Kritik an Schröder
«Autonome sind nicht unbedingt Linksextremisten»

Kristina Schröder macht weiter Front gegen den Linksextremismus. Die Extremismus-Expertin Angela Bähr aber warnt: Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Im Interview mit news.de wirft sie viele neue Fragen auf.

Angela Bähr ist Leiterin der Arbeitsstelle Vielfalt bei der Justizbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Bild: privat

Frau Bähr, hat sich das Bundesfamilienministerium schon bei Ihnen gemeldet, um gemeinsam mit Ihnen Pilotprojekte zum Kampf gegen Linksextremismus auszuloten?

Bähr: Bislang hat sich in dieser Angelegenheit noch niemand bei uns gemeldet.

Was halten Sie grundsätzlich vom Ansatz von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, stärker als bislang im Bereich Linksextremismus Prävention zu arbeiten?

Bähr: Grundsätzlich ist es aus unserer Sicht zu begrüßen, sich neben dem Rechtsextremismus auch dem Linksextremismus zu widmen. Aber Links- und Rechtsextremismus sind nicht Spielarten des gleichen Phänomens. Man darf das nicht gleichsetzen. Deshalb ist eine Beschäftigung mit dem Phänomen sehr viel schwieriger, als es vielleicht scheint.

Worin unterscheiden sich die beiden Formen des Extremismus?

Bähr: Allgemein gesprochen richtet sich der Linksextremismus eher gegen den Staat und seine Repräsentanten, der Rechtsextremismus eher gegen Menschen mit einer bestimmten ethnischen, sexuellen, religiösen oder anderen Gruppenzugehörigkeit. Inhaltlich gesehen ist der Linksextremismus viel komplexer und widersprüchlicher in sich als der Rechtsextremismus, dem eine menschenverachtende Ideologie zu Grunde liegt. Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus greift auf eine jahrzehntelange Forschung zurück, auf deren Erkenntnissen auch die beiden Bundesprogramme «Vielfalt tut gut» und «Kompetent für Demokratie» aufbauen.

Und diese Art der Forschung gibt es so für den Linksextremismus nicht?

Bähr: Nein, eine so in die Tiefe gehende Forschung gibt es dazu bislang nicht. Auch deshalb muss zunächst definiert werden, was mit dem Begriff «Linksextremismus» überhaupt gemeint ist. Wenn wir beispielsweise auf die Randale beim Schanzenviertelfest in Hamburg blicken, so werden wir feststellen, dass die Gewalttäter dort nur wenig mit den Gruppen zu tun haben, die der Verfassungsschutz als linksextremistisch einstuft. Die, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, sind nicht unbedingt diejenigen, die Autos anzünden. Wo also muss man ansetzen? Wie sind die Verläufe? Welche Strategie könnte erfolgversprechend sein?

Wie lange würde es dauern, hier eine tiefgreifende Analyse durchzuführen?

Bähr: Eine fundierte wissenschaftliche Studie würde sicher einige Zeit in Anspruch nehmen.

Gibt es derzeit Projekte in Hamburg, die sich gezielt mit der Linksextremismus-Prävention beschäftigen?

Bähr: Es gibt reichlich Projekte zur Demokratiebildung, wo junge Menschen den Umgang mit demokratischem Verhalten und der Einschätzung von Extremismus allgemein lernen können. Da gibt es viele Ansätze: Die Landeszentrale für politische Bildung arbeitet intensiv in dieser Richtung. Oder auch das Projekt «Vielfalt Altona».

Aber wenn es bisher keine derartigen Projekte gab, besteht denn dann überhaupt die Notwendigkeit für gezielte Linksextremismus-Prävention? Wird das nicht in diesen allgemeiner angelegten Programmen geleistet?

Bähr: Das ist ja eben eine der Fragen, die sich nicht so ohne Weiteres beantworten lassen. Man kann zum Beispiel die Autonomen eben nicht mit Linksextremisten gleichsetzen. Deshalb brauchen wir die Forschung zum Linksextremismus, bevor wir in irgendwelche Projekte oder Programme einsteigen.

 

Angela Bähr ist Leiterin der Arbeitsstelle Vielfalt bei der Justizbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Dort wird die Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus des Stadtstaates gebündelt.

hav/news.de

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14 Kommentare
  • Mailyn Pelagio

    05.06.2011 11:11

    Diesen Typen geht es bei ihren Demos nicht um das gerade anstehende Thema sondern lediglich um Randale und Krach. Dazu werden regelmässig Themen wie Repression der Polizei, irgendwelcher angeblicher Rassismus, Ausbeutung etc. missbraucht um einen Grund zu demonstrieren vorzuschieben. Dass in der Sache "Repression" die Demonstranten es selber sind die mit ihrem gewalttätigen Benehmen noch mehr Repression nötig machen, um das zu merken dazu reicht es nicht. Doof bleibt eben doof.

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  • Tante Otto

    28.03.2010 14:07

    Zu schlicht. Leichtbauweise und pro-Gipskarton! Nichts zum Thema:"Autonome sind nicht unbedings Linksextremisten"! Heu-Marktaufmarsch von "rechtsdrehenden Joghurtbechern"und"pro-Gipskartonplatten"!K12, Quido,sie dürfen englisch mit mir sprechen.Das freut dann wieder die NPD im gemeinsamen Aufmarsch mit den pro-Gipskartonplatten!

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  • Der Psychiater empfiehlt

    26.03.2010 10:09

    Antwort auf Kommentar 10

    Don´t feed trolls! Trollbeiträge der Antifanten einfach nicht beachten. Da hilft nur ein Besuch beim Psychiater.

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