Berufsbild: Trottel
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Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein
Artikel vom 28.01.2010
Die Armee braucht Nachwuchs und will junge Leute mit neuen Modellen locken. Die Politik könnte ihr einen Strich durch die Rechnung machen.
Afghanistan zehrt an den Kräften. Wegen der Mission am Hindukusch und anderen Auslandseinsätzen braucht die Bundeswehr dringend Soldaten, die sich für längere Zeit zum Dienst verpflichten. Genau die aber könnten in den nächsten Jahren knapp werden. Grund ist der Bevölkerungsrückgang. Hunderttausende junge Männer und Frauen weniger werden in Zukunft jedes Jahr zur Verfügung stehen – und um die wird die Armee dann noch mit der freien Wirtschaft konkurrieren. Höchste Zeit also für Überlegungen, wie die Attraktivität des Soldatenberufs gesteigert werden kann.
Das Verteidigungsministerium ist schon am planen, und im Gespräch ist vieles: Bewerber sollen sich länger verpflichten können, die Dienstzeiten sollen flexibler, die Unterkünfte besser, die Ausrüstung moderner werden. Das alles ist wichtig, und doch könnte es sein, dass es nicht reicht. Denn ob sich junge Männer und Frauen für die Armee entscheiden, wird auch davon abhängen, wie das Bild des Berufes in der Öffentlichkeit aussieht.
Und da könnten Einsätze wie der in Afghanistan zum Stolperstein werden. Dass gefährliche Missionen im Ausland Teil des Berufes sind, hat inzwischen wohl jeder verstanden. Wer Soldat werden will, muss sich überlegen, ob dieses Risiko für ihn in Frage kommt. Wie Politiker, die die Bundeswehr in Krisengebiete schicken, dann mit den Soldaten umgehen, steht jedoch auf einem anderen Blatt.
Wer am Hindukusch Dienst tut, der muss nicht nur Bombenanschläge der Aufständischen fürchten – sondern auch langwierige Gerichtsverfahren, wenn er im Einsatz Afghanen tötet. Noch immer gibt es keinen konkreten Plan zur Einrichtung einer spezialisierten juristischen Instanz zur Aufarbeitung solcher Fälle. Eines Gerichts also, das weiß, worüber es urteilt.
Wieviele Truppen am Hindukusch sind, wo sie eingesetzt werden und welches Material sie zur Verfügung haben, das wird nicht nach den Bedürfnissen der Armee oder der Lage vor Ort entschieden, sondern nach der innenpolitischen Gemengelage. Und wenn Soldaten etwa zum Schutz vor Geschossen Sandsäcke aufs Dach eines Fahrzeugs montieren, dann müssen sie mit einem Rüffel aus der Heimat rechnen – wegen Verstoßes gegen die Betriebsgenehmigung.
Wer das vor Augen hat, der wird sich zweimal überlegen, ob er zur Bundeswehr gehen und möglicherweise im Auslandseinsatz sein Leben riskieren will. Zum Trottel machen lässt sich niemand gern.
mik/reu/news.de
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