Tee oder Kaffee?
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Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Artikel vom 13.03.2010
Amerikas Bürger auf Konfrontationskurs: Unzufriedenheit mit der Regierung treibt viele Konservative auf die Straße. Ihr Protest hat nun die Linke auf den Plan gerufen. Regierungsfeindlich oder regierungsfreundlich - das ist momentan die Frage.
Es ist das Tea Party Movement, das die politischen Schlagzeilen seit Monaten immer wieder beherrscht. Die Bewegung, die sich Anfang 2009 über das Internet gründete, ist Herberge für frustrierte konservative Amerikaner, denen die Maßnahmen von Barack Obama viel zu weit geht.
«Wir glauben an eine beschränkte Regierung, freie Rede, unser Militär, sichere Grenzen und an unser Land» heißt es bei der «Tea Party Nation», einer großen Gruppierung innerhalb der dezentral organisierten Grassroots-BewegungAls Grassroots-Bewegungen (deutsch: Graswurzelbewegung) werden politische oder gesellschaftliche Initiativen bezeichnet, die aus der Basis der Bevölkerung entstehen. Der Name soll zeigen, dass sich die Bewegung spontan und natürlich entwickelt hat, unabhängig von traditionellen Machtstrukturen. . Der Name spielt auf die Boston Tea Party von 1773 an, die den Beginn der Amerikanischen Revolution markierte.
Spiel mit dem Feuer für die Republikaner
Feinbild der Tea-Party-Anhänger des 21. Jahrhunderts: Barack Obama und seine Pläne für eine Gesundheitsreform und seine Konjunkturpakete, die den Staatshaushalt in die Höhe treiben. Dafür gehen die Anhänger, die mittlerweile gut organisiert sind, auf die Straße - und schaffen es auf die Titelseiten der amerikanischen Medien. Vorläufiger Höhepunkt: Die erste nationale Tagung im Februar. Zu der ließ sich sogar Sarah Palin einladen - und wetterte gemeinsam mit Tausenden gegen Obamas Politik.
Die Bewegung repräsentiert den rechten Flügel der republikanischen Partei. Zwar betonen Organisationen wie die «Tea Party Nation» oder die «Tea Party Patriots», dass sie nicht gemeinsame Sache mit dem politischen Washington machen wollen. Aber, so schreibt die New York Times: Viele Experten sind überzeugt, dass der Republikaner Scott Brown im Januar den Senatssitz in Massachusetts gewonnen hat, weil er von den Teetrinkern unterstützt wurde.
Für die konservative politische Elite ist es ein Spiel mit dem Feuer. Sich weiter nach rechts zu bewegen, um mit den Stimmen der Erzkonservativen bei den Zwischenwahlen im November über die Demokraten zu triumphieren, ist verlockend. Doch die Methoden der Tea-Party-Anhänger, sie sind extrem. Ihre Plakate bei Demonstrationen zeigen makabere Plakate von Barack Obama als blutsaugenden Vampir, der es auf die Freiheit der Amerikaner abgesehen hat und andere krude Vergleiche.
Oder doch eine Smoothie-Partei?Die Kommentare in den Foren der Internetseiten sprechen Bände. «Obama ist auf einer liberalen Selbstmordmission», schreibt Richard J. auf teapartynation.com. «Er wird von der extremen Linken angezogen und seine Regierung repräsentiert das schlimmste Ausmaß an aufdringlichem Sozialismus...» Da überrascht es nicht, dass sich viele Republikaner eher von der Bewegung distanzieren.
Doch zurück zu Annabel Park und ihrem Kaffeebecher. Es war im Februar, als sie genug hatte von den ewig gleichen Medienberichten, die suggerierten, dass das Tea Party Movement allein Amerika repräsentieren würde. Die 41-jährige Dokumentarfilmerin machte ihrem Ärger Luft - mit einem Eintrag auf ihrer Facebook-Seite. «Lasst uns eine Kaffee-Partei gründen …. eine Smoothie-Partei, eine Red-Bull-Partei, alles nur keinen Tee», zitiert die Washington Post den Eintrag von Parks.
Die Reaktionen waren so vielfältig, dass Parks eine Fanseite ins Leben rief. Mittlerweile hat «Join the Coffee Party Movement» mehr als 110.000 Mitglieder - und jeden Tag werden es mehr. Die Coffee Party, sie hat sich zu einer echten Gegenbewegung der «Teetrinker» entwickelt. Eine eigene Homepage wurde ins Leben gerufen und nun schafft es auch Parks mit ihrem Ansinnen in die überregionalen amerikanischen Medien.
Heißgetränk-Liebhaber haben eine Gemeinsamkeit
Was sie will, sagt Park in dem verregneten Video mit dem Kaffeebecher in der Hand: Zusammenarbeit und Mitarbeit am politischen Prozess. «Glaubst du, dass die Regierung keine Rolle spielt, dann solltest du der Tea Party beitreten. Aber es gibt viele von uns, die glauben, dass wir die Regierung brauchen, um Probleme anzusprechen und unsere Interessen zu repräsentieren.»
Die Regierung ist nicht der Feind - wer daran glaubt, findet mittlerweile von New Orleans bis Kentucky regionale Gruppierungen der Coffee Party. Und heute wird es ernst für die liberale Gegenbewegung: Mehr als 350 Veranstaltungen sind quer durchs Land organisiert worden, zum nationalen «Coffee-Party-Kick-Off».
Tee oder Kaffee - was soll es also sein? Eine grundsätzliche Frage, die Amerika weiter beschäftigen wird. Aber bei allen inhaltlichen Gegensätzen und unterschiedlichen Ansätzen haben die Heißgetränk-Liebhaber eine Gemeinsamkeit: Den Glauben daran, dass nicht alles gut läuft im politischen Washington - und sich die Wähler zu Wort melden sollten.
ped/news.de
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