Ferngesteuerter Krieg gegen den Terror
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Von Stefan Mentschel
Artikel vom 21.03.2010
Die Gefahr kommt aus der Luft und sorgt für permanente Angst: Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kämpfen US-Spezialisten mit unbemannten Flugzeugen gegen die Taliban. Die Raketen können jederzeit und überall einschlagen.
Regelmäßig wird aus den pakistanischen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan von tödlichen Angriffen mit Drohnen berichtet. Die unbemannten und von US-Spezialisten ferngesteuerten Flugzeuge nehmen dort seit Jahren radikal-islamische Taliban und Angehörige des Terrornetzwerks al-Qaida ins Visier. Meist sterben einfache Kämpfer, auch Zivilisten geraten in die Schusslinie. Zuletzt trafen die Hellfire-Raketen aber häufig ihre eigentlichen Ziele - hochrangige Terrorstrategen. Mitte 2009 kam der gefürchtete pakistanische Taliban-Chef Baitullah Mehsud bei einem solchen Angriff ums Leben. Nun wurde bekannt, dass Anfang März ein wichtiger al-Qaida-Mann getötet worden sein soll.
Für die Amerikaner sind das gute Nachrichten. Nach Ansicht von CIA-Direktor Leon Panetta setzen die 2004 begonnenen Angriffe der Führung von al-Qaida erheblich zu. Die Extremisten würden zunehmend in die Enge getrieben, was ihre Möglichkeiten einschränke, ausgefeilte Attentatspläne zu schmieden, so Panetta in einem Interview mit der Washington Post. Gegenwärtig laufe «die aggressivste Operation, an der sich die CIA in ihrer Geschichte beteiligt hat», was die Aktivitäten von al-Qaida ernsthaft störe.
In Pakistan allerdings sind die Angriffe umstritten. Zum einen sehen viele Bürger darin eine Verletzung der staatlichen Souveränität. Zum anderen stoßen vor allem die zivilen Opfer der Attacken auf massive Kritik. «Jeder hat Angst, denn die Raketen können überall einschlagen», berichtet Khaista Khan, der mit seiner Familie in Miranshah lebt. Noch vor zwei Jahren sei höchstens eine Drohne pro Tag am Himmel über der größten Stadt Nord-Waziristans zu sehen gewesen. «Neulich allerdings habe ich zehn auf einmal gezählt», sagt der 42-Jährige. «Das ist so, als ob Ihnen ständig eine Waffe an den Kopf gehalten wird - bei der Arbeit, beim Essen, beim Spielen mit den Kindern, beim Schlafen. Es ist schwer, damit klar zu kommen.»
Raketen sind besser als Soldaten
In den Taliban-Hochburgen im Nordwesten Pakistans gibt es aber auch Zustimmung. «Drohnenangriffe sind besser als Bodenoffensiven», findet Shin Gul, der ebenfalls in Miranshah lebt. «Wenn Soldaten einrücken, leidet automatisch die Zivilbevölkerung. Es gibt mehr Zerstörung und das tägliche Leben wird völlig auf den Kopf gestellt.» Eine Rakete indes töte gezielt die Extremisten. Der 29-Jährige geht sogar noch einen Schritt weiter: «Die Drohnen vermitteln das Gefühl, dass es jemanden gibt, der etwas gegen diese Leute unternimmt, die im Namen des Islam unschuldige Menschen töten.»
Shin Gul räumt ein, dass es bei den Angriffen auch einige zivile Opfer gegeben hat. Für die Eskalation der Gewalt verantwortlich seien aber die Extremisten. Der Journalist Nasir Dawar, der lange aus Nord-Waziristan berichtet hat, stimmt zu und ergänzt: «Sicher sind bei den Luftangriffen auch Frauen und Kinder ums Leben gekommen. Meist waren das aber Angehörige von Taliban-Kämpfern oder al-Qaida-Leuten.» In einer Studie der konservativen Denkfabrik New America Foundation wurden 120 Angriffe zwischen 2004 und 2010 untersucht. Von den 1262 Toten, so heißt es, seien mehr als zwei Drittel «Militante» gewesen.
Angriffe mit Drohnen häufen sich
Die pakistanische Regierung hält sich bei all dem äußerst bedeckt. Nach offizieller Lesart werden die Drohnenangriffe verurteilt. Inoffiziell allerdings sind Politiker und Militärs genau informiert, was in der Region passiert. Laut New York Times liefert Pakistan sogar die entscheidenden Geheimdienstinformationen. Ein pakistanischer Sicherheitsexperte, der anonym bleiben will, sagt, bei den Angriffen gebe es klare Absprachen. So habe Islamabad grünes Licht für Attacken in den Stammesgebieten gegeben. Die Provinz Baluchistan dagegen werde bislang geschont. In der Region im Westen des Landes, die auch an die afghanischen Provinzen Helmand und Kandahar grenzt, soll sich unter anderem die Taliban-Führung um Mullah Omar versteckt halten.
Ungeachtet der Spekulationen steht fest, dass die Amerikaner die Einsätze erheblich ausgeweitet haben. Nach Angaben der New America Foundation gab es seit Jahresbeginn bereits 24 Angriffe. Im Jahr 2009 waren es insgesamt 53. Vor allem unter CIA-Direktor Panetta ist das Drohnen-Programm zu einem festen Bestandteil des Anti-Terror-Einsatzes geworden. Als er im Herbst eine Verdopplung der Flotte der Flugroboter von 7 auf 14 vorschlug, habe das Weiße Haus den Wunsch schnell gebilligt, berichtete das Wall Street Journal.
klj//hav/news.de/dpa
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