Ende der Kaperfahrten in Sicht
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Monatelang sorgten somalische Piraten für Unruhe am Golf von Aden. Dank internationaler Zusammenarbeit hat sich die Lage entspannt.
Soweit das Auge reicht, herrscht Ruhe im Indischen Ozean. Tanker und Containerschiffe sind in der Ferne zu sehen, im Küstenbereich hissen tansanische Fischer die Segel ihrer traditionellen Boote, der Dhows.
Mit solchen Booten gehen immer wieder auch somalische Piraten auf die Jagd nach einträglicher Beute, die sie gegen die traditionellen Fischgründe eingetauscht haben. Der schmale Golf von Aden, den die Schiffe für eine Fahrt durch den Suez- Kanal passieren müssen, erwies sich in den vergangenen Jahren für dutzende Schiffe und ihre Besatzung als Falle, die mit oft monatelangem bangen Warten in der Gewalt der Seeräuber verbunden war.
Die Bedrohung durch die Piraten hat aber auch zu einer internationalen Zusammenarbeit geführt, die alle politischen, ideologischen und geographischen Grenzen durchbricht. Inzwischen tummeln sich Dutzende Kriegsschiffe im Golf von Aden, aber auch im Indischen Ozean. Neben den derzeit von dem italienischen Konteradmiral Giovanni Gumiero kommandierten EU-Navfor-Schiffen sind Schiffe und Hubschrauber der Nato, Russlands, Indiens, Japans oder Südkoreas im Einsatz. Der vor gut einem Jahr gegründeten Kontaktgruppe zur Piraterie vor Somalia gehörten zunächst 24 Staaten an - inzwischen sind es mehr als 50.
Vor wenige Tagen wurde bekanntgegeben, dass China «voraussichtlich bald» eine Führungsrolle in der internationalen Zusammenarbeit gegen die modernen Freibeuter spielt. Es gebe eine Einigung zwischen China, der Europäischen Union und den anderen Teilnehmern an dem Einsatz zum Schutz der Schifffahrt vor der Küste Somalias, berichtete ein Vertreter des chinesischen Verteidigungsministeriums nach Angaben der Internetseite der «China Daily». Dies wäre eine bislang einmalige Ausweitung der chinesischen Verantwortung in einem internationalen Militäreinsatz. Im Golf von Aden sind die chinesischen Kriegsschiffe schon jetzt.
«In der Praxis kann die internationale Zusammenarbeit so aussehen, dass beispielsweise ein japanisches Flugzeug ein verdächtiges Boot entdeckt, das von einem Atalanta-Schiff, das in der Gegend unterwegs ist, überprüft wird» beschreibt der niederländische Commodore Pieter Bindt, der den Navfor-Einsatz im Indischen Ozean bis Mitte Dezember geleitet hat. «Oder ein türkisches oder indisches Marineschiff schließt sich der Verfolgung eines verdächtigen Schiffs an.»
An Bord der schwimmenden Kommandozentrale sind nicht nur die Schiffe des Atalanta-Einsatzes der EU per Funk und Internet vernetzt. In der Einsatzzentrale unter Deck flackern Lichter, die Schiffspositionen markieren, auf digitalen Seekarten. Marineoffiziere aus Deutschland, Spanien, Italien oder den Niederlanden sind im ständigen Kontakt auch mit den Kollegen der Nato, aus Russland oder Indien.
Über das Chatprogramm «Mercury» werden Daten und Informationen über Schiffe und ihre Bewegungen ausgetauscht - ein geschlossenes System, das den Mitgliedern der internationalen Anti-Piraten-Allianz ermöglicht, die Aktivitäten der Piraten schneller zu erfassen und ihnen nach Möglichkeit zuvorzukommen.
«Die Asiaten patrouillieren nicht regelmäßig im Seefahrtskorridor wie die Navfor-Schiffe, sondern stellen Konvois zusammen», sagt Bindt. «Aber auch europäische Schiffe profitieren davon, da auch sie die Möglichkeit haben, sich einem Konvoi anzuschließen.» Dank «Mercury» könnten sich die internationalen Partner buchstäblich vernetzen. «Am Anfang des Einsatzes fehlten konkrete Daten und Informationen», sagt ein deutscher Marineoffizier. «Aber mit jedem neuen Eintrag wird das Netz gegen die Piraten engmaschiger.»
san/ivb/news.de/dpa
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