Antisemitismus im Islam «Die Nazis radikalisierten den Judenhass»

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«Juden raus» ist eine Parole, die auch manche muslimische Jugendliche propagieren. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
«Kanaken dissen Juden» schreibt die Zeit und Cem Özdemir warnt vor dem Antisemitismus unter jungen Muslimen. News.de sprach mit Politikwissenschaftler Matthias Küntzel darüber, woher die Judenfeindlichkeit bei Muslimen kommt – und was sie gefährlich macht.

In Berlin gibt es Orte mit einem hohen Anteil muslimischer Bewohner, die No-go-Areas für Juden sind. Stimmt das?

Küntzel: Ich weiß nicht, was Sie unter No-go-Areas verstehen – doch wenn Menschen in bestimmten Stadtteilen mit dem Schlimmsten rechnen, sofern sie sich als Juden zu erkennen geben, ist dies ein Indikator für eine Entwicklung, die uns alle – egal ob jüdisch oder nicht-jüdisch – alarmieren muss. In bestimmten Großstädten ist es in der Tat gefährlicher geworden, wenn Juden in U-Bahnen mit einer Kippa oder dem Davidstern um den Hals unterwegs sind

Woher kommt die Judenfeindlichkeit im Islam?

Küntzel: Die eine Quelle ist der Koran, in dem eine Judenfeindlichkeit angelegt ist. Später wurde das religiöse Stigma, das Juden als verachtenswerte Geschöpfe brandmarkt, durch die Nazis radikalisiert. Die hatten in den 1930er und 1940er Jahren ein großes Interesse daran, die arabische Welt gegen Juden und Zionisten aufzustacheln. Es gab einen Kurzwellensender, der auf arabisch, türkisch und persisch jeden Tag das Goebbels'sche Denken in der islamischen Welt verbreitete. Erst seit dieser Phase verbreitet sich auch in islamischen Gesellschaften die fixe Idee, es gäbe eine jüdische Weltmacht.

Antisemitismus
Schmiereien und Hakenkreuze

Die muslimischen Einwanderer mit ihrem ihrem Verhältnis zu Israel und den Juden treffen in Deutschland auf unsere Erinnerungskultur und unseren Umgang mit dem Holocaust. Ist das ein Problem für die Gesellschaft?

Küntzel: Ich weiß nicht, was sie mit «die muslimischen Einwanderer» meinen. Die meisten Muslime, mit denen ich in meiner täglichen Arbeit zu tun habe, sind hier geboren.

Nichtsdestotrotz haben sie über ihre Eltern und Großeltern doch einen anderen kulturellen Hintergrund was das Verhältnis zu Israel angeht.

Küntzel: Das ist zum Teil eine falsche Annahme. Denn als die Türken hier nach Deutschland kamen spielte Hass auf Juden keine Rolle. Da spielte auch Religion so gut wie keine Rolle, höchstens als private Angelegenheit. Deutschland hatte im Vergleich zu zum Beispiel Frankreich eigentlich Glück, dass die Türken hier die größte Einwanderergruppe waren. Das sind im Gegensatz zu Marokkanern oder Algeriern weitgehend säkularisierte Menschen gewesen: In der Türkei war das Kopftuch verboten.

Hat sich das Verhältnis zur Religion unter den Einwanderern inzwischen geändert?

Küntzel: Die Bedeutung der Religion hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Und damit auch der islamische Antisemitismus, der die religiös motivierte Judenfeindschaft mit dem Antisemitismus westlicher Machart verknüpft. Aber auch da gibt es Unterschiede: Meine Hamburger Klassen bestehen zu 30 bis 60 Prozent aus muslimisch geprägten Schülern. Viele von ihnen haben ein echtes Interesse, über Juden und den Holocaust etwas zu erfahren. Da gibt es manchmal weniger Berührungsängste als bei gebürtigen Deutschen, deren Opa vielleicht an Nazi-Verbrechen beteiligt war.

Und trotzdem schreiben Sie selbst, dass es zunehmende antisemitische Tendenzen in islamischen Gesellschaften gibt.

Küntzel: Die Nazis haben damals mit ihren Radiowellen den europäischen Antisemitismus in die arabische Welt getragen. Heute sind es Medien aus der arabischen Welt, die den Antisemitismus in der Naziform erneut nach Europa zurücktragen. Sender wie Al-Manar oder al-Aqsa, die Fernsehsender der Hisbollah und der Hamas, sind sehr beliebt. Die predigen schon in ihren Kindersendungen Judenhass. Da tritt Micky Maus auf mit der Aufforderung, die Juden zu töten. Wenn die Jugendlichen, Schüler, Familien das alles sehen und hören, dann wird ein unglaublicher Judenhass geschürt. Das sehen wir zum Teil auch hier in den Einwanderergruppen.

Ist die Intensität dieser antisemitischen Propaganda abhängig von der aktuellen Verschärfung des Nahost-Konflikts?

Küntzel: Ja natürlich. Wenn Israel sich gegen die Hamas wehrt, ein Krieg passiert, dann wird das Agieren der israelischen Streitkräfte durch die Brille der antisemitischen Vorprägung gesehen. Wenn einem täglich eingetrichtert wird, dass die Juden die Feinde jeder Religion seien und Allah sie deshalb vernichten möchte, werden Bilder vom Kriegsgeschehen ausschließlich antisemitisch interpretiert.

Wirkt sich das auch hier in Deutschland aus?

Küntzel: Jede Eskalation des Nahost-Konflikts wirkt sich so aus, dass auch hier auf den Straßen mehr antisemitische Parolen zu hören sind. Zum Beispiel, dass Juden Kindermörder seien – eine Assoziation, die mit der judenfeindlichen Ritualmordlegende des Mittelalters in einer unmittelbaren Verbindung steht. Aber der Nahost-Konflikt verursacht nicht grundsätzlich den Antisemitismus. Viel mehr verursacht die antisemitische Propaganda der Hamas oder der iranischen Führung die jeweiligen Zuspitzungen im Nahost-Konflikt.

 

Matthias Küntzel ist Politikwissenschaftler und als Politiklehrer an einer Hamburger Gewerbeschule tätig. Seit 2001 recherchiert und publiziert er hauptsächlich über Antisemitismus, Antisemitismus im Islam, Islamismus und Nationalsozialismus sowie die deutsche und europäische Nahost- und Iranpolitik.

che/news.de

Leserkommentare (83) Jetzt Artikel kommentieren
  • Helga Bodenhagen
  • Kommentar 83
  • 28.04.2010 12:14

Aus meinetwegen können die sich gegenseitig die köppe einhauen,ist mir doch egeal:Die haben beide keine hilfe von mir zu erwarten.

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  • Hermann Huber
  • Kommentar 82
  • 17.04.2010 14:04
Antwort auf Kommentar 81

Josef?Nicht Adolf Huber?Also wenn schon Diffamierung dann nach Unart der Broderhood of Schmonzes aber ordentlich!"Wenn die UN-Hauptversammlung mit 133 zu 4 gegen Israels Entscheidung den gewählten palästinensischen Führer zu ermorden stimmt,bedeutet dies,dass außer den USA, Mikronesien und den Marschallinseln alle anderen Länder rund um den Globus antisemitisch sind",das ist die Wahrheit nach Definition der Zionazis.Keine Halbwahrheit sondern eine Lüge Pirmins ist es allerdings dies auf die "zunehmende intellektuelle Verwahrlosung vieler deutschstämmiger Wirtschaftsverlierer" zu schieben!

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  • Pirmin
  • Kommentar 81
  • 12.04.2010 20:01
Antwort auf Kommentar 78

Was will uns Josef Huber damit sagen? Er nutzt die zunehmende intellektuelle Verwahrlosung vieler deutschstämmiger Wirtschaftsverlierer schamlos aus, sucht wieder Feindbilder und betreibt das Geschäft der pro-Ideoten aus Köln. Folge, eine schockierende Gewaltbereitschaft am rechten Rand und der schleichende Verlust an Hemmschwellen. Zu seinem leidwesen versteht diese Klietel von Ungebildeten werder seine Sprache noch seine schleichede Weise, das süße Gift der Halbwahrheiten unter das Volk zu bringen.

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