Mi., 08.02.12

Bundeswehr Berufsbild: Trottel

Von news.de-Redakteur Christoph Heinlein

Artikel vom 28.01.2010

Die Armee braucht Nachwuchs und will junge Leute mit neuen Modellen locken. Die Politik könnte ihr einen Strich durch die Rechnung machen.

Afghanistan zehrt an den Kräften. Wegen der Mission am Hindukusch und anderen Auslandseinsätzen braucht die Bundeswehr dringend Soldaten, die sich für längere Zeit zum Dienst verpflichten. Genau die aber könnten in den nächsten Jahren knapp werden. Grund ist der Bevölkerungsrückgang. Hunderttausende junge Männer und Frauen weniger werden in Zukunft jedes Jahr zur Verfügung stehen – und um die wird die Armee dann noch mit der freien Wirtschaft konkurrieren. Höchste Zeit also für Überlegungen, wie die Attraktivität des Soldatenberufs gesteigert werden kann.

Das Verteidigungsministerium ist schon am planen, und im Gespräch ist vieles: Bewerber sollen sich länger verpflichten können, die Dienstzeiten sollen flexibler, die Unterkünfte besser, die Ausrüstung moderner werden. Das alles ist wichtig, und doch könnte es sein, dass es nicht reicht. Denn ob sich junge Männer und Frauen für die Armee entscheiden, wird auch davon abhängen, wie das Bild des Berufes in der Öffentlichkeit aussieht.

Und da könnten Einsätze wie der in Afghanistan zum Stolperstein werden. Dass gefährliche Missionen im Ausland Teil des Berufes sind, hat inzwischen wohl jeder verstanden. Wer Soldat werden will, muss sich überlegen, ob dieses Risiko für ihn in Frage kommt. Wie Politiker, die die Bundeswehr in Krisengebiete schicken, dann mit den Soldaten umgehen, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Wer am Hindukusch Dienst tut, der muss nicht nur Bombenanschläge der Aufständischen fürchten – sondern auch langwierige Gerichtsverfahren, wenn er im Einsatz Afghanen tötet. Noch immer gibt es keinen konkreten Plan zur Einrichtung einer spezialisierten juristischen Instanz zur Aufarbeitung solcher Fälle. Eines Gerichts also, das weiß, worüber es urteilt.

Wieviele Truppen am Hindukusch sind, wo sie eingesetzt werden und welches Material sie zur Verfügung haben, das wird nicht nach den Bedürfnissen der Armee oder der Lage vor Ort entschieden, sondern nach der innenpolitischen Gemengelage. Und wenn Soldaten etwa zum Schutz vor Geschossen Sandsäcke aufs Dach eines Fahrzeugs montieren, dann müssen sie mit einem Rüffel aus der Heimat rechnen – wegen Verstoßes gegen die Betriebsgenehmigung.

Wer das vor Augen hat, der wird sich zweimal überlegen, ob er zur Bundeswehr gehen und möglicherweise im Auslandseinsatz sein Leben riskieren will. Zum Trottel machen lässt sich niemand gern.

mik/reu/news.de
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Bundeswehr (Foto)
Nachwuchsprobleme Bundeswehr plant längere Dienstzeiten

Der Truppe gehen die Soldaten aus. Das Verteidigungsministerium will die Verpflichtungszeit mehr ...

Mehr als sonst sollen die Soldaten künftig die Zivilbevölkerung unterstützen.  (Foto)
Afghanistan-Debatte Zum Ausstieg mehr Soldaten

Es soll der Anfang vom Ende sein. Erstmals sagt die Bundesregierung, wann sie die Soldaten abziehen mehr ...

News.de-Redakteur Christoph Heinlein (Foto)
Truppenaufstockung Mehr Mut wäre gut

Die Afghanistan-Pläne der Bundesregierung richten sich nach der Lage in Berlin – nicht nach der am mehr ...

Bundeswehrsoldaten (Foto)
Bundeswehrsoldaten Afghanistan lässt die Seele bluten

Immer mehr deutsche Soldaten sind traumatisiert  - die Zahl der Behandelten hat sich fast mehr ...

Maschinengewehrstellung auf der Höhe 431 im nordafghanischen Distrikt Char Darah (Foto)
Bundeswehr Im Stich gelassen

In Afghanistan riskieren deutsche Soldaten täglich ihr Leben. Eine Reportage vom Kampfeinsatz in mehr ...

Heike Groos (Foto)
Soldaten mit Trauma «Angst vor dem Karriereknick»

Von traumatisierten Soldaten und dem Versuch davonzulaufen, erzählt eine ehemalige mehr ...

Bundeswehr (Foto)
Charmeoffensive Appetit auf die Truppe

Die Bundeswehr wirbt auf der Grünen Woche für gesunde Ernährung - und umgarnt nebenbei den mehr ...

Verteidigungsminister besucht das Gefechtsuebungszentrum des Heeres (Foto)
Guttenbergs Problem Ohren geradeaus

Vor Beginn des Kunduz-Ausschusses: Der Verteidigungsminister bereitet sich vor, um nicht wieder in einen Hinterhalt zu mehr ...

Bundeswehr: Berufsbild: Trottel » Politik » Nachrichten

URL : http://www.news.de/politik/855042218/berufsbild-trottel/1/
Schlagworte:
Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 01.02.2010 11:35
von
ZurInfo
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren