So., 12.02.12

Vorratsdaten Privat ist nicht egal

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Artikel vom 02.03.2010

Das Bundesverfassungsgericht hat die Vorratsdatenspeicherung komplett gekippt. Das ist nach dem Hartz-IV-Urteil nicht nur eine erneute Niederlage für die Politik, sondern vor allem ein wichtiger Sieg für die aus der Mode gekommene Privatsphäre.

«Das Zeitalter der Privatsphäre ist vorbei», verkündete Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, Anfang des Jahres. Das ist die größtmögliche Unbekümmertheit eines jungen Menschen, der euphorisiert ist von dem milliardenschweren Unternehmen, das er aus einem Universitätsprojekt geformt hat. Und das ist die größtmögliche Frechheit eines Firmenchefs, der über die Daten von weltweit 250 Millionen Nutzer herrscht.

Wie wenig Zuckerberg recht hatte, demonstrierte das Bundesverfassungsgericht heute eindrucksvoll: Es hat die Vorratsdatenspeicherung komplett gekippt, bei der seit 2008 Verbindungsdaten aus der Telefon-, Mail- und Internetnutzung für sechs Monate gespeichert werden. Zwar schloss Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier die Speicherung der Daten nicht generell aus, bei dem bisher geltenden Gesetz jedoch handele es sich um einen «besonders schweren Eingriff».

Das Zeitalter der Privatsphäre ist nicht etwa vorbei, es fängt gerade erst an. Es fängt an, weil es immer mehr gibt, was es zu schützen gilt. Es fängt an, weil es mit dem Internet erstmals eine Technik gibt, die es uns ermöglicht, immer und überall mit Freunden in Kontakt zu bleiben, Informationen zu beschaffen und Einkäufe zu tätigen. Das ist wunderbar. Das häuft aber auch immens viele Informationen über unser Leben an, kaum vergleichbar mit den Daten, die bei der umstrittenen Volkszählung in den 1980er Jahren über uns gesammelt worden sind.

Der wachsende Datenberg weckt nicht nur die Begehrlichkeiten großer Konzerne und der Werbebranche, sondern auch die der Sicherheitsbehörden. Und das ist sogar verständlich: Die Polizei wird jedes Instrument begrüßen, das ihr die Aufklärung von Verbrechen einfacher macht. Unsere Aufgabe ist es aber, die steigende Verfügbarkeit von Daten über uns gegen die reflexartige Überprüfung auf ihren Nutzen seitens des Staates und seitens der Unternehmen zu schützen.

Ein guter Anfang ist es da, zu wissen, was eigentlich wo, von wem und zu welchem Nutzen über uns gespeichert ist. Dass das Bundesverfassungsgericht auch und vor allem die Intransparenz des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung kritisiert hat, macht sein Urteil deshalb zu einem umso wichtigeren Signal.

kas/hav/ivb/news.de
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Bundesverfassungsgericht (Foto)
Vorratsdaten Sammelwut verfassungswidrig

Karlsruhe hat die umstrittene Vorratsdatenspeicherung gekippt. Die bisher erlangten Daten müssen sofort gelöscht mehr ...

Vorratsdatenspeicherung (Foto)
Vorratsdaten Showdown in Karlsruhe

Erst Hartz IV, jetzt die Vorratsdatenspeicherung: Das Verfassungsgericht wird die Politik heute wohl wieder mehr ...

Vorratsdaten (Foto)
Vorratsdaten EU-staatlicher Ungehorsam

Rumänien wehrt sich gerichtlich, Schweden ignoriert Vorgaben der EU gleich ganz: Brüssel steht unter mehr ...

Burkhard Hirsch (Foto)
Vorratsdaten «Die Polizei übertreibt»

FDP-Urgestein Burkhard Hirsch klagt gegen die Vorratsdatenspeicherung. Im Interview kritisiert er den Überwachungsdrang der mehr ...

Datenregister Elena (Foto)
Datenregister Scharfe Kritik an Elena

Zum Start des Datenregisters Elena hagelt es massive Kritik: Arbeitgeber müssen jetzt die Einkommensdaten ihrer Beschäftigten mehr ...

Markus Beckedahl (Foto)
Interview «Die Meinungsfreiheit wiegt schwerer»

Blogger Markus Beckedahl über politische Blogs und die Grenzen der Meinungsmache im mehr ...

Vorratsdaten: Privat ist nicht egal » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855046673/privat-ist-nicht-egal/1/
Schlagworte:
Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 03.03.2010 13:06
von
Scanner23

Was sagt denn der Datenschutz dazu, das die Polizei und der Zoll jeden Tag personenbezogene Daten über den analogen Funk übertragen, den jeder mit seinem (leicht manipulierten) Rundfunkempfänger oder einem Gerät für 40€ abhören kann?

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren