Besuch bei den Anderen
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Von news.de-Redakteurin Andrea Schartner
Artikel vom 29.01.2010
«Gut, dass der Umweltminister zum Neujahrsempfang gekommen ist», verlautet es aus dem Bundesverband Erneuerbarer Energien (BEE). Doch der Eindruck von einem Besuch aus dem Feindesland bleibt.
Sie sind viele, sie tragen Anzug und sie haben kulinarisch mächtig aufgefahren im Hotel Maritim in der Berliner Friedrichstraße. Die Grünen-Politiker Hans-Josef Fell und Michaela Hustedt sowie der SPD-«Solarpapst» Hermann Scheer sind darunter. Sie zählten zu den Antreibern, als es vor Jahren darum ging, alternative Energien auf der großen politischen Bühne salonfähig zu machen.
Ende Januar feiern Gäste und Mitglieder des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) den Neujahrsbeginn 2010. Der Wunsch, es möge ein erfolgreiches Jahr für die alternativen Energien werden, schwebt allzeit präsent über dem großen Festsaal. Auch, wenn die Ausgangslage nicht gerade auf rosa Wolken gebettet ist. «Die fehlgeschlagenen Verhandlungen in Kopenhagen stellen einen tiefen Einschnitt dar, den man nicht einfach wie ein verlorenes Fußballspiel den Archiven der Berichterstattung übereignen kann», so sagt es BEE-Präsident Dietmar Schütz.
Er ist der erste Redner an diesem Abend und er wendet sich direkt an Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), der mit wenig Aufhebens den Saal betreten und zwischen all den Unterstützern der Öko-Energien Platz genommen hat. Der BEE-Präsident zeigt Verständnis für die schwierige Situation, die die weltweite Wirtschaftskrise mit sich bringt, er betont Gemeinsamkeiten: «Sie haben nach Kopenhagen gesagt ‹Jetzt erst recht!›. Diesen Ansatz unterstützen wir,»sagt er zum Umweltminister.
Die Worte sind mit Bedacht gewählt, zunächst. Unruhe berauscht den Raum, als Schütz den Bundesumweltminister als «Herr Röttgers» tituliert. Fehler sind nicht gern gesehen in diesen heiklen Zeiten. Die Kritik wartet am Ende der Ausführungen: Unterstützung für den Atomstrom, der Bau neuer Kohlekraftwerke, reduzierte Subventionen bei der Solarenergie - das sind nur einige der Diskrepanzen zwischen schwarz-gelber Umweltpolitik und den Lobbyisten der erneuerbaren Energien.
Röttgen ist ein Gentleman. Elegant gleitet er auf die Bühne. Den «Herrn Röttgers» verzeiht er großmütig. Röttgen betont, dass er auf Dialog setze, dass im Koalitionsvertrag die Förderung Erneuerbarer Energien als ein Hauptziel in der Klimapolitik manifestiert sei. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber wird später sagen, er habe diese Rede bereits zum vierten Mal in ähnlicher Art und Weise gehört. «Leider aber besteht beim Bundesumweltminister eine Diskrepanz zwischen Reden und Handeln», wird Kelber sagen.
Röttgen bemüht sich, die schwarz-gelben Beschlüsse zu erklären. Vielleicht ignoriert er Zwischenrufe wie ein ironisches «Hört! Hört!» oder ein «Die Chinesen werden's danken». Vielleicht sind sie auch einfach zu leise. Röttgen spricht von Rendite, davon, dass die Förderung alternativer Energie einhergehen muss mit Wirtschaftlichkeit. Dass Solarenergie und Photovoltaik nicht «überwirtschaftet» werden dürften.
Höflichkeit ist keine Brücke an diesem Abend. Gegenargumente lassen in der anschließenden Diskussion nicht lange auf sich warten. Aber da hat der Umweltminister längst wieder den Saal verlassen. Genauso leise und elegant, wie er erschienen ist.
mac/ivb/news.de
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