@Wähler: Folgt mir!
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Artikel vom 19.03.2010
Es sind nur 140 Zeichen und im Vergleich zu Fernsehansprachen und Interviews ist Twitter innerhalb der PR-Maschinerie des Weißen Hauses ein kleines Licht. Doch Obama zwitschert geschickt. Auch, um endlich die Gesundheitsreform durchzubringen.
Die Reise ist seit Monaten geplant. Am Nachmittag sollte es für Barack Obama in der Air Force One in Richtung Australien gehen. Doch die Maschine wird nun doch erst am Sonntag abheben. Der Grund? Die gefühlt 50 aktuellen Tweets von Barack Obama verraten es.
«Ich bin hier für Millionen, denen eine Krankenversicherung aufgrund von Vorerkrankungen verwehrt wird, #iamherefor http://j.mp/c-d»
«In diesen letzten Tagen vor einer Abstimmung über die Gesundheitsreform ist jetzt die wichtigste Zeit, um deiner Stimme Gehör zu verschaffen: http://j.mp/crVJ80»
Nicht nur Barack Obama twittert, was das Zeug hält. Auch das Weiße Haus hat einen Account bei dem Kurznachrichtendienst. Und derzeit eine ganz ähnliche Agenda. Denn die alles entscheidende Abstimmung über die Gesundheitsreform, sie steht kurz bevor. Am Sonntag soll im Repräsentantenhaus über einen Gesetzesentwurf abgestimmt werden. Die Opposition moniert, dass ein Verfahrenstrick angewendet werden soll, um das Gesetz durchzukriegen. Obama zeigt sich davon unbeeindruckt. Er lässt über Twitter lieber verkünden, wer alles zu ihm steht.
«Krankenschwestern, Nonnen, kleine Unternehmen und 240 andere Organisationen setzen sich für eine Gesundheitsreform ein http://bit.ly/9sSnlK»
Wer Obama und dem Weißen Haus virtuell folgt, dem könnte die Masse an Tweets zur Gesundheitsreform Kopfschmerzen bereiten. Rund 200 Tweets verfasste Obama zum Thema, das Weiße Haus, das seit Mai twittert, kam sogar auf mehr als 200 Kurztexte.
«Die Zeit des Redens ist vorbei. Es ist an der Zeit, die Gesundheitsreform über die Ziellinie zu bringen: http://j.mp/dl3C4Q»
Obama und sein Team, sie nutzen den Internetdienst nicht, um konstant Persönliches und Vertrauliches vom Präsidenten zu kommunizieren. So gab es keinen Tweet, als Hund Bo zu Familie Obama stieß oder ähnliche Nebensächlichkeiten. «Wir wollen dieses Werkzeug effektiv nutzen und im Sinne des Allgemeinwohl», sagte Macon Phillips, verantwortlich für Neue Medien, dem Magazin Time. Aber natürlich wird nicht immer nur politisch getwittert.
«An alle Bo Fans! Er begrüßt Gäste des Weißen Hauses mit der First Lady Michelle Obama. Schau es dir an: http://bit.ly/UT2FE#FiDOTUS»
Wird ab und an Leichtes kommuniziert, dann dient auch das einem Zweck: das Image des Präsidenten pflegen. Obama bewegt sich bei Twitter streng strategisch, so, wie es die US-Präsidenten im Umgang mit den Medien traditionell schon immer gehalten haben.
«Ich möchte mit den Bürgern Amerikas ein paar Minuten über das Bankwesen sprechen.»
So begann eine Radioansprache von Franklin Delano Roosevelt am 12. März 1933. Der US-Präsident nutzte das Radio, um die Menschen direkt anzusprechen, ihnen die Mechanismen der Großen Depression zu erklären und für seinen New Deal zu werben. Seine «fireside chats» (Kamingespräche) gingen in die Geschichte ein. Das Image, das kreiert wurde, war das eines Präsidenten, der sich am Sonntagabend an den Kamin setzt und in direkten Kontakt zu seinen Bürgern tritt.
Und die Antworten der Bürger, sie kamen. Nicht innerhalb weniger Sekunden, aber innerhalb weniger Tage in Form von Tausenden Briefen. Fast 90 Jahre und die Entwicklung des Web 2.0 später kommt die Antwort schnell wie ein Wimpernschlag.
Doch wer die Twitter-Accounts des US-Präsidenten und des Weißen Hauses verfolgt, gewinnt schnell den Eindruck, dass das Feedback, das die Möglichkeiten des Web bieten, nicht mehr als ein netter Nebenaspekt ist. Auch hier geht es, ganz wie im 20. Jahrhundert, vor allen Dingen darum, die Nachricht zu verbreiten. So schnell wie möglich und an so viele Menschen wie möglich. Barack Obama folgen knapp 3,5 Millionen Menschen, die Tweets des Weißen Hauses erhalten rund 1,8 Millionen täglich auf ihrem Handy.
«Komm am Freitag nach Washington, um Obama bei einem großen Gesundheitsreform-Event im Patriot Center zu unterstützen, keine Tickets nötig http://bit.ly/aavNaQ»
«Das letzte Stück des Weges auf dem Weg zur Reform ist gekommen. Wir brauchen Euch, um mit Euren Nachbarn zu sprechen und die Fakten über die Gesundheitsreform zu verbreiten: http://j.mp/cZg3To»
Die direkte Ansprache des Nutzers, sie könnte durchaus erfolgversprechend sein. Eine Studie von Pew Internet vom September 2009 hat gezeigt, dass etwa 19 Prozent der Internetnutzer in den USA schon einmal politisches Material online publiziert haben oder aber soziale Netzwerke genutzt haben, um sich politisch oder gesellschaftlich zu engagieren. Und es sind vor allen Dingen die Jüngeren, die diese Form des Engagements nutzen.
Spätestens im Kongress wird sich zeigen, ob die Mobilisierung der Massen für den Präsidenten erfolgreich war und Eindruck gemacht hat auf den Flügel der Demokraten, der der Reform skeptisch gegenübersteht. Barack Obama braucht für eine Mehrheit im Repräsentantenhaus 216 Stimmen. Sein Team wird in den nächsten Stunden noch einige Tweets an die Follower des Präsidenten schicken - damit ihm dann auch die Poltiker folgen.
«Es ist Zeit für die finale Abstimmung. Bitte schließt euch mir an und helft mir, die Gesundheitsreform ins Ziel zu bringen: http://j.mp/dvUmn2»
seh/ivb/news.de/dpa
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Nicht nur Barack Obama twittert, auch die Konservativen zwitschern fleißig. News.de hat Tweets mehr ...
Er hat für sie geworben, er hat um sie gefeilscht, nun will Obama die Gesundheitsreform endlich mehr ...
Bekommen alle Amerikaner einen Krankenschutz? Obamas letzte Chance: Ein Gipfel mit den mehr ...
TRottel Obama und kein Ende.
jetzt antwortenKommentar melden