Fall Käßmann Verfehlung und Empörung

Es ist die alte Geschichte von Wein und Wasser. Einst wetterte Bischöfin Margot Käßmann gegen Menschen, die betrunken Auto fahren. Nun wurde sie selbst dabei erwischt - und tritt zurück. Ein mutiger Schritt.

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News.de-Redakteur Michael Kraft. Bild: news.de

Die Aufregung war groß, aber unverständlich. Natürlich sollen Amts- und Würdenträger, zumal kirchliche, moralisch vorbildlich sein. Und natürlich sind die Deutschen außer sich vor Schadenfreude, wenn sie Prominente eines empörenden Vergehens überführen können. Wenn ein Tennis-Star sich in die Besenkammer entführen lässt, wenn ein Vorstandsvorsitzender Steuern hinterzieht, wenn ein künftiger Fußball-Nationaltrainer kokainsüchtig ist und ein Parteichef seine Frau betrügt - dann haben wir alle Gelegenheit, sie vom Sockel zu stoßen und an den Pranger zu stellen.

Aber was ist im Fall Käßmann genau passiert? Die Bischöfin hat etwas getrunken und ist danach Auto gefahren. Das ist illegal und unverantwortlich - aber allzu menschlich. Niemand ist zu Schaden gekommen, und im Vergleich zu anderen Fehltritten war dies ein denkbar harmloser.

Margot Käßmann: Kämpferin für Frieden

Trotzdem gab es eine gewaltige Empörung. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat der Versuchung zunächst noch widerstanden, seine frisch gewählte Vorsitzende zu opfern. Doch Käßmann selbst hat nun die Konsequenzen gezogen. Das ist bewundernswert.

Margot Käßmann hätte genauso gut Verständnis einfordern können, Vergebung und Nachsicht - nicht nur in ihrer Kirche, sondern auch in der Öffentlichkeit. Die Bischöfin hat sich nie als moralisch überlegen oder gar unfehlbar präsentiert. Im Gegenteil: Sie hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie ein Mensch ist. Ein Mensch mit Fehlern. Sie hat sich scheiden lassen, sie war schwer krank, sie hat falsche Entscheidungen getroffen und sie hat ihre Lehren daraus gezogen.

Das wird sie auch jetzt wieder. Wenn der Ärger über die eigene Unbedachtheit und die Trauer um das eigene Amt sich legen, wird sie erkennen: Mit ihrem schnellen Rücktritt hat sie ihrer Kirche viel Ärger erspart. Und ihr Gesicht gewahrt.

cvd/reu/news.de

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Arschibald
  • Kommentar 4
  • 03.03.2010 22:37
Antwort auf Kommentar 3

Sie hat auch konsequent gehandelt. Die Kinderficker der katholischen Kirche versuchen die tausendfachen Übergriffe auf Kinder zu verdecken.Was sagt denn deine Seele dazu?

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  • elfi geerk
  • Kommentar 3
  • 26.02.2010 08:00
Antwort auf Kommentar 1

du sprichst mir aus der seele,friese!kurz,sachlich und deutlich.

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  • elfi geerk
  • Kommentar 2
  • 26.02.2010 07:55

sie ist halt auch nur ein mensch und ihr unterlaufen daher naturgemäß auch fehler!wie heißt es doch so schön in der bibel:derjenige unter euch der ohne fehl und tadel ist,werfe den ersten stein. i h r fehler war halt besonders,dass sie sich einmal darüber ausgelassen hatte,dass es ihr unverständlich ist,dass sich ein mensch unter drogen -oder alkoholeinfluss ans steuer eines autos setzt.i c h hätte nicht verlangt,dass sie nun von ihren ämtern zurücktreten muss.aber hut ab vor ihrem mut,freiwillig ihre konsequenzen zu ziehen.

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