Nato-Offensive Taliban leisten «minimalen Widerstand»

Im Süden Afghanistans hat die größte Offensive gegen die Taliban seit dem Sturz ihres Regimes 2001 begonnen. Rund 15.000 Nato-Soldaten rücken gegen die Radikal-Islamisten vor, die kaum Widerstand leisten. 

Großoffensive gegen Taliban beginnt (Foto)
Die Großaktion gegen die Taliban ist gestartet. Bild: dpa

Gegen die Taliban in Afghanistan hat am frühen Morgen die größte Militäroffensive seit acht Jahren begonnen. Vor allem amerikanische und britische Soldaten nehmen daran in der Provinz Helmand im Süden des Landes teil. Ziel der Operation «Muschtarak» (Gemeinsam) ist die Taliban-Hochburg Mardscha.

Die afghanischen und ausländischen Soldaten seien nach Beginn der Operation zu Fuß, in Lastwagen und mit Hubschraubern in den Distrikt Mardscha einmarschiert, sagte US-Armeesprecher Abraham Sipe. Die Taliban würden bislang «minimalen Widerstand» leisten.

Mit «überwältigender Gewalt» gegen die Taliban

Bei den ersten Kämpfen wurden fünf Taliban getötet und acht gefangengenommen, wie der Sprecher der Provinzregierung, Daud Ahmadi, erklärte. Die Truppen rückten zunächst nur langsam durch das verminte Gelände mit den Schlafmohnfeldern vor. Gelegentlich waren Schusswechsel zwischen den US-Truppen und den Aufständischen zu hören. Die vorrückenden Truppen «gehen davon aus, dass ausländische Talibankämpfer bis zum Tode kämpfen werden», berichtete CNN. Von lokalen Rebellen werde hingegen eher erwartet, dass sie sich absetzen und flüchten.

An dem Einsatz sind Truppen aus den USA, Großbritannien, Dänemark, Estland und Kanada sowie Afghanistan beteiligt. Ziel sei, die Taliban aus ihrer Hochburg Mardscha in der Provinz Helmand zu vertreiben, teilte die Internationale Schutztruppe ISAF mit. Die Truppen würden mit «überwältigender Gewalt» gegen jene Aufständischen vorgehen, die das Angebot der Regierung nicht annehmen, sich zu reintegrieren und sich in den politischen Prozess einzugliedern. Die Soldaten würden sich besonders darauf konzentrieren, die Zivilbevölkerung zu schützen.

Mardscha ist Afghanistans wichtigstes Handelszentrum für Rohopium. Die Taliban finanzieren sich auch mit dem Drogenhandel. In Mardscha haben die sie eine Art Gegenregierung ausgerufen.

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«Wir werden den Feind verfolgen und sie zur Verantwortung ziehen», zitierte CNN den afghanischen General Mohiyiden Ghori. In den vergangenen Tagen waren Hunderte Zivilisten aus der Kampfregion geflohen.

«Der Anfang vom Ende»

US-Brigadegeneral Lawrence Nicholson sagte laut Washington Post: «Wir werden Mardscha den Taliban wegnehmen.» Das könne «zu einer grundlegenden Veränderung in Helmand führen» und möglicherweise in ganz Afghanistan. Der britische Brigadegeneral James Cowan sagte, die Operation werde den Anfang vom Ende des Aufstands bedeuten. An dem Militärschlag nehmen rund 1200 britische Soldaten teil, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in London.

Stunden vor Beginn der Operation um 2 Uhr Ortszeit hätten eine unbemannte Drohne und Apache Kampfhubschrauber Aufständische angegriffen, die Sprengfallen anlegten und Waffen zur Abwehr von Luftangriffen installierten. Elf Extremisten seien getötet worden. Zivilisten flüchteten. Talibankämpfer zwangen andere Zuhause zu bleiben und warnten, dass die Straßen aus Mardscha vermint seien.

Um zivile Opfer zu vermeiden, hätten die Isaf-Truppen Flugblätter über Mardscha abgeworfen und die Bevölkerung vor der Operation gewarnt.

Massive Eskalation

Der afghanische Präsident Hamid Karzai habe nach Gesprächen mit US-Botschafter Karl Eikenberry und dem Oberkommandierenden der US- und Nato-Truppen am Hindukusch, General Stanley McChrystal, dem Vorstoß zugestimmt. Es sei die erste große Militäroperation des Krieges, der Karzai zugestimmt habe, schrieb die Washington Post unter Berufung US-Beamte.

Bereits vor Beginn der Offensive hatte der Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi gedroht, die Aufständischen würden Mardscha verteidigen und hätten rund um die gleichnamige Distrikthauptstadt Sprengsätze platziert.

US-Präsident Barack Obama hat für dieses Jahre eine massive Eskalation des seit Ende 2001 andauernden Krieges angekündigt und rund 30.000 zusätzliche US-Truppen in Marsch gesetzt. In der Taliban-Hochburg verschanzen sich den Angaben zufolge etwa 1000 Kämpfer. CNN zeigte Bilder, wie US-Truppen mit schwerem Gerät vorrückten.

Der Bezirk Mardscha in der südafghanischen Provinz Helmand ist vollständig in der Gewalt der radikal-islamischen Taliban. In dem Gebiet leben mehr als 120.000 Menschen, allein die Einwohnerzahl der gleichnamigen Bezirkshauptstadt Mardscha wird auf rund 80.000 geschätzt.

cvd/juz/news.de/ap/dpa

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Käptn Nuss
  • Kommentar 5
  • 13.02.2010 22:03
Antwort auf Kommentar 2

hahahaha.... wächterrat, ich liebe deine kommentare.... genial.... und leider wahr!!! westerwelle reist ja schon mit geldkoffer nach afghanistan um es an die taliban zu verteilen, der irre knallkopf.....

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  • Felix Kroll
  • Kommentar 4
  • 13.02.2010 17:15
Antwort auf Kommentar 3

Hallo Kaktus, das war ein Guellewagen !

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  • Kaktus
  • Kommentar 3
  • 13.02.2010 13:34

Nun kommt das zum tragen, was ich bei dem Tankwagenbombardement schon geschrieben habe: Wer ist Taliban und wer Zivilist? Jetzt haben sie ihre Waffen in Erdlöcher versteckt und machen auf Zivil. Wenn die Soldaten abgezogen sind, sind es wieder Taliban. Die afghanische Bevölkerung hat soviel Angst vor diese Mörder, das diese nicht verraten werden. Also wieder mal, der berühmte Schlag ins Wasser.

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