Baden-Württemberg Mappus will mit Frauen punkten

Stefan Mappus (Foto)
Den nächsten Wahlkampf fest im Blick: Stefan Mappus hat sein Kabinett in Baden-Württemberg umgebildet. Bild: ddp

Von Edgar Neumann
Die neue Landesregierung in Baden-Württemberg steht. Vor allen Dingen soll die neue Kultusministerin Schwung in die Regierung von Ministerpräsident Stefan Mappus bringen. Denn die nächsten Landtagswahlen sind schon in Sicht.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) versucht mit einer Kabinettsumbildung einen politischen Befreiungsschlag. Die Landtagswahl in gut einem Jahr vor Augen soll seine neue Kultusministerin Marion Schick aus München die verbrannte Erde abräumen, die ihr Vorgänger Helmut Rau (CDU) in den vergangenen Monaten bei Eltern und Lehrern hinterlassen hatte. Die Mutter zweier Kinder arbeitet in Führungsposition bei der Fraunhofer-Gesellschaft und hat bereits in Bayern die CSU-geführte Staatsregierung in Zukunftsfragen beraten und damit ihre bildungspolitische Kompetenz unter Beweis gestellt.

Bei ihrem ersten Auftritt machte die 51-jährige Professorin einen offenen, kommunikativen und durchaus schlagfertigen Eindruck. Sie hat zwar ein Ressort mit einer noch immer guten Finanzausstattung zur Verfügung, aber angesichts der verhärteten bildungspolitischen Fronten im Südwesten auch eine Herkulesaufgabe vor sich. Denn die Bildungspolitik wird in der CDU als offene Flanke gesehen und viele in der Partei haben noch die schwachen Ergebnisse bei der Bundestagswahl und bei der Europawahl im vergangenen Jahr in Erinnerung.

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Mit dieser Personalentscheidung weckt Mappus Erinnerungen an Ex- Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU), der 1995 völlig überraschend die Rheinländerin Annette Schavan (CDU) als Kultusministerin ins Kabinett holte. Die heutige Bundesforschungsministerin sorgte seinerzeit durch zahlreiche Reformvorhaben und Modellprojekte für frischen Wind in der Schullandschaft.

Mappus relativiert das Bild des stockkonservativen CDU-Mannes

Aber auch bei einer anderen Personalie erinnert Mappus an seinen politischen Ziehvater Teufel. So beruft er die parteilose Tübinger Theologin Regina Ammicht Quinn als Staatsrätin für interkulturellen und interreligiösen Dialog sowie gesellschaftliche Werteentwicklung in sein CDU/FDP-Kabinett. Sie hatte sich in ihren Vorlesungen den heiklen Themen Homosexualität, Aids oder Selbstmordattentate gewidmet und ihrer Karriere vorübergehend geschadet: Nachdem ihr die katholische Kirche mehrmals die Lehrerlaubnis verweigerte, wurde sie schließlich Professorin am Tübinger Zentrum für Ethik.

Als dem großen Theologen Hans Küng einst von der katholischen Kirche die Lehrerlaubnis entzogen wurde, weil er die Unfehlbarkeit des Papstes anzweifelte, hatte sich auch Teufel - damals noch als CDU-Fraktionschef im Landtag - für Küng und dessen berufliche Zukunft eingesetzt.

Mappus schlägt mit seinen überraschenden Personalentscheidungen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Er relativiert das häufig gezeichnete Bild des stockkonservativen CDU-Politikers, der die eigene Partei angeblich wieder auf ein überkommenes Gesellschaftsbild zurückführen will. Außerdem steigert er mit einem Schlag die Frauenquote im Kabinett und demonstriert damit einen offenen und gleichberechtigten Führungsstil. Dabei war ihm sogar die Parteizugehörigkeit seiner neuen Regierungsmitglieder egal. Sowohl Schick als auch Ammicht Quinn kamen bisher ohne Parteibuch aus. Schick will allerdings in die CDU eintreten, um vermutlich auch besser für die eigene Bildungspolitik werben zu können.

hav/ped/news.de/dpa

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