in Athen.

Das Finanzministerium in Berlin arbeitet unterdessen mit Hochdruck an einem Gesetzentwurf für die deutsche Beteiligung an den geplanten Milliarden-Hilfen. Am Wochenende will der IWF seine Gespräche über ein dreijähriges hartes Sparprogramm Griechenlands abschließen. Danach bewerten EZB und EU-Kommission die Ergebnisse der IWF-Mission. Es ist zu erwarten, dass Strauss-Kahn in Berlin über den Stand der Mission berichtet. An den Gesprächen von Schäuble mit dem IWF-Chef und Trichet sollen jeweils auch die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen teilnehmen.

Nach Angaben von EU-Währungskommissar Olli Rehn sollen die Verhandlungen in Athen über das Rettungspaket Anfang Mai abgeschlossen werden. Alle Euro-Staaten stünden hinter dem vereinbarten Hilfsplan. Die Euro-Länder wollen im ersten Jahr bis zu 30 Milliarden Euro Kredite geben, der IWF bis zu 15 Milliarden. Athen braucht bis spätestens 19. Mai an die neun Milliarden Euro, um Anleihen zu bedienen.

Die Mehrheit der Deutschen lehnt HIlfen ab

Nach der offiziellen Kabinettssitzung soll es am Mittwoch den Informationen aus Regierungskreisen zufolge ein Treffen unter Leitung Merkels geben. Teilnehmer des Gesprächs seien unter anderem Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle, Schäuble und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Die Bundesregierung steht bei ihren Entscheidungen unter dem Eindruck, dass eine Mehrheit der Deutschen eine finanzielle Unterstützung Griechenlands ablehnt. Westerwelle forderte Athen erneut auf zu zeigen, «dass es nachhaltig eine Konsolidierungspolitik betreibt».

Unterstützung bekam Deutschland für sein hartes Drängen auf griechische Reformen von Österreich. Finanzminister Josef Pröll sagte der Nachrichtenagentur APA: «Es wird keinen Euro aus Österreich geben, solange die gesamte europäische Hilfe für Griechenland nicht steht und Griechenland nicht auf Punkt und Beistrich die Vorgaben des Währungsfonds und der Europäer erfüllt.»

Der Euro leidet nicht wie erwartet

Das europäischen Ringen um die Griechenlandhilfe wirkt sich bisher nicht so negativ auf den Euro aus wie befürchtet. Der Kurs des Euro pendelte sich am Dienstag unter der Marke von 1,34 US-Dollar ein. Die Gemeinschaftswährung kostete am Morgen nur etwas weniger als im späten Handel am Montag. Die politische Debatte vom Montag hatte den Euro zunächst belastet.

Der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach schlug eine internationale Gläubigerkonferenz zur Bewältigung der griechischen Finanzprobleme unter Einschluss der Finanzbranche vor. So könnten auch die Gläubigerbanken mit an den Tisch gebracht werden, um auf der Basis von Umschuldungen, Laufzeitverlängerungen und Forderungsverzichten ein langfristig tragfähiges Konzept zu erarbeiten. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte Merkel im Hamburger Abendblatt auf, die Bankenvorstände zum Rapport ins Kanzleramt vorzuladen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verlangt inzwischen eine Sondersitzung des Bundestages über die Finanzhilfen. In der Passauer Neuen Presse warnte er die Regierung davor, einen Gesetzentwurf durch das Parlament zu peitschen. «Innerhalb von drei Tagen wird das nicht gehen, wie die Regierung meint», sagte er. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) kritisierte die Haltung der SPD und warf ihr Heuchelei vor. Aber auch der finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Volker Wissing, nannte es «unerlässlich», dass sich der Bundestag ausführlich mit den Hilfen beschäftigt.

che/news.de/dpa/ap

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