So., 12.02.12

Elfenbein Streit um das weiße Gold

Artikel vom 16.03.2010

Elfenbein unterliegt einem internationalen Verkaufsverbot. Einige Staaten Afrikas wollen das ändern. Sambia und Tansania fordern eine Sondererlaubnis, um mit ihren Beständen handeln zu können. Eine Gefahr für Elefanten?

Die Spur des verwundeten Elefanten ist nicht schwer zu finden: Eine breite Furche zieht sich durch den kenianischen Busch. Das Tier wurde von einem Giftpfeil getroffen, die Hinterbeine gehorchten ihm nicht mehr richtig, und so hinkte es durch den Tsavo-East-Nationalpark, bis zu seinem Totenbett. Die Fußspuren der Wilderer um den Kadaver sind ebenfalls nicht zu übersehen, doch das eigentliche Ziel der Jagd, das Elfenbein, haben die Kriminellen zurücklassen müssen. Die Ranger sind noch rechtzeitig eingetroffen.

Ein weiteres Paar Stoßzähne ist so in die Hände des kenianischen Staats gelangt, doch anders als Tansania und Sambia will das ostafrikanische Land damit kein Geld verdienen. Die beiden Staaten wollen eine Sondererlaubnis, um ihre Bestände verkaufen zu dürfen. Die Konferenz der 175 Mitgliedstaaten des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens (CITES) wird über den Antrag Sambias und Tansanias entscheiden. Seit Samstag tagen die Delegierten im Golfemirat Katar.

«Jeder Versuch, das internationale Verkaufsverbot für Elfenbein aufzuheben, wird zu einer Zunahme der Wilderei führen», sagt Patrick Omandi von der Kenianischen Naturschutzbehörde. Kriminelle könnten versuchen, Elfenbein aus anderen Ländern über die Grenze nach Tansania und Sambia zu bringen, um es dort zu verkaufen.

Elefantenbestände haben sich sehr unterschiedlich entwickelt

Die Elefantenbestände der einzelnen afrikanischen Staaten sind in einem sehr unterschiedlichen Zustand. Die tansanische Regierung argumentiert damit, dass die Zahl der Tiere in dem Land seit dem Verkaufsstopp 1989 von rund 55.000 auf fast 137.000 gestiegen sei. Deshalb wolle man nun 90 Tonnen Elfenbein verkaufen. Sambia möchte rund 22 Tonnen auf den Markt werfen, die dortige Regierung begründet dies mit dem Bestand von 27.000 Elefanten, der stetig größer werde.

Doch in anderen Staaten seien die Dickhäuter bedroht, sagt Omandi. In Sierra Leone seien sie im Dezember ausgestorben, im Senegal gebe es weniger als zehn Tiere.

Tansania hält dagegen: Der Handel mit Elfenbein sei unentbehrlich, um die Elefanten zu erhalten. «Der Konflikt zwischen den Tieren und den Menschen nimmt zu, in vielen Gemeinden gelten Elefanten als Pest», heißt es in dem Antrag. Die Wertschätzung für die Tiere könne steigen, wenn die Gemeinden von den Verkäufen des Elfenbeins profitieren könnten.

Kenia befürchtet aber, dass auch eine begrenzte Ausfuhrgenehmigung für Elfenbein zu mehr Wilderei führt. Die Entwicklung seit der letzten Ausnahmegenehmigung im Jahr 2007 gibt den Gegnern des Elfenbeinhandels recht: Heute gibt es sieben Mal mehr Fälle von Wilderei. 2009 fielen 271 Tiere der illegalen Jagd zum Opfer. In Asien und den USA gibt es eine große Nachfrage nach Elfenbein, etwa zur Herstellung von Halsketten und Stempeln.

Armut macht manche zu Wilderern

Zwar leben die Einwohner des Tsavo-East-Nationalparks seit Jahrhunderten zusammen mit den Elefanten. Doch in der vergangenen Zeit hat die Wilderei nach Angaben der Ranger zugenommen. Ein durchschnittliches Paar Stoßzähne bringt 1.500 Euro und mehr auf dem Schwarzmarkt, für eine verarmte Familie ist das sehr viel Geld. Seit fünf Jahren ist der Regen ausgeblieben, die Ernten verdorren und der Hunger breitet sich aus.

Besonders schlecht zu sprechen sind die kenianischen Behörden auf Tansania. Denn die beiden Länder haben eine lange Grenze, dort wo die berühmten Nationalparks Masai Mara und Serengeti ineinander übergehen. Elefanten hätten schließlich keine Pässe und überquerten regelmäßig die Grenze, sagt Omandi.

Drei Viertel der 500 Wildhüter im Tsavo-East-Nationalpark haben eine paramilitärische Ausbildung. Denn je einträglicher das Geschäft mit dem Elfenbein ist, desto gefährlicher wird ihr Beruf. Erst im vergangenen Monat geriet eine Gruppe Ranger in eine Schießerei mit sechs Wilderern. Einer der Kriminellen sei dabei getötet worden, sagt Oberaufseher Yussuf Adan. «Wenn die Tansanier ihr Elfenbein verkaufen dürfen, wird das auch die Wilderer in Kenia weiter motivieren.»

san/ped/ivb/news.de/ap
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Kleiner Elefant mit großem Willen (Foto)
Totgesagter Elefant Riesiger Überlebenswille mit Rüssel

Dass er lebend geboren würde, daran glaubte niemand mehr. Doch ein kleiner Elefantenbulle mehr ...

Haie (Foto)
Artenschutz Gebt dem Hai eine Chance!

Deutschland will sich bei der Artenschutzkonferenz in Doha besonders für Haie und Elefanten mehr ...

Elefanten (Foto)
Artenschutz Damit Tiger und Hai nicht ganz verschwinden

Schillerlocken sollten ebenso tabu sein wie Tigerwein und Elfenbeinschnitzereien: Die Artenschutzkonferenz tagt im Emirat mehr ...

Delfine können mit «Diabetes» umgehen (Foto)
Meeressäuger Delfine schalten Diabetes einfach ab

Delfine können dem Menschen eine wichtige Lektion über die Volksseuche Diabetes mehr ...

Delfine (Foto)
Kroatien Im Urlaub Delfine adoptieren

Wer dem Frühling entgegenreist, der kann auf der kroatischen Insel Lošinj Delfine vom Land aus mehr ...

Orang-Utan (Foto)
Tierforschung Machos blitzen bei Orang-Utan-Weibchen ab

Bei Orang-Utan-Weibchen haben Machos keine Chance. Die Damen durchschauen männliches mehr ...

Elfenbein: Streit um das weiße Gold » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855048469/streit-um-das-weisse-gold/1/
Schlagworte:
Afrikanischen, Angaben, Antrag, Argumentiert, Asien, Ausbildung, Ausgestorben, Ausnahmegenehmigung, Befürchtet, Behörden, Beruf, Bestand, Bestände, Brigitte Busch, Bringt, Busch, CITES, Delegierten, Dezember, Dickhäuter, Einwohner, Elefanten, Elfenbein, Elfenbeins, Entscheiden, Entwickelt, Entwicklung, Euro Handel, Euro Markt, Euro Staaten, Euro Zahl, Euro Ziel, Fälle, Familie, Führt, Fußspuren, Gefährlicher, Gegnern, Geld, Gemeinden, Geschäft, Gestiegen, Golfemirat, Grenze, Gruppe A-1, Gruppe A-2, Gruppe A-3, Gruppe A0000, Gruppe B-1, Gruppe B-2, Gruppe B-3, Gruppe B0000, Gruppe Boko, Gruppe C-1, Gruppe C-2, Gruppe C-3, Gruppe Calle, Gruppe D-1, Gruppe D-2, Gruppe D-3, Gruppe Favorit, Gruppe Femen, Gruppe Flaschen, Gruppe Flying, Gruppe Independiente-Fans, Gruppe Japan20, Gruppe LulzSec, Gruppe No-Name, Gruppe Puj, Gruppe RangLandSpieleSiegeNiederlagenKorbverhältnisPunkte1, Gruppe Schwuhplattler, Gruppe Trainierten, Gruppe Within, Halsketten, Hände, Handel, Herstellung, Hinterbeine, Hunger, Jagd, Jahr, Jahren, Jahrhunderten, John Patrick, Kadaver, Katar Libanon, Katar Qatar, Katar SC, Katar Schustow, Kenia, Konferenz, Konflikt, Kriminelle, Kriminellen, Land Aber, Land Menschen, Länder Ausnahmeregelungen, Länder Freaks, Länder Gemeinden, Ländern, Lange Zeit, Markt, Masai, Menschen, Miguel Sierra, Mitgliedstaaten, Monat, Nachfrage, Nationalparks, Naturschutzbehörde, Neil Patrick, Opfer, Paar, Pässe, Patrick Bauer, Patrick Davis, Patrick Döring, Patrick Ebert, Patrick Engel, Patrick Gaisbauer, Patrick Galbraith, Patrick Grabsch, Patrick Heuscher, Patrick Ilbag, Patrick Kennedy, Patrick Kirsch, Patrick Kraemer, Patrick Lefevere, Patrick MillerOne, Patrick Most, Patrick Moster, Patrick Rahmen, Patrick Rakovsky, Patrick Wilson, Patrick Wojcicki, Patrick Ziegler, Pest, Ranger, Raum San, Rechtzeitig, Regen, Regierung, Sambia, Sambias, Samstag, San Angelo, San Clemente, San Diego, San Fernando, San Francesco, San Francisco, San FranciscoUSA, San Jose, San Juan-Laventille, San Lorenzo, San Luca, San Marino, San Paolo, San Ramon, San Salvador, San Sebastián, San Sebastián00, San Sebastián12, San Sebastián24, San Sebastián34, San Sebastián45, San Sebastián56, San Sebastián67, San Sebastián77, San Simeon, Schießerei, Schwarzmarkt, Seien, Senegal, Serengeti, Sierra, Sondererlaubnis, Spur, Staaten, Stetig, Stoßzähne, Tansania, Tier, Tiere, Tieren, Tonnen, Totenbett, Ullrich Gold, USA Dezember, USA Geld, USA Ziel, Verkaufen, Verkaufsverbot, Versuch, Verwundeten, Viertel, Washingtoner, Werfen, Wertschätzung, Wilderei, Wilderer, Wildhüter, Zahl, Zeit, Ziel, Zunahme, Zurücklassen, Zustand,
Leserkommentare (0)
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren