Die Krankenkassen meinen, es gehe ihnen schlecht. Deswegen sollen den geplanten Zusatzbeiträgen bald weitere folgen. Proteste sind vorprogrammiert. Die DAK hat bereits Erhöhungen angekündigt.
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Ist es das, was Sie unter «Mehr netto vom brutto» verstehen, Herr Gesundheitsminister?
Die Vorstandschefin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, rechnet damit, dass solche Zahlungen spätestens im kommenden Jahr für fast alle gesetzlich Versicherten fällig werden.
Sie sagte im Deutschlandfunk: «Wir haben bei den gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr ein Defizit von 7,8 Milliarden Euro.» Das sei kein Managementfehler. Es werde aber zu viel Geld für nutzlose Dinge ausgegeben. Trotz eines Zuschusses aus der Staatskasse bleibt unter dem Strich wohl ein Minus von 4 Milliarden Euro übrig.
Mit der DAK verlangt erstmals eine große gesetzliche Krankenkasse Zusatzbeiträge von ihren Versicherten. «Ich werde meinem Verwaltungsrat empfehlen, ab Februar acht Euro zu nehmen», sagte der DAK-Vorsitzende Herbert Rebscher in Berlin.
Gesundheitsexperten sagten voraus, dass zur Jahresmitte jedes zweite der rund 51 Millionen Kassen-Mitglieder betroffen sein wird. Entsprechend äußerten sich Wolfgang Lange vom Brancheninformationsdienst dfg sowie der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski in der Bild. Das wären rund 25 von 51 Millionen zahlenden Kassenmitgliedern. Zusammen mit den beitragsfrei Mitversicherten gibt es insgesamt rund 70 Millionen Versicherte.
Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Wolfram-Arnim Candidus, riet davon ab, wegen der Zusatzbeiträge die Kasse zu verlassen. Ob man dann besser wegkomme, wisse man nicht. Er kritisierte im Sender n-tv: «Wir haben eine falsche Gesundheitspolitik, die daher rührt, dass man eigentlich nur nach Einnahmen und Ausgaben reagiert.» Die Politik traue sich nicht, die Strukturen zu verändern und das Gesundheitswesen effizienter zu machen.
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, kündigte in der Saarbrücker Zeitung ein Alternativkonzept zur Gesundheitspolitik der Bundesregierung an: Die Arbeitgeber sollten anders als von Schwarz-Gelb geplant an der Finanzierung künftiger Mehrlasten beteiligt bleiben. Die Zusatzbeiträge sollten abgeschafft werden. Und alle Kassen sollten wieder ihren Beitragssatz selbst bestimmen.
Kritik ist vorprogrammiert
Die Wohlfahrtsverbände kritisierten die Zusatzbeiträge als unsozial. «Damit verschieben sich die Lasten noch stärker einseitig auf die Arbeitnehmer und Rentner», sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher der Frankfurter Rundschau.
An diesem Montag wollen die ersten Krankenkassen Zusatzbeiträge ankündigen. Sie dürfen ein Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens nicht überschreiten. Allerdings dürften die meisten zunächst nur acht Euro im Monat verlangen, weil die Kassen erst ab dieser Schwelle die Einkommen der Versicherten im Hinblick auf die Obergrenzen individuell prüfen müssen. Dafür ist ein hoher Verwaltungsaufwand erforderlich.
Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat indes die geplanten Zusatzbeiträge kritisiert. Zuerst müsse «nachgewiesen werden, dass alle Sparmöglichkeiten ausgeschöpft sind», forderte Seehofer in München. Er erwarte von «dem zuständigen Bundesgesundheitsminister, sich um diese Frage zu kümmern», sagte der bayerische Ministerpräsident, ohne Philipp Rösler (FDP) namentlich zu nennen.
«Was mir nicht gefällt, ist diese Flucht in Beitragserhöhungen», sagte Seehofer. Beitragserhöhungen würden viele Kassenpatienten überfordern. Deshalb müssten zunächst Anstrengungen auf der Ausgabenseite unternommen werden.
Leserkommentare (11)
Auch Kassenpatienten bezahlen den Arzt .Wenn ich bezahle ,dann möchte wohl sein das eine Leistung kommt . Bei einem Kassenpatienten später bei Privatpatienten eben eher .Die Gier nach Geld ist doch verbreitet .Ich muß leider warten ,da ich nicht so viel Geld habe Privatpatient zu sein .Mir ist auch schon passiert ,daß ein Arzt mich sehr weit schickte zur Physotherapie ,bloß weil es sein Neffe war . Schnur straks habe ich eine in der Nähe gefunden nun bin ich da .Ich belaste mein Portemonaie nicht mehr mit Fahrkosten .
jetzt antworten Kommentar meldenMan muß nur seinen ersten Satz lesen!Der Rest ist ich,ich,ich und noch einmal ich!Er schreibt zu jedem Thema R.weiß alles,Röckchen kann alles und haut eine Halbwahrheit nach der anderen aber immer schleichend zum Wohle der fdp,des politischen Armes der privaten Versicherungen, Banken,der Ärzte,der Apotheker,der Steuerberater,der Hotellbesitzer,und der Stundenhotellbesitzer.Beim Thema sozial bekommt er sofort Speichelfluß.Dann gerinnt das Gehirn und Pawlow nimmt zur großen Freude des Forums Besitz vom Röckchen.Dann kommt die Vorlesung aus dem Märchenbuch"Viagra"! Text ragna.
jetzt antworten Kommentar meldenFortsetzung ...Woher wissen Sie eigentlich, dass Sie abgesehen von weniger wartezeiten wirklich bessere Behandlung haben. Ist denn Ihr Beitrag hoch genug? Ich wünsche Ihnen das, was Sie anderen weniger verdienenden wünschen! Amerika läßt grüßen.
jetzt antworten Kommentar melden1) "...Verträge selbst aushandeln"- Na da scheint ja auch noch eine allumfassende Medizinische Ausbildung gegeben zu sein, das kann ich natürlich nicht. 2) "Mein Recht auf Vorzugsbehandlung nehme ich mir, da ich die Ärzte ordentlich bezahle". Ich bezahle eben nicht nur für mich, sondern auch für die ursprünglich mal so hoch gepriesene soziale Gemeinschaft. Übrigens auch mich wollte man mit Anhang bei den PKV nicht haben...
jetzt antworten Kommentar meldenAuf den politischen Unrat werde ich nicht mehr eingehen. Die Behauptungen stehen: 1.Gesetzl. Zwangsversicherung kann tödlich sein (pol. Leistungsvorgaben). Lauterbach weiß dies und trotzdem trommelt er gegen die priv. KV. 2.Die Zwei-Klassen-Medizin ist gesetzl. bedingt. Mein Recht auf Vorzugsbehandlung nehme ich mir, da ich die Ärzte ordentlich bezahle. 3.Wartezimmer sind unzumutbar. Diese Dauerkranke haben Zeit, suchen sozialen Kontakt und könnten ihre Zeit sowieso nicht besser nutzen. 4.Im Übrigen bin ich gegen Zwangsversicherung. Meine Verträge kann ich selbst aushandeln.
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