Aufnahmerituale Sechs Vorgesetzte müssen gehen

Die Bundeswehr reagiert auf die Vorwürfe rund um exzessive Aufnahmerituale. Sechs Führungskräfte in der Kaserne Mittenwald müssen gehen. Die Versetzung wird offenbar erst im Herbst vollzogen.

Hochgebirgszug in Mittenwald (Foto)
Der Skandal hat in der Edelweiß-Kaserne personelle Konsequenzen. Bild: ddp

Als erste Konsequenz aus den Berichten über entwürdigende Aufnahmerituale in der Bundeswehr wird die Führung des Hochgebirgsjägerzugs im bayerischen Mittenwald komplett ausgetauscht. Das kündigte Heeres-Inspekteur Hans-Otto Budde im Verteidigungsausschuss des Bundestags an. Als Ergebnis der Ermittlungen haben man sich für einen «personellen Neuanfang» in Mittenwald entschieden, sagte ein Sprecher des Heeres.

Die Maßnahme betrifft sechs Feldwebel und Unteroffiziere und soll im Oktober vollzogen werden. Insgesamt gehören dem Hochgebirgsjägerzug derzeit 24 Soldaten an, zum größten Teil Grundwehrdienstleistende oder freiwillig länger Wehrdienstleistende. Der Sprecher betonte, dass die Ermittlungen noch liefen und weitere Konsequenzen möglich seien. «Wenn erforderlich, werden sofort Maßnahmen ergriffen.»

Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Walther Otremba, soll in der Sitzung des Verteidigungsausschusses nach Teilnehmerangaben zudem einen Bericht der Bundesregierung zu den Exzessen zugesagt haben. Eine entsprechende Forderung hatten die Grünen gestellt.

Vor zwei Wochen hatte der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe dem Ausschuss berichtet, dass es in Mittenwald seit Jahrzehnten Aufnahmerituale gibt, zu denen das Essen roher Schweineleber und Alkoholkonsum bis zum Erbrechen gehört. Am Montag hatte er 23 weitere Zuschriften ehemaliger Soldaten über Exzesse auch in anderen Truppenteilen vorgelegt.

Guttenberg: «Einzelfälle»

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) spricht trotzdem weiterhin von Einzelfällen. «Ich verwahre mich dagegen, dass man ein Pauschalurteil über alle Soldaten der Bundeswehr spricht», sagte er am Rande der Sitzung des Verteidigungsausschusses. Der Minister sagte eine Prüfung jedes einzelnen bekannten Falls «mit Nachdruck und mit Vernunft» zu.

Jeder einzelne Fall sei einer zu viel. «Aber wir sprechen gleichzeitig von 250.000 Soldaten, wo der ganz ganz überwältigend große Teil einen erstklassigen Dienst verrichtet», betonte Guttenberg. Der CSU-Politiker versprach eine schnelle Aufklärung der Vorgänge. Wenn Verfehlungen nachgewiesen würden, müssten Konsequenzen gezogen werden.

Der Kommandeur der 10. Panzerdivision und oberste Truppenvorgesetzte der Mittenwalder Einheit, General Erhard Bühler, sagte dem Konstanzer Südkurier, dem Hochgebirgsjägerzug sei das Ritual in den zurückliegenden zehn Jahren mehrfach verboten worden. Dennoch sei es im Geheimen fortgeführt worden, wie auch aus sichergestellten Tagebüchern hervorgehe.

cvd/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig