Angie goes to Hollywood
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Von Kristina Dunz
Artikel vom 14.04.2010
Auch eine Kanzlerin darf einmal in eine Traum- und Glitzerwelt reisen. Weit weg von zäher Innenpolitik mit Dauerstreit in der eigenen Koalition und entrückt von Krisen dieser Erde wie Nahost-Konflikt und Klimawandel. Stattdessen großes Kino mit Stars wie Bruce Willis.
So viel Lob hört die Kanzlerin selten. Hier an der Westküste, Tausende Kilometer und mehrere Zeitzonen von Deutschland entfernt wird die CDU-Vorsitzende überaus freundlich empfangen. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger holte Merkel persönlich vom Flughafen um 21.30 Uhr Ortszeit ab. Da war es in Deutschland 6.30 Uhr - und Mittwoch. Seit ihrem Abflug aus Berlin am Montagmittag ist sie mit einem Zwischenstopp in Washington zum Atomgipfel bis dahin 40 Stunden unterwegs gewesen, an Schlaf war für sie kaum zu denken und wohl erst recht nicht ans Träumen.
Denn trotz aller guter Gespräche und - unverbindlicher - Vereinbarungen hatte der Gipfel zur Atomsicherheit in Washington mit fast 50 Regierungsvertretern dem Sprichwort alle Ehre gemacht, dass der Fortschritt eine Schnecke ist.
Mit Schwarzenegger traf sich Merkel dann zum Frühstück im feinen Stadtteil Beverly Hills. Der früherer Terminator-Schauspieler lobte Merkel über den Klee: Note eins für ihre Wirtschaftspolitik, ihren Einsatz für den Klimaschutz und Menschenrechte und ihre Führungsstärke in Deutschland. Merkel sei die mächtigste Frau der Welt. Das sieht auch das US-Wirtschaftsmagazin Forbes so. Wie ernst der gebürtige Österreicher allerdings diesen Satz meinte, blieb offen: «Die Deutschen sind immer die Größten in der Welt».
Merkel lächelte in die Kameras, versuchte aber nüchtern den Schwerpunkt ihres Besuches auf die Wirtschaftsinteressen zu legen. Sie verwies auf den Stellenwert Deutschlands als Handelspartner für Kalifornien und darauf, dass Schwarzeneggers Staat die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt sei. Dass er im vorigen Jahr wegen Milliardenlöchern im Haushalt den finanziellen Notstand ausrief, erwähnte sie nicht.
Doch um die Wirtschaftspolitik kreiste am Mittwoch dann wenig. Viel interessanter war für viele das Zusammentreffen der Kanzlerin mit Weltstars wie Bruce Willis und Nicole Kidman, die sie später noch treffen sollte. Auch das Model Heidi Klum, der Unterhaltungskünstler Thomas Gottschalk und Filmproduzent Bernd Eichinger wurden als Gäste bei einem Essen angekündigt, bevor sich Merkel die Filmstudios von Warner Bros. ansehen wollte.
Einen anderen Star hatte Merkel wenige Stunden zuvor persönlich getroffen: US-Präsident Barack Obama. Beim Atomsicherheitsgipfel in Washington ging es für Merkel auch um den Klimaschutz, Nahost- Konflikt und das umstrittene Atomprogramm des Irans.
Zunächst hatte sie nach etlichen Anläufen und langwierigem Hin und Her auf eine baldige Klärung mit China gehofft, dass der Weltsicherheitsrat noch im April Sanktionen gegen den Iran beschließen würde, schraubte sie die Erwartungen wenig später wieder herunter. Die Entwicklung sei positiv, sagte sie und fügte an, «wenngleich sie langsam verläuft.»
In Hinterzimmern sprach Merkel sowohl mit Chinas Staatschef Hu Jintao - 40 Minuten - als auch mit Obama - 45 Minuten -, wie das Protokoll auswies. Wie unterschiedlich die Beziehungen sind, zeigte auch die Gesprächsatmosphäre. Merkel und Hu saßen sich getrennt durch einen großen Tisch gegenüber. Der Ton war förmlich.
Beim Treffen mit Obama fehlte der Tisch. Die kleinen, hochkarätigen Abordnungen saßen sich lockerer gegenüber, Merkel und Obama nebeneinander. Wie gut das deutsch-amerikanische Verhältnis aber wirklich ist, kann man davon schwer ablesen.
Enttäuschte Erwartungen auf beiden Seiten vor allem über den Klimaschutz und den Afghanistaneinsatz streuten zuletzt Sand ins Getriebe. Ein wichtiges Signal an Obama wäre Merkels Zusage gewesen, Häftlinge aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo nach Deutschland zu holen. Was sie dem Präsidenten dazu gesagt hat, wurde nicht bekannt. Nach allem, wie sich Merkel aber bisher über das Gefängnis geäußert und die Einhaltung der Menschenrechte gefordert hat, wird sie ungeachtet des Streits in ihrer Union darüber die Aufnahme einiger Häftlinge ermöglichen wollen. Nur drängen lässt sie sich nicht.
Im Palmen gesäumten L.A. herrschte dagegen im doppelten Sinne Sonnenschein. Für Merkel bedeutete Hollywood einmal abtauchen in eine andere Welt - wenn auch nur für eine Momentaufnahme.
cvd/news.de/dpa
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