Giorgos Papandreou Gibt er den Griechen das Lächeln zurück?

Ein Sozialist, der Sozialleistungen kürzt - passt das zusammen? Für Giorgos Papandreou muss es funktionieren. Denn der Premierminister Griechenlands soll sein Land vor der Pleite retten.

Giorgos Papandreou (Foto)
Sparkommissar: Griechenlands Premier Giorgos Papandreou. Bild: dpa

So haben die Griechen nicht gewettet. Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen. Diesem Motto sollte sich Giorgos Papandreou nun auch verpflichtet fühlen - glauben viele Bürger des Mittelmeerstaates. Schließlich hat der Mann, den sie durch ihre Stimme zum Ministerpräsidenten gemacht haben, im Wahlkampf versprochen, drei Millionen Euro unters Volk zu bringen. Doch mit der Herrlichkeit ist es vorbei. Griechenlands Haushalt steht unter der Kontrolle der Europäischen Union. Da mögen die Menschen auf den Straßen noch so sehr Zeter und Mordio schreien - Papandreou sind die Hände gebunden.

Den Sparhaushalt, den das Parlament mit den Stimmen der regierenden Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) beschloss, mutet den Griechen einiges zu. Das Sozialbudget soll um zehn Prozent reduziert werden, das Sicherheitssystem für Arbeitslose und sozial Schwache beschnitten, der riesige öffentliche Dienst durch Stellenabbau verkleinert und Tabak, Spirituosen und Treibstoff mit höheren Steuern belastet werden. So soll das Defizit des Staates von 12,7 auf 8,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gedrückt werden.

Doch das Staatsdefizit ist nicht Papandreous größte Sorge, wie er nach der Verabschiedung des Haushaltes bekannte: «Unser größtes Defizit ist der Verlust der internationalen Glaubwürdigkeit, und wir müssen diese Glaubwürdigkeit im In- und Ausland wiederherstellen.»

Wütende Griechen gehen auf die Straße

Ob das dem Regierungschef gelingen wird? Das Vertrauen der wütenden Griechen zurückzugewinnen, die ob der Sparmaßnahmen auf die Straße gehen, scheint unwahrscheinlich. Der Wille zur Änderung, er scheint nicht da zu sein und vor allen Dingen nicht der Glaube der Menschen daran, dass die Regierung es richten kann.

Zwar erreichte Papandreou bei den Wahlen im Oktober 2009 einen ungefährdeten Sieg, der seiner sozialistischen Partei die absolute Mehrheit brachte. Doch vielfach wurde sein Triumph eher als Ohrfeige für die konservative Regierungspartei von Ex-Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis gewertet. Papandreou muss jetzt zeigen, was er kann.

Als Spross einer Politikerdynastien wurde ihm die Politik in die Wiege gelegt. Oder auf griechisch: Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihn die Vetternwirtschaft nach oben spülen würde. Seine politische Karriere begann Papandreou 1981 als Parlamentsabgeordneter der Pasok, die sein Vater und damaliger Ministerpräsident Andreas Papandreou führte. Über verschiedene Regierungsämter stieg er 1999 zum Außenminister auf. Während seiner Amtszeit verbesserten sich die schwierigen Beziehungen zwischen den ehemals verfeindeten Nachbarn Griechenland und Türkei deutlich. Das ist bislang sein größter politischer Erfolg. 2004 übernahm er die Führung der griechischen Sozialisten und überlebte politisch zwei schwere Wahlniederlagen 2004 und im September 2007.

Nicht nur der Vater Papandreous war Ministerpräsident, auch sein Großvater bekleidete das Amt. Der war zweimal Premier - in den 1940er und 1960er Jahren. Papandreous Vater regierte Griechenland noch länger, zwischen 1981 und 1989 und danach wieder zwischen 1993 und 1996. Der bekennende Sportfan Papandreou, der auch in Athen mit dem Rad unterwegs ist, gilt nicht unbedingt als Charismatiker innerhalb der Familiendynastie. Seine Gegner - und sogar einige seiner Freunde - nennen ihn «Georgakis», kleiner Giorgos.

Ist Papandreou nicht griechisch genug?

Der kleine Giorgos wurde in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota geboren. In den USA verbrachte Papandreou seine Kindheit bevor er kurz nach Griechenland zurückkehrte. Doch unter der Militärdiktatur von 1967 bis 1974 ging die Familie wieder ins Exil, so dass der studierte Soziologe den Großteil seiner Jugend im Ausland verbrachte. Seine Muttersprache wurde so für ihn zur Fremdsprache und «Georgakis» oft dafür kritisiert, nicht griechisch genug zu sein.

Völlig untypisch griechisch wird sich Papandreou jetzt auch angesichts der großen Krise des Staates verhalten müssen. Unter dem strengen Auge der EU wird der Schlendrian, der den Griechen vermeintlichen Wohlstand gebracht hat, nicht länger einzuhalten sein. Schon im Wahlkampf hatte Papandreou versprochen, der Korruption und Vetternwirtschaft den Kampf anzusagen. Das System anzugreifen, das ihn selbst bis an die Spitze des Landes gebracht hat, haben ihm viele Beobachter nicht zugetraut. Jetzt wird er es müssen.

«Ich will Griechenland sein Lächeln zurückgeben», zitierte der Tagesspiegel Papandreou nach seinem Wahlsieg. Die Finanzwächter der EU lächeln nicht. Die Menschen auf Griechenlands Straßen lächeln auch nicht. Bis die Wiege Europas - und mit ihr Giorgos Papandreou - das Lächeln wiedergefunden hat, wird es noch eine Weile dauern.

seh/news.de/dpa/ap

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