Ein Verbrecher und null Euro für Bildung
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Von news.de-Redakteur Timo Nowack
Artikel vom 09.02.2010
Das Bundesverfassungsgericht entscheidet über die Rechtmäßigkeit der Hartz-IV-Regelsätze. Doch wie geht es eigentlich den Menschen, die von dem Arbeitlosengeld leben müssen?
«Die Grundversorgung ist mit Arbeitslosengeld II gedeckt, aber größere Anschaffungen sind nicht drin», sagt Karin Thomsen*. «Wenn etwa das Auto kaputt ist, kann man das davon nicht bezahlen.» Den letzten Urlaub hat die 40-Jährige mit ihrer kleinen Tochter im Kleingarten verbracht. Auch der Zoo-Besuch ist für sie nur schwer zu finanzieren. Zum Kinderturnen kann sie die Vierjährige gerade so schicken, auch weil die mit vier Jahren noch wenige Wünsche hat. «Das wird sich aber wohl ändern, wenn sie in die Schule kommt und sieht, was die anderen Kindern alles haben», sagt die Frau mit der Brille und den schwarzen, halblangen Haaren. Sie sitzt im Büro einer Erwerbsloseninitiative in Leipzig. Doch sie ist nicht hier, weil sie Beratung sucht - sie ist die Beraterin.
Ihr Job macht Thomsens Fall zu etwas Besonderem, denn er bietet keinen Platz für Ausreden. «Die Familie hat nur so wenig, weil sie einen falschen Bescheid nicht bemerkt hat», «Wenn die sich mehr Zeit mit den Formularen nehmen würden, wäre das alles gar nicht so schlimm», «Wenn die wüssten, wie schlecht es anderen geht» - all diese Sprüche zählen nicht bei der Hartz-IV-Empfängerin Karin Thomsen. Denn sie selbst berät andere Arbeitslose, prüft ihre Bescheide, hilft ihnen mit der Formulierung von Widersprüchen und der Beantragung von Wohngeld. Sie kennt jede Regel, jeden Paragraphen, erkennt jeden Zahlendreher im Hartz-IV-Bescheid. «Ich kann die Bescheide nachrechnen», sagt sie, «und bundesweit ist jeder dritte falsch». Thomsens Fall zeigt, wie schwer das Leben mit Hartz IV ist, selbst wenn man das System in- und auswendig kennt, keine Fehler macht und das Möglichste für sich herausholt.
36 Stunden pro Woche arbeitet Thomsen bei der Erwerbsloseninitiative. Es ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme - «Arbeitsgelegenheit in der Entgeltvariante» heißt es heute im Behördendeutsch. Zusammen mit zwei Kolleginnen sitzt sie in einem schlicht eingerichteten Büro, auf ihrem Tisch ein Laptop, ein Drucker, ein abgewetztes Notizbuch und einige Infoprospekte zum Sozialgesetzbuch. Rund 300 Arbeitslose suchen hier jeden Monat Hilfe. Alles, was die Damen wissen und weitergeben, haben sie sich selbst beigebracht. Der Begriff Hartz IV ist bei ihnen tabu. «Es heißt ALG-II-Leistung», erklärt Thomsen. Denn Hartz IV «trägt den Namen eines Verbrechers», ergänzt ihre Kollegin - und spielt damit auf Namensgeber Peter Hartz an, der als VW-Manager wegen Veruntreuung von Firmengeldern verurteilt wurde.
«Verhungern muss keiner»
Wie der Staat die Bedürfnisse von Arbeitslosen und ihren Kindern ermisst, zeigt Thomsen anhand einer Tabelle. Darin ist aufgeschlüsselt, woraus sich das Arbeitslosengeld zusammensetzt: «Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren»: 132,47 Euro für eine alleinstehende Person, 79,34 Euro für Kinder im Alter bis sechs Jahren. Für «Bekleidung und Schuhe» sind es 35,63 Euro und 21,34 Euro. Die Liste hat insgesamt elf Punkte. Nur bei Punkt neun steht als Summe 0,00 Euro - das ist für Bildung.
Was dabei herauskommt? Als Alleinstehender stehen Karin Thomsen 359 Euro Arbeitslosengeld II zu, davon bleiben 190 Euro übrig, nachdem der Bruttoverdienst von 1080 Euro bei der Erwerbsloseninitiative gegengerechnet wurde. Dazu kommen 215 Euro für ihre Tochter. Außerdem zahlt der Staat die Miete für ihre Wohnung - solange diese als angemessen gilt. Eine weitere Tabelle vor Thomsen zeigt, was das heißt: Zwei Personen dürfen bis zu 60 Quadratmeter bewohnen und bekommen dafür in Leipzig bis zu 372 Euro erstattet für Miete, Heiz- und Nebenkosten.
Thomsens großer Vorteil ist das, was sie ein gesundes Umfeld nennt: Eltern, Großeltern, Freunde, die für sie und ihre Tochter da sind, ihnen in schlimmen Zeiten zur Seite stehen und überhaupt ermöglichen, dass sie Job und Tochter unter einen Hut bekommt. «Viele Leute haben aber nicht so einen sozialen Verbund», spricht sie aus, was sie in ihrer täglichen Arbeit sieht. Dabei merkt sie auch, dass nicht nackte Armut das Problem der ALG-II-Empfänger ist. «Verhungern muss keiner», sagt Thomsens Kollegin vom Nachbartisch. «Ob eine gesunde Ernährung möglich ist, ist eine andere Frage.» Das Problem sind die Tristesse, die Einschränkungen, oft auch die Perspektivlosigkeit.
200 Stellen für rund 35.000 Arbeitlose
Karin Thomsen ist gelernte Schweinezüchterin. Doch der Job - in den die DDR-Berufsberatung sie drängte, weil der Staat gerade Schweinezüchter brauchte - war der falsche für sie, ein «persönliches Missgeschick», wie sie sagt. Darum wechselte Thomsen nach der Wende in verschiedene andere Jobs, erst als Angestellte in «Leipzigs erstem, größten und besten CD-Verleih», zuletzt als Empfangsdame bei einer Versicherung. Doch ihr Vertrag wurde Ende 2003 nicht verlängert und seitdem bezieht sie Arbeitslosengeld.
Ihre Ansprüche heute sind nicht hoch: Sie würde gerne wieder am Empfang oder in der Poststelle eines Unternehmens arbeiten. «Mein Ziel ist es, wieder eine Vollzeitbeschäftigung zu bekommen bis zum Eintritt ins Rentenalter», sagt Thomsen. «Aber da klammere ich vielleicht all das aus, was ich weiß.» Und was sie weiß, zeigt auch der Computer vor ihr deutlich: «Ich habe vorhin nachgeschaut bei der Arbeitsagentur mit dem Suchbegriff «Arbeitsplatz Leipzig»», sagt sie. «Das ergab 200 Angebote.» Und das bei offiziell rund 35.000 Arbeitslosen. Als wären diese Zahlen nicht genug, sagt Thomsen: «Für mich ist da nicht eine Stelle dabei.» Denn: «Solche Stellen gibt es einfach nicht.» Selbst in der Poststelle wollten die Unternehmen gelernte Bürokauffrauen.
Dabei hat sie es durchaus versucht. Nachdem sie arbeitslos geworden war, hat sie sich «beworben wie eine Verrückte». Die Stellenangebote musste sie sich selber suchen. Obwohl ihr das Amt vier Bewerbungen pro Monat vorschrieb, machten ihr die Berater keine Jobvorschläge. Da ihre Bewerbungen erfolglos blieben, beantragte sie bei der Arbeitsagentur eine Umschulung zur Bürokauffrau. Doch die lehnte ab. «Die Begründung war: Es gibt schon genug arbeitssuchende Bürokauffrauen», erzählt Thomsen. «Außerdem wurde mir mein Alter vor Augen geführt.» Der aktuelle Job bei der Erwerbsloseninitiative war «in der ganzen Zeit das erste Angebot» vom Arbeitsamt. Befristet ist die Maßnahme erstmal auf zwölf Monate, bis April dieses Jahres - ob sie verlängert wird, wissen die Frauen noch nicht. «Das erfahren wir erst in letzter Sekunde.»
* Name von der Redaktion geändert
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So schön ist es auch nicht Ich bekome 500€ für die mitte aber bezale 1100 KM das reicht forne und hinten nicht Ich würde was dazu ferdinen aber darf nicht das wert verechnet wir sind 5 köpfige familie wie kan ich meine Kinder das erkleren ich bekome ins gesamt 1680€ aber die gesamte mite betregt 1340€ plus strom 60€ plus 57€ Telefon 250€ fahrkarten fom essen ist keine rede,ich weis nicht ob es so gut ist Arbeitslos zu sein.
jetzt antwortenKommentar meldenNachdem die Truemmerfrauen die durch den Krieg zerstoerten deutschen Staedte aufgeraeumt hatten und der Wiederaufbau Deutschlands beginnen konnte, hatte fast jeder einen Arbeitsplatz. Die Loehne waren zwar nicht mit den heutigen zu vergleichen, aber alle Menschen waren zufrieden mit dem was sie hatten. Nun ist aber leider alles wieder aufgebaut und die auslaendische Industrie macht den Deutschen schwer Konkurrenz. Dadurch und durch die Roboter die ueberall benutzt werden (ohne Robotersteuer zu zahlen)fehlen heute Arbeitsplaetze. Wenn wir wieder einen Krieg verloren haben, geht es Allen besser.
jetzt antwortenKommentar meldenIch gebe Dir recht... Hier mein Kommentar, den ich dazu verfasst habe. Das Dämlichste was jemals erfunden wurde ist und bleibt Hartz IV !!! Gut gedacht, dessaströs gemacht !!! Warum die Disskussion darüber, dass bei einer Anhebung der Sätze, Hartz IV Empfänger mehr haben könnten, als Arbeitnehmer die arbeiten gehen? Es geben sich hier nämlich zwei Probleme die Hand. Doch das wird gerne todgeschwiegen! Wer hat denn der Zeitarbeit Tür und Tor geöffnet? Diese sollte Abhilfe schaffen bei Arbeitslosigkeit um Menschen eine Chance zu verschaffen auf diesem Weg wieder in ein Beschäftigungsverhältnis zu gelangen. Dadurch wurde eine Gesellschaft heran gezüchtet, die selbst zu den schlechtesten Konditionen noch arbeiten gehen. Zum Leben zu wenig und zum sterben zu viel. Wir verlieren nach, immer mehr unseren Stolz, unsere menschliche Würde in diesem Land,lassen uns mehr und mehr verkaufen, gängeln, ausnutzen und sehen uns schlimmsten Falls in der Situation, mit Alkohol Kranken, wenn wir Hartz IV Empfänger werden sollten, dann auch noch zu allem Unglück hinzu, mit diesen über einen Kamm geschoren zu werden. Die Zeitungen sind voll mit 400,- € Jobs. Viele kennen ihre Rechte nicht und werden deshalb noch zusätzlich von Arbeitgebern auf dreisteste Weise über den Tisch gezogen. Bei der Anzahl an Minijobs und Teilzeitbeschäftigung, fehlenden Vollzeitbeschäftigungen und paralell sinkenden Löhnen, ist es keine Kunst zu behaupten, das Arbeitende genauso viel in der Tasche haben, wie die Menschen, die sicher noch größtenteils unverschuldet in Hartz IV Bezug geraten sind. Hier müsste in zwei Richtungen angesetzt werden, anstatt eine Katastophe gegen eine andere aufwiegen zu wollen. So wird das Nix, vereehrte Staatsvertreter !!! Ich war selbst Hartz IV Empfänger und habe über ein Jahr, trotz sehr guten beruflichen Reverenzen und drei abgeschlossenen Ausbildungen keine Vollzeitbeschäftigung gefunden. Heute arbeite ich unter meiner Qualifikation als Putzfrau und morgens im Büro. Und habe Netto knapp 1000,- € im Monat. Nicht gerade viel, aber jedenfalls besser, als weiterhin Sklave und gläserner Mensch für unsere hoffentlich bald schrupfenden Lobbyistengesellschaft zu sein. Zum Thema Kinderzuschlag auch noch etwas. Zusammen lebende und verheiratete Paare bekommen ihn, wenn sie nicht genug verdienen. Aber', Alleinerziehende, die Unterhalt für Ihr Kind bekommen NICHT ! Warum? Ganz einfach, bei Hartz IV Bezug wird der Unterhalt fürs Kind auf die sogenannte Bedarfsgemeinschaft umgelegt. Was aber, wenn ich einen 400,- € Job habe und auf Hartz IV bewusst verzichten möchte und meinen Mehrbedarf versuche über Wohngeld und Kinderzuschlag auszugleichen nicht funktioniert, weil derUnterhalt dann nur noch dem Kind wie ein Einkommen zugerechnet wird. Es gibt auch keine Möglichkeit, Krankenversicherungsbeiträge, die ich als Minijobber selbst bezahlen muss (138,50 €)und was in diesem Lohnniveau schwer zu bestreiten ist, über einen gesonderten Antrag, Hartz IV unabhängig zu stellen. Es ist fast nicht mehr möglich aus dieser Abhängigkeit überhaupt noch heraus zu kommen, weil mitlerweile immer mehr Wege rein anstatt raus führen. Ich habe es dennoch geschafft. Leide aber mit all jenen mit, die dieses Damoklessschwert nach wie vor über sich haben. Eine Hartz IV Reformierung ist wie die Operation an einem Toten -Operation gelungen, Patient tot. In diesem Sinne verabschiede ich mich und grüße all Jene, denen ich hier vielleicht aus der Seele sprechen konnte.
jetzt antwortenKommentar meldenAlso wie jetzt. Frau Karin Thomsen bekommt 1080 EUR Arbeitlohn je Monat + 190 EUR ALG II + 215 EUR fürs Kind + 372 EUR für Miete. Das ergibt, nach Adam Riese, 1857 EUR. Mehr hab ich och nich, sogar noch weniger und ich gehe 40 Stunden die Woche arbeiten (unbezahlte Überstunden und Fahrzeit exklusive). Wie kann ich einen Termin bei Frau Thomsen bekommen. Ich hätt auch gern ALG II.
jetzt antwortenKommentar meldenNa, solange wie wir das zulassen.Jetzt kommt das nähste und zwar werden sie jetzt mit hilfe der SPD das Grundgesetz ändern.Nun wird es langsamm Zeit sonst gehen wir alle für einen Stundenlohn von einen Euro arbeiten.Auf die Strasse wir müssen Wach werden
jetzt antwortenKommentar meldenDer Name des Verbrechers und Betrügers Hartz ist programmatisch für die Politik dieser Unrechtsregierung. Wie lang dürfen diese vollgefressenen Tyrannen noch ihren Hass auf uns mit immer neuen Schikanen loslassen? Wie lange hält das Volk noch still?
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