So., 12.02.12
Integration

Integrationsdebatte Sarrazin verteidigt Populismus

Von Gisela Kirschstein

Artikel vom 10.03.2010

Thilo Sarrazin ließ sich nicht beeindrucken, weder von dem Protest vor seinem Besuch noch von einer Demonstration währenddessen: Der Bundesbankvorstand bleibt bei einer Veranstaltung in Hessen bei seiner Migrantenschelte.

Der «Kopftuchmädchen»-Mann kommt, und alle sind aus dem Häuschen. Im Saal des hessischen Ministeriums für Justiz und Integration warten rund 120 Menschen am Dienstag gespannt auf den Redner des Abends, vor der Tür kritisieren rund 20 Demonstranten seine Einladung: Thilo Sarrazin, Ex-SPD-Finanzsenator Berlins und heutiger Bundesbank-Vorstand, polarisiert. Hartz-IV-Empfängern empfahl er schon mal einen warmen Pullover statt Heizung, türkischen Migranten in Berlin warf er vor, eine produktive Funktion nur für den Obst- und Gemüsehandel zu haben und «neue, kleine Kopftuchmädchen» zu produzieren.

Die Opposition hatte schon im Vorfeld laut kritisiert, so jemanden dürfe man nicht einladen. Linksfraktionsvize Janine Wissler kritisierte, Sarrazin mache «Stimmung auf Kosten der Schwächsten in der Gesellschaft», seine Polarisierungen seien für den Integrationsprozess nicht förderlich.

Es sei «gerade klug», Menschen zu Gesprächen einzuladen, «bei denen nicht nach zehn Minuten alle einer Meinung sind», fand dagegen Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP). Klüger sei es doch, «kantigere Personen einzuladen», und schließlich sei «jeder für das verantwortlich, was er sagt.» Auch verwies Hahn auf das Motto der neue Diskussionsreihe: «Freiheit, die ich meine.»

860 Briefe und eine Morddrohung für Sarrazin

Hahn betonte, es gebe eine latente Angst in der Bevölkerung, darüber müsse man reden und dürfe das nicht «mit einem Schweigeverbot oder Denkverbot» belegen. Es gelte, die Fakten und Analysen «knallhart auf den Tisch zu legen», zugleich müsse man aber auch die Wirkung seiner Worte bedenken. «Ist eine solche Überspitzung vielleicht schädlich, weil sie die Willkommenskultur beschädige?, fragte Hahn.

Seine Wortwahl sei doch verständlich gewesen, befand Sarrazin. Wenn man ohne Mandat und im politischen Ruhestand «so viel auslöst, dann zeigt das, dass es die Bürger bewegt.» In seinem Büro stapelten sich 860 Briefe, davon seien «50 vom bräunlichen Rand, 16 negativ, davon eine Morddrohung, die übrigen sind allesamt emphatisch positiv», sagte Sarrazin. Unter den positiven seien sehr viele von einfachen Bürgern mit dem Tenor, ‹gut, dass das mal einer gesagt hat›. »Hier ist eine Not im Volke, ein Druck, den ich mir so auch nicht klar gemacht habe«, sagte Sarrazin.

«Wir sitzen im gleichen Sofa, Herr Sarrazin»

Es gebe eben in Berlin-Neukölln Gebiete, in denen 80 Prozent der Einwohner von Hartz IV lebten. Geld zu bekommen «für seine schiere Existenz», das sei eine krasse Fehlentwicklung, befand Sarrazin. Migranten aus der Türkei, Afrika und dem Mittleren Osten. hätten «unisono und als Block» schlechtere Schulabschlüsse und weniger Arbeitsplätze als Migranten etwa aus Vietnam oder Russland. «Das mag kränken, aber es weist auf die Menschen selbst zurück», sagte Sarrazin.

»Wir reden aber nicht über Zahlen, sondern über Menschen», konterte Kenan Kubilay, Geschäftsführer der türkischen Mediengesellschaft Ihlas, zu der die Zeitung Türkiye gehört. «Jetzt in die Wunde Salz und Pfeffer zu geben, was nützt das?», fragte er. Über die Positionen müsse man reden, die Wortwahl aber sei nicht gelungen. «Wir müssen gemeinsam nach Lösungen suchen», mahnte er: «Wir sitzen im gleichen Sofa, Herr Sarrazin, wenn es umkippt, kippen wir beide um.»

Er wäre gern Schulsenator, entgegnete Sarrazin, dann würde er vor allem die Qualität der Schulausbildung verbessern: Jedes Kind im dritten Schuljahr müsse Deutsch können und fließend lesen. Bei ihm gebe es andere Lehrpläne, zeitnah kontrolliert, und jeden Tag Hausaufgaben für die Kinder, sagte Sarrazin. Und dann fügte der Polarisierer noch halb scherzhaft hinzu, man könne ja noch eine Reform machen: Wer keine Hausaufgaben mache, dem werde das Kindergeld um 15 Prozent gekürzt.

ped/mac/news.de/ddp
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Integrationsdebatte: Sarrazin verteidigt Populismus » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855047744/sarrazin-verteidigt-populismus/1/
Schlagworte:
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Leserkommentare (6)
  • Kommentar: 6
  • 30.08.2010 15:57
von
Ingrid Barth

Man kann Herrn Sarrazin mittlerweile ob seiner stets stigmatisierenden Äusserungen gegenüber Bevölkerungsgruppen durchaus Sozialrassismus vorwerfen-leider haben anscheinend solche dummgläubigen Leute Gen-Defekte (Kleiner Spass, retour-es fing bereits bei der pauschalen Bildzeitungshetze gegen "Florida-Rolf" an.) Im übrigen sah ich niemals so dumme Leute und Mitläufer und schlecht ausgebildete-bildungsferne Schichten-wie auch deutschen ARGEN.(Mitarbeiter/innen)Man lese den Bericht dazu des Bundesrechnungshofes. Herr Sarrazin, Intelligenzdefizite....suum quique...

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  • Kommentar: 5
  • 29.08.2010 08:31
von
Fritz Müller

Wie dem auch sei SARRAZIN hat in allen Punkten recht, denn dieses Land wird überproportional mit Zuwanderern frequentiert.Es ist leider Faktum, dass das Gross dieser Menschen einen niedrigeren Bildungsstand haben als gebürtige Europäer. Und das kann man auch in 3 Generationen nicht wett- machen. Das soll aber deren Menschenwürde nicht schmälern u auch nicht der Grund jeglicher Diskriminierung sein. Was man aber wohl jedes Einwanderungsland zubilligen muss, ist die Erwartungder Integrations-u Assimilierungs Wille der Zuwanderer!

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  • Kommentar: 4
  • 12.06.2010 23:21
von
Arsch
Antwort auf Kommentar 2

Genau das hast du "EI"ohne Gelb gemacht!Gekratzt,Arschloch.

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  • Kommentar: 3
  • 12.03.2010 08:46
von
Rolf Schoensohn

Ich moechte wetten, wenn DER ne Partei gruendet, hat DER auf Anhieb ueber 15 % Waehler!!

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  • Kommentar: 2
  • 10.03.2010 10:55
von
Hermann Huber

Ob dieser Sarazin sich nur für "höhere Aufgaben" qualifizieren will oder aus Interesse an der Sache engagiert ist relativ egal,da er ein bedingungsloser Mitspieler dieser kanken Republik ist.Das Aufspringen auf den antiislamischen Zug,der von der "Broderhood of Schmu" und anderen aus den selben Eck mit recht heftigen Angriffen gestartet wurde,gestattet nun einem Sarazin mit vergleichsweise "milden" Äußerungen die Konfrontation in der BRD voranzutrieben.Interessant,daß keiner der Kommentatoren versucht die Intentionen dieses Sarazin zu ergründen sondern nur an dessen Äußerungen herumkratzt.

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  • Kommentar: 1
  • 10.03.2010 10:39
von
Toni Ka

Es ist unverantwortlich, dass leute wie Sarrazin ihren Öffentlichkeitsstatus ausnutzen, um zu polarisieren und auf su plumpe Weise Meinung zu machen. Man muss ihm unterstellen, dass er es eigentlich besser weiß. Was soll das also? Halbgar, sich damit herauszureden, dem "Volk" aus der Seele zu sprechen. Und dann immer diese Pauschallösung "Bildung". Hoffentlich wird er sich selbst allmählich unheimlich.

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